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EZB: Alles beim alten – leider

Die Europäische Zentralbank hat auf ihrer gestrigen Sitzung wie erwartet den Leitzins in der Eurozone unverändert belassen (Hauptrefinanzierungssatz 0,00 Prozent, Einlagensatz der Banken -0,40  Prozent, Spitzenrefinanzierungssatz 0,25 Prozent).

Auch die Anleihekäufe im Volumen von 80 Milliarden Euro pro Monat sollen weiter bis mindestens März 2017 andauern und in jedem Fall so lange laufen, bis ein nachhaltiges Anspringen der Inflationsentwicklung erkennbar ist. Die Inflation sich also dem EZB-Ziel von 2 Prozent nähert.

Die Zinsen sollen laut EZB für längere Zeit, weit über das Ende des Anleihekaufprogramms hinaus, auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben. Kurz: Es bleibt alles beim Alten. Dennoch war diese Entscheidung überraschend.

Kein Einstieg in den Ausstieg

In den vergangenen Wochen gab es bereits Gerüchte am Markt, die EZB wolle das Volumen des Anleihekaufprogramms verringern, um einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik vorzubereiten. Zwar wurden diese Gerüchte von der Zentralbank zurückgewiesen, doch die Marktreaktion war nervös. Wo Rauch ist, ist bekanntlich auch Feuer.

Die Inflation hat wahrscheinlich im Sommer 2016 ihren Tiefpunkt gesehen ich komme ausführlicher in der kommenden Woche auf dieses Thema zu sprechen), jetzt müsste die EZB handeln. Doch sie tut es nicht, um das ohnehin schon schwache Wachstum der Eurozone nicht zu gefährden. Und vor allem, um die Zinslast der riesigen angehäuften Schuldenberge nicht erdrückend werden zu lassen. Die Inflation hat somit freie Fahrt. Doch das ist nicht die einzige negative Wirkung dieser Geldpolitik.

Nicht nur die Eurozone leidet unter Negativzinsen

Japan etwa kopierte nach mehreren letztlich erfolglosen Anleihenkaufprogrammen zu Jahresbeginn 2016 die EZB, in dem es negative Zinsen einführte. Diese Maßnahme ging voll nach hinten los und zerstörte auch noch die wenigen positiven Effekte der Anleihenkäufe.

Die Negativzinsen lösten einen Spar-Reflex aus und zerstörten das Vertrauen von Konsumenten und Unternehmen. Mit der einbrechenden Wirtschaftsstimmung sanken auch die Margen der Banken. Mit all diesen negativen Auswirkungen hat die Eurozone schon länger zu kämpfen. Eigentlich wird es höchste Zeit für eine behutsame geldpolitische Kehrtwende.

Bleibt diese aus, wird sich die Kapitalflucht aus der Eurozone weiter verschärfen. Im Zeitraum August 2914 bis August 2015 wurden aus der Eurozone fast 400 Mrd. Euro Kapital abgezogen. Im darauf folgenden Zeitraum bis August 2016 waren es bereits 610 Mrd. Euro (davon Direkt- und Portfolioinvestitionen von minus 80 Milliarden Euro).

Kein Wunder, dass europäische Aktien nicht wirklich auf die Füße kommen. Und für Unternehmensinvestitionen stellt sich weiter die Frage: Warum sollte ich jetzt investieren, wenn ich billige (oder noch billigere) Kredite auch nächstes Jahr noch bekommen kann?

Straffere Geldpolitik würde Wirtschaft und Kapitalströme sogar ankurbeln

Würde die Geldpolitik hingegen moderat gestrafft, dürfte dies die Investitionsneigung vieler Unternehmen deutlich beflügeln. Dann nämlich könnte zu langes Warten zu Kapitalmehrkosten führen, was zeitnahe Investitionen attraktiver macht. Die EZB muss nur endlich umdenken, anstatt das Pferd weiter von hinten aufzuzäumen. Die Aktienbörsen reagierten gestern verstimmt. Es war nicht das erste Mal nach einer EZB-Sitzung.

Von der Situation profitiert nur eine Anlageklasse

Die gegenwärtige Politik ist nur für eine Anlageklasse gut: Gold. Denn als Schutz gegen eine sich ungehindert ausbreitende Inflation waren Edelmetalle stets gefragt.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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