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EUR/USD mit Achterbahnfahrt nach Trump-Interview

Der gestrige Handelstag bei EUR/USD lässt sich mit einem Wort beschreiben: Achterbahnfahrt.

EZB-Chef Mario Draghi enttäuschte den Markt zunächst, weil er es beim EZB-Zinsentscheid bei den üblichen Floskeln beließ: Leitzinsen bleiben auf ihrem Rekordtief, Anleihekaufprogramm soll noch bis mindestens September 2018 fortgesetzt werden, kann bei Bedarf auch ausgeweitet werden…

Draghi kann den Euro nicht mehr bändigen

Fakt ist: Die EZB gibt nach wie vor keine konkreten Hinweise auf ein Ende ihrer Flut des billigen Geldes. Aber das weiß der Markt ja schon. Eigentlich dürfte der Euro in dieser Situation eher seitwärts laufen. Dass er so stark steigt, hat einen anderen Grund: Der Markt bereitet sich bereits auf einen Führungswechsel vor.

Die Amtszeit Mario Draghis endet am 31. Oktober 2019. Es ist also noch eine ganze Weile hin. Doch Draghi gerät in der EZB anscheinend bereits jetzt unter Druck. Die geldpolitischen Falken (Weidmann/ Deutsche Bundesbank, Hansson/ Estland oder Nowotny/ Österreich) verschaffen sich immer mehr Gehör.

Neue EZB-Ära im kommenden Jahr?

Vermutlich wird einer von den dreien die besten Chancen haben, Draghi zu beerben. Dann wäre auch die Ära der südländischen Schuldenmacher beendet und ein strafferes geldpolitisches Regime würde Einzug halten.

Vermutlich nimmt der Markt bereits heute einen Teil dieser Entwicklung vorweg, die den Eurokurs viele Jahre lang prägen wird (unter Draghi fiel er jahrelang ins Bodenlose). Anders ist der jüngste Höhenflug des Euro, der seit Jahresbeginn wieder richtig aufdreht, ohne dass sich etwas am geldpolitischen Kurs bei Euro oder Dollar geändert hätte, nicht zu verstehen.

Euro-Rally: Draghi kann den Euro nicht mehr bändigen

http://stockcharts.com/c-sc/sc?s=%24XEU&p=D&yr=0&mn=10&dy=0&i=p65580701374&a=552818448&r=1516951278347

Trump eilt unerwartet dem Dollar zu Hilfe

Gestern bekam EUR/USD allerdings einen kräftigen Dämpfer von unerwarteter Seite. Nein, nicht Draghi war es, der bekommt so etwas nicht hin. Es war US-Präsident Trump, der bislang eigentlich als ein Freund des schwachen Dollars (also starken EUR/USD) bekannt gewesen ist.

Dieser behauptete einfach mal das Gegenteil von dem, was er bisher immer gesagt hatte (schwacher Dollar ist was Gutes) und redete damit EUR/USD in den Keller. Und Gold und Öl gleich mit.

Trump sorgte nämlich mit einem Interview für Aufsehen, in dem er sich einen starken Dollar wünschte. Sein Finanzminister sei zuletzt mit seiner positiven Einschätzung eines schwächeren Dollars nur falsch zitiert worden.

Nur ein Manöver zur Schadensbegrenzung

Glauben die Märkte Trump? Nein. Der „Schock“ über den plötzlichen Trumpschen Richtungswechsel (nicht ganz ungewohnt bei ihm) dauerte nur wenige Stunden. Aktuell wird EUR/USD schon wieder gekauft und ist auf dem Weg zu neuen Jahreshochs.

Die Äußerung Trumps dürfte wohl als „Schadensbegrenzungsversuch“ zu werten sein, aber nicht als grundsätzlicher Kurswechsel. Ein starker Dollar würde den US-Aktienmarkt in die Knie zwingen und etliche Prozentpunkte Wirtschaftswachstum kosten. Will das Trump?

Wir erinnern uns an Trumps Wahlversprechen, zehntausende Industriearbeitspalätze in die USA zurückzuholen. Das geht nicht mit einer Steuerreform/ „tax holiday“ allein, sondern nur mit einem schwachen US-Dollar.

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Trump ist auf dem besten Weg, auch dieses Wahlversprechen zu erfüllen (Hut ab!). Ein Kurswechsel machte da absolut keinen Sinn.

So bleibe ich auch bei meiner gestrigen Prognose. Zitat: „Ich rechne mit einem weiteren Euroanstieg in Richtung 1,29, was uns noch höhere Gewinne bescheren wird.“

Verlierer der Eurostärke ist der DAX

Es gibt natürlich auch eine Kehrseite dieser Entwicklung. Die exportorientierte deutsche Wirtschaft kann sich in so kurzer Zeit nicht an die rasante Entwicklung am Devisenmarkt anpassen. Sie benötigt dafür mehr Zeit.

Dadurch leiden DAX und MDAX aktuell wieder unter der Eurostärke, während die südländischen Börsen kaum betroffen sind.

Bei DAX und MDAX steht mittlerweile ein Fehlausbruch im Raum, der zu einer kräftigen Korrektur oder zumindest zu einer längeren Seitwärtsbeegung führen kann. Das letzte Wort ist hier aber noch nicht gesprochen.

Beim DAX sehe ich den letzten Strohhalm der Bullen bei ca. 13.100 Punkten. Darunter ist Bärenland. Aktueller Stand: 13.300 Punkte. Mehr dazu in der kommenden Woche, wenn die Entwicklung klarer wird. Ich hoffe auf eine Kurserholung in den nächsten Tagen, würde aber nicht darauf wetten.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

 


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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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