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Wofür wir Erdöl brauchen!

Am letzten Donnerstag haben wir uns mit der Unterscheidung der verschiedenen Rohölsorten beschäftigt und die Gründe erörtert, welche für die unterschiedlichen Preise der einzelnen Rohölsorten ausschlaggebend sind. Je geringer die Dichte und der Schwefelgehalt eines Rohöls, desto geringer ist der technische Aufwand in den Raffinerien, desto höher also die Qualität des Rohöls und desto höher sein Preis.

Heute möchte ich mich zunächst den Raffinerieprodukten und damit den vielen Verwendungsmöglichkeiten des Rohstoffs, den wir unter dem Begriff Erdöl zusammenfassen, widmen.

Sie alle wissen, dass Erdöl nicht gleich Erdöl ist. Je nach der chemischen Zusammensetzung aus unterschiedlich langen Kohlenwasserstoffketten und weiteren Anteilen von zum Beispiel Schwefel und Nitraten entsteht eine andere Qualität an Rohöl, mit anderen Eigenschaften, und unterschiedlichen Anforderungen an die Raffinerien, um die gewünschten Produkte durch Destillations-, Konvertierungs-, und andere chemische Prozesse herzustellen.

Erdölprodukte

Treibstoffe:

In erster Linie denkt man bei Erdölprodukten natürlich an die Brennstoffe, wie Benzin, Diesel, Kerosin und Flugbenzin. Darüber hinaus natürlich die verschiedenen Heizöle.

Überdies ist aber auch das Flüssiggas, oder LPG (liquefied petroleum gas) ein Erdölprodukt. Unter LPG – nicht zu verwechseln mit dem verflüssigten Erdgas LNG – versteht man die verflüssigten Gase Propan und Butan (oder deren Gemische), welche unter relativ geringem Druck in flüssigem Aggregatzustand verbleiben. Flüssiggas, welches zum Beispiel in Feuerzeugen, Klimaanlagen oder in der bekannten (Propan/Butan-) Campinggasflasche zum Einsatz kommt, wird aber auch Autogas genannt. Tatsächlich kann das Propan/Butangasgemisch in herkömmlichen Ottomotoren als Kraftstoff verbrannt werden. PKWs können relativ unkompliziert auf die Verbrennung von Flüssiggas umgerüstet werden. Gegenwärtig gibt es in Deutschland circa 5.570 Tankstellen an welchen Flüssiggas getankt werden kann. Es handelt sich bei Autogas, aber keineswegs um das herkömmliche Verständnis von Erdgas, sondern um ein Erdölprodukt. (Dennoch wird Erdgas natürlich auch in Erdöllagerstätten gefördert und als CNG oder LNG, in Deutschland unter der Bezeichnung H-Gas oder L-Gas als Fahrzeugtreibstoff genutzt. Gegenwärtig gibt es in Deutschland etwa 852 Erdgastankstellen. )

Andere Erdölprodukte:

In Raffinerien werden aber nicht nur Treibstoffe hergestellt. Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Erdölprodukte wie die Alkene, die ein wichtiger Ausgangsstoff für andere Produkte sind. Aus ihnen kann zwar auch Treibstoff gewonnen werden, sie sind aber zudem der Ausgangsstoff für die Herstellung von Kunststoffen, Waschmittelzusätzen, Epoxidharzen, Polypropylen und mehr.

Ebenso werden aus Erdöl natürlich Schmierstoffe hergestellt, zur Verwendung in Motorölen und Maschinen.

Auch Paraffin -Wachs ist ein Erdölprodukt, welches mit vielen Verwendungsmöglichkeiten aufwartet: Kerzen, in der Medizin und Körperpflege, in der Lebensmittelindustrie und der Textilindustrie und mehr…

Weiterhin werden natürlich aus Erdöl Petrochemikalien gewonnen, wie Aromaten (auch Benzol). Diese chemischen Stoffe werden in der Petrochemie als wichtige Verbindungsstoffe, für die Herstellung weiterer Industrieprodukte wie synthetisches Gummi, Medikamente und Plastik verwendet.

In Erdöl-Raffinerien fallen im Zuge von Entschwefelungsprozessen, Schwefel und Schwefelsäure an. Schwefelsäure ist eine der wichtigsten Chemikalien in der chemischen Industrie und ein Hauptbestandteil für die Produktion von Phosphat -Düngemitteln. Schwefelsäure wird aber auch in der Lebensmittelindustrie genutzt, ebenso wie in der Eisen-und Stahlherstellung. Mithilfe der Schwefelsäure können Erze aufgeschlossen werden und Oxidationsprozesse an Metallen beseitigt werden. Schwefelsäure wird ebenfalls zur Herstellung von Titandioxid verwendet.

Bitumen ist eines der bekanntesten Erdölprodukte. Aus Bitumen stellt man den Baustoff Asphalt her, der heute der wichtigste Rohstoff für den Straßenbau ist. In Deutschland sind etwa 95% der Straßen mit einer Asphaltdecke ausgestattet. Neben sehr zähflüssigen Erdölsorten, wie ein in Venezuela gefördertes Rohöl, die sich hervorragend für die Herstellung von Bitumen eignen, gibt es aber auch natürliche Bitumenvorkommen auf der Welt. Das bekannteste ist Pitch Lake auf der Insel Trinidad, aber auch in der russischen Republik Tatarstan wurde vor einiger Zeit eine bedeutende Bitumenlagerstätte entdeckt.

Nicht zu verwechseln ist Bitumen mit Teer, welches aufgrund seiner die Gesundheit schädigenden Eigenschaften nicht mehr im Straßenbau eingesetzt wird. Teer wird zwar hauptsächlich aus Kohle gewonnen, kann aber auch aus Erdöl hergestellt werden. Heute findet Teer fast nur noch als spezielles Präparat in der Dermatologie, zum Beispiel in der Psoriasis-Therapie, Verwendung.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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