MenüMenü

Der MACD: Funktionsweise, Strategien

Oft wird in technischen Analysen auf verschiedene Indikatoren zurückgegriffen. Gerade für Neulinge und weniger erfahrene Anleger an den Finanzmärkten, denen teilweise noch das nötige Hintergrundwissen fehlt, kann dies leicht verwirrend oder demotivierend wirken.

Was hat es zum Beispiel mit dem häufig verwendeten Indikator MACD auf sich? Anhand von ein paar standardisierten Verwendungsmöglichkeiten und Strategien lässt sich der Indikator wohl am besten erklären.

Der MACD-Indikator

Der Moving Average Convergence/Divergence (kurz MACD) ist ein technischer Indikator und gehört gemäß der Standardbörsenliteratur zur Gruppe der „Trendfolger“.

Sein Erfinder Gerald Appel entwickelte ihn in den 1960er Jahren und stellte ihn das erste Mal 1979 der Öffentlichkeit vor. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich der MACD darauf zu einem der bekanntesten Indikatoren der damaligen Zeit. Doch auch heute noch gehört der MACD (bei vernünftiger Anwendung) mit zu den treffsichersten und zuverlässigsten Indikatoren.

Woher kommt der Name „MACD“?

Der Name verrät schon, wofür der MACD steht: Einerseits beruht der Name auf den zwei verwendeten „Moving Averages“ (=MA, gleitende Durchschnitte), andererseits zeigt er die Entwicklung dieser beiden MAs zueinander, welche sich entweder nähern (=Convergence) oder voneinander entfernen (=Divergence).

Wie wird der MACD berechnet?

Die MACD-Linie wird aus der Differenz zweier exponentiell gewichteter, gleitender Durchschnitte (=EMA, exp. moving average) berechnet.

MACD

Abb.: Tageschart von „Apple Inc.“

Von der MACD-Linie wiederum wird ein weiterer EMA ermittelt, der in der Börsenfachsprache „Trigger“ (etwa: Signallinie) genannt wird.

MACD und Trigger eines beliebigen Wertes

Abb.: MACD und Trigger eines beliebigen Wertes

In der standardgemäßen Berechnung wird vom 12-Perioden-EMA (Periode: z.B. Tage,Wochen, Monate…) der 26-Perioden-EMA subtrahiert (=MACD-Linie). Der Trigger wiederum ist ein 9-Perioden-EMA des MACD. Die Standardeinstellungen (12, 26, 9) können Sie je nach eingesetzter Nutzungsweise des MACD (in der Regel) nach Belieben ändern.

Wozu kann ich den MACD nutzen?

Im Folgenden zeige ich Ihnen drei Anwendungsbeispiele für den MACD.

  • MACD als Momentumindikator
  • MACD als Signalgeber
  • MACD als Hilfsmittel zur Untersuchung von Divergenzen

Auf die in der Börsenliteratur oftmals genannte vierte Interpretationsmöglichkeit des MACD mittels des MACD-Histogramms, verzichte ich an dieser Stelle, weil ich diese in einigen Fällen als nichts allzu sehr aussagekräftig ansehe.

1. Der MACD als Momentumindikator

Der MACD zeigt positives Momentum des Basiswertes an, wenn er über null notiert. Liegt der MACD unter dem Nullwert, hat der Wert ein negatives Momentum. Vergrößert sich der Abstand des MACD von der Nulllinie, so bedeutet das gleichzeitig, dass das Momentum anzieht. Analog gilt dies natürlich auch für den umgekehrten Fall.

MACD als Momentumindikator

Abb.: Eingefärbter Tageschart des United States Oil Fund (USO)

In der Grafik sehen Sie die Phasen mit ansteigendem Momentum grün markiert; die Phasen mit fallendem Momentum sind in roter Hintergrundfarbe hervorgehoben.

Strategie:

Viele Händler traden einen Wert nur long, wenn dieser in der gehandelten Periode eine MACD-Konvergenz, d.h. ein ansteigendes Momentum anzeigt. Andere wiederum nehmen als zusätzlichen „Filter“ noch die Nulllinie hinzu. Das heißt, erst wenn der MACD im positiven Bereich ist und gleichzeitig eine Konvergenz anzeigt, wird auf steigende Kurse gesetzt.

2. Der MACD als Signalgeber

Dies ist mit Sicherheit die bekannteste Verwendung für den MACD. Übersteigt die Indikatorlinie den Trigger, gilt dies als Kaufsignal. Unterschreitet umgekehrt der MACD seine Signallinie, bekommen wir ein Verkaufssignal.

Trigger gibt Kauf- und Verkaufssignale

Abb.: Trigger gibt Kauf- und Verkaufssignale

MACD als Signalgeber

Abb.: Eingefärbter Wochenchart eines Silber ETFs (SLV)

Strategie:

Die Idee hinter diesem Anwendungsbeispiel brauche ich wohl nicht mehr zu wiederholen. Stattdessen gebe ich Ihnen einige Hinweise, wie Sie in vielen Fällen Fehlsignale stark reduzieren können.

  1. Es ist bekannt, dass der MACD als Signalgeber auf Wochenbasis wesentlich weniger Fehlsignale gibt als auf Tagesbasis.
  2. Sie vergrößern Ihre „Trefferquote“, wenn der MACD in der gehandelten und in der Zeitperiode darüber das gleiche Signal anzeigt. (z.B. Wochen- und Tageschart-MACD geben beide ein VK-Signal)
  3. Je weiter der MACD von der Nulllinie entfernt ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein in die Gegenrichtung zeigendes (Ver-)Kaufsignal Erfolg bringt.
  4. Überscheitet der MACD die Nulllinie während eines (Ver)Kaufsignals, wird dieses zusätzlich noch bestätigt.

Strategie des MACD als Signalgeber

Abb.: Wochenchart „China National Offshore Oil“

3. Der MACD als Hilfsmittel zur Untersuchung von Divergenzen

Eine Divergenz bezeichnet nichts anderes als die „Auseinanderentwicklung“ zweier Objekte. In unserem Fall sind die Objekte zum einen der MACD, zum anderen der Kursverlauf des Basiswertes.

MACD als Hilfsmittel zur Untersuchung von Divergenzen

Abb.: Wochenchart des S&P 500

Im obigen Chart des S&P 500 sehen Sie rot markiert eine bärische Divergenz, die während des Markttops im Oktober 2007 auftrat. Während der S&P 500 in diesem Zeitraum mit beinahe 1600 Punkten ein neues Allzeithoch markierte, fiel der MACD in dieser Periode. Somit wurde der Kursanstieg des Index nicht bestätigt, was viele Profitrader als „rote Warnflagge“ deuteten. Zu Recht, wie der weitere Chartverlauf zeigt.

Im Gegensatz dazu wurden die diesjährigen Jahrestiefs im März 2009 (unter 700 Punkte im S&P 500) nicht durch den MACD bestätigt. Dieser war zu dem Zeitpunkt schon wieder am Steigen und gab gleichzeitig ein Kaufsignal.

Wie gut in diesen beiden Fällen der MACD als frühzeitiges Warnsignal funktionierte, brauche ich angesichts der weiteren Kursverläufe sicher nicht näher zu erläutern.

Strategie:

Suchen Sie mit Hilfe des MACD nach Divergenzen zwischen Ihrem gehandeltem Wert und der Richtung des Indikators. Interpretieren Sie aufkommende Divergenzen aber nicht über. Es sind lediglich Warnzeichen. Somit heißt das für Sie eben nur, die Augen offen zu halten und Handlungsvarianten für die entsprechend möglichen Szenarien bereitzuhalten.

Wenn Sie jetzt glauben, der MACD wird Sie reich machen…

…dann muss ich Sie leider enttäuschen. Mit dem MACD alleine kommen Sie im Rahmen der technischen Analyse nicht allzu weit. Zum einen liegt das daran, dass der MACD ein nachlaufender Indikator ist, weil er eben mittels der nachlaufenden, gleitenden Durchschnitte berechnet wird. Das heißt, Sie handeln immer ein Stück weit die Vergangenheit.

Ich rate Ihnen deshalb ausdrücklich davon ab, mit dem MACD alleine einen Handelsansatz aufzubauen. Nutzen Sie ihn stattdessen in Verbindung mit anderen Indikatoren und vergleichen Sie auch immer den Chart des gehandelten Wertes, sei er nun im Point-&Figure-Format, Candlestick oder Linienform.

Wenn Sie daran denken und sich immer daran erinnern, dass Sie den MACD auf unterschiedlicher Weise nutzen können (vgl. Anwendungsbeispiele), dann verspreche ich Ihnen, dass Sie mit diesem Indikator trotzdem eine Menge Spaß an der Börsen haben werden.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

Regelmäßig Analysen über Börsenwissen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Alexander Hahn. Über 344.000 Leser können nicht irren.


Alte Kommentare
  • Eleschewski schrieb am 23.09.2009, 19:23 Uhr

    sehr gut und hervorragend