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Erdöl ist nicht gleich Erdöl

wenn in den Medien vom Ölpreis berichtet wird, ist der Bezug meist auf die Preisentwicklung der beiden bekanntesten Rohölsorten WTI und Brent Crude gerichtet. Bisweilen liest, wer sich näher mit der Thematik beschäftigt, auch einmal von der Entwicklung des OPEC-Korbpreises.

Schnell wird an dieser Stelle deutlich, dass die verschiedenen Rohölsorten unterschiedliche Preise aufweisen. WTI notiert meist zu einem teureren Level als Brent – von Ausnahmen abgesehen- und der OPEC-Korb ist immer noch billiger zu haben. Auch das russische Urals gehört zu den billigeren Sorten.

Der Grund für diese Preisunterschiede soll Gegenstand des heutigen Daily sein!

Erdöl ist nicht gleich Erdöl

Erdöl, ein Stoffgemisch hauptsächlich von Kohlenwasserstoffen, mit Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen unterschiedlicher Ketten-Länge, bezeichnet einen Überbegriff verschiedenster Rohölsorten.

Tatsächlich gibt es weltweit Dutzende verschiedener Rohölsorten. Die Unterscheidung erfolgt grob gesprochen nach dem Ort der Lagerstätte, der Dichte, dem Schwefelgehalt und der Viskosität.

Aufgrund der Dichte wird zwischen leichten, Ölen mittlerer Dichte und schweren Rohölen unterschieden.

Aus leichten Rohölen lassen sich beispielsweise höhere Benzinanteile gewinnen, während schwere Rohöle einen höheren Anteil an schwerem Heizöl aufweisen.

Raffinerien trennen zudem nach dem Schwefelgehalt, in süße Rohöle, mit geringerem Schwefelgehalt und saure Rohöle mit höherem Schwefelgehalt.

Leicht und süß mögen es die Raffinerien

Der Gradmesser für die Qualität der einzelnen Rohölsorten sind die Dichte/Viskosität (also die Zähflüssigkeit des Rohöls; leichte Rohöle weisen eine geringere Viskosität auf, sind also fließfähiger) und der Schwefelgehalt. Je leichter und süßer ein Rohöl ist, desto höher ist die Qualität. Vor allem der Schwefelgehalt ist hier ein starker Indikator.

Der Grund dafür ist, dass die schwefelarmen Light Sweet Crudes“ einfacher und günstiger in die benötigten Endprodukte konvertiert werden können.

Aus leichten, schwefelarmen Rohölen werden damit kostengünstiger und rascher Benzin- und Dieselkraftstoffe und Heizöle gewonnen.

Auf der anderen Seite sind manche Rohölsorten so schwer, dass heißt, sie weisen eine so hohe Dichte auf, dass aus ihnen fast nur Produkte wie Bitumen und Schmierstoffe gewonnen werden können.

Süße, leichte Rohölsorten sind dementsprechend die beliebtesten und zudem jene welche bislang am meisten verarbeitet wurden. Doch aufgrund der Überschreitung des Fördermaximums der meisten großen Lagerstätten der bevorzugten Rohöle, sind die Raffinerien weltweit immer stärker gefordert ihre Technologie auszuweiten. Doch noch immer sind manche Raffinerien nicht in der Lage schwerere Rohölsorten überhaupt zu verarbeiten – (dies gilt insbesondere für Raffinerien in der westlichen Hemisphäre, die lange Zeit hauptsächlich die süßen, leichten Rohölsorten verarbeitet haben).

Dies ist der Grund dafür, dass die qualitativ hochwertigeren, süßen, leichten Rohöle auch entsprechend teurer sind als andere Rohölsorten.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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