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Gleitende Durchschnitte – Auswirkung anderer Zeiteinheiten

Wenn man bei Candlestick-Charts über verschiedene Zeiteinheiten spricht, dann bedeutet dies zunächst einmal, dass eine Kerze die Kursentwicklung eines anderen Zeitraumes widerspiegelt. Eine Kerze im 10-Minuten-Chart umfasst zum Beispiel die Kursentwicklung von 10 Minuten, in einem 1-Stunden-Chart stellt eine Kerze die Kursentwicklung einer Stunde dar.

 

Was zeigen Kerzen im Candlestick-Chart an?

Dabei zeigen die Kerzen in einem Candlestick-Chart stets den Höchstkurs, den tiefsten Kurs, den Eröffnungs- und den Schlusskurs im jeweiligen Zeitraum an. Eine einzelne Kerze hält also eine ganze Menge Informationen bereit.

 

Abbildung: Kerze im Candlestick-Chart

Abbildung: Kerze im Candlestick-Chart

Was zeigt ein Gleitender Durchschnitt an?

Auf einen Gleitenden Durchschnitt bezogen bedeutet die gewählte Zeiteinheit im Candlestick-Chart (aber auch in jedem anderen Chart), dass jeder Punkt auf der Durchschnittslinie den Durchschnittskurs eines bestimmten Zeitraums darstellt.

In einem 5-Minuten-Chart bedeutet ein 50er Gleitender Durchschnitt zum Beispiel, dass jeder Punkt auf der Durchschnittslinie den durchschnittlichen Kurs der letzten 250-Minuten zeigt (5 Minuten x 50).

In einem 1-Stunden-Chart zeigt ein 50er Gleitender Durchschnitt auf jedem Punkt seiner Linie den durchschnittlichen Kurs der letzten 50 Stunden (1 Stunde x 50)an – bei einem 200er Durchschnitt entsprechend den Kurs der letzten 200 Stunden.

 

Was passiert beim Wechsel vom 5- auf den 10-Minuten-Chart?

Soweit zu den Grundlagen. Wenn wir uns nun also statt einen 10-Minuten-Chart den selben Zeitraum (13. bis 25. Februar) in einem 5-Minuten-Chart ansehen, dann reagiert der 50er Gleitende Durchschnitt durch die zugrundeliegende Mathematik schneller auf Kursänderungen des Basiswertes. Entsprechend liegen hier die Kauf- und Verkaufssignale an anderer Stelle als beim 10-Minuten-Chart, wie der folgende 5-Minuten-Candlestick-Chart zeigt.

 

(Quelle: CFX-Trader) DAX, Candlestick-Chart, 5-Minuten-Kerzen

 

Die Pfeile habe ich gegenüber dem 10-Minuten-Chart unverändert gelassen, die Kreise hingegen auf die neuen Signale geschoben. Dabei habe ich mich wieder nur auf die Signale bezogen, die beim Schneiden der beiden Durchschnittslinien entstehen. Vor allem, weil der schnelle Durchschnitt durch das Reduzieren der Zeiteinheit (von 10 auf 5 Minuten) noch mehr Fehlsignale liefert (blaue Durchschnittslinie und Basiswert kreuzen sich deutlich häufiger).

 

Wechsel wirkt sich positiv auf die Gewinnspanne aus

Es zeigt sich, dass die Gewinnspanne der einzelnen Trades in dieser Zeiteinheit (5 Minuten) sogar noch größer ist, als im 10-Minuten-Chart. Die Verkaufssignale entstehen bei etwas höheren Kursen, die Kaufsignale bereits bei etwas tieferen. Der Wechsel auf eine kleinere Zeiteinheit wirkt sich hier also deutlich positiv aus.

 

Bei zu kleiner Zeiteinheit reagieren die Gleitenden Durchschnitte zu schnell

Ganz anders sieht dies aus, wenn ich auf die Zeiteinheit von einer Minute gehe. Hier würden die Durchschnittslinien so schnell reagieren, dass ein Handeln anhand der GDs sinnlos und nahezu unmöglich wird.

(Quelle: CFX-Trader) DAX, Candlestick-Chart, 1-Minuten-Kerzen

 

Bei zu großer Zeiteinheit reagieren die Gleitenden Durchschnitte zu langsam

Ein Wechsel auf die nächst größere Zeiteinheit nach dem 10-Minuten-Chart, also dem 15-Minuten-Chart, bewirkt das genaue Gegenteil. Hier kommen die Signale jedes Mal deutlich zu spät.

(Quelle: CFX-Trader) DAX, Candlestick-Chart, 15-Minuten-Kerzen

Ich habe hier nicht nur die Kreise, sondern auch die Pfeile angepasst. Die Pfeile zeigen nun nicht mehr auf das Signal sondern auf den Kurs. Zudem habe ich vertikale Linien eingezeichnet. Sie können damit sehen, wo sich der Kurs zum Zeitpunkt des jeweiligen Signals befand. Die Signale liegen nun jeweils recht weit vom Kurs entfernt.

 

Jeder Trade wäre im Verlust geendet

Dies hat zur Folge, dass der erste Short-Trade (linker Pfeil) genauso in die Hose gegangen wäre wie der erste Long-Trade. Und auch der zweite Short-Trade (dritter Pfeil von links) wäre in einem Desaster geendet. Es wären in allen drei Trades Verluste entstanden.

 

Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile

Ich habe es immer gesagt: Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. In der Charttechnik gibt es kein Werkzeug, welches zu 100% profitable Signale liefert.

Zudem habe ich Ihnen geschrieben, dass die Gleitenden Durchschnitte nur in Trends und nicht in Seitwärtsphasen funktionieren. Im 1-Stunden-Chart liegt im DAX nur eine Seitwärtsbewegung vor. Wenden wir doch einfach einmal auch hier die Durchschnitte an, um die Problematik der Seitwärtsbewegung zu verdeutlichen:

(Quelle: CFX-Trader) DAX, Candlestick-Chart, 1-Stunden-Kerzen

Hier habe ich als Zeitraum den gesamten Januar und Februar dargestellt. Sie erkennen nun sicherlich, dass es in dieser Seitwärtsphase kaum sinnvoll nutzbare Signale gab.

 

Auf die Wahl der richtigen Zeiteinheit kommt es an

Sie haben nun die Vor- und Nachteile der Gleitenden Durchschnitte kennengelernt. Es bleibt damit nur zu sagen, dass es bei der Anwendung von Gleitenden Durchschnitten hauptsächlich auf die richtige Zeiteinheit ankommt.

Wenn Sie mich nun Fragen möchten, wie man die richtige Einstellung findet, so kann ich Ihnen leider jetzt schon nur sagen, dass es kein Patentrezept gibt. Sonst gäbe es an der Börse ja nur Gewinner. Sie werden die richtige Einstellung einzig und allein durch Erfahrung finden. Und selbst dann werden Sie nicht jeden Trade profitabel abschließen.

Ich wünsche Ihnen gute Gewinne

Sven Weisenhaus

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