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Rohstoffe: Rhodium ist viel zu günstig

Wir befinden uns in einer Phase der Deflation. Die Rohstoffpreise stehen unter Druck – allesamt und mittlerweile schon absolut ungeachtet ihrer jeweiligen fundamentalen Ausgangslage.

Nehmen wir beispielsweise einmal Rhodium. Das Edelmetall, das vor ein paar Jahren noch 10.000 US-Dollar pro Feinunze gekostet hat, steht entlang der übrigen Metallpreise derart unter Druck, dass es inzwischen unter die 1.000 US-Dollar-Marke gesunken ist. Doch dieses Preisniveau deckt inzwischen nicht einmal mehr die durchschnittlichen Förderkosten.

Überdies befindet sich der Rhodium-Markt seit Jahren im Defizit. Schätzungen gehen davon aus, dass sich dieses Defizit mindestens bis 2020 hinziehen wird. Und wenn in einem so kleinen Markt wie beim Rhodium plötzlich noch ein zusätzlicher Nachfragefaktor hinzukommt, wie beispielsweise die Investmentnachfrage, dann hat der Preis Explosionspotenzial. Zunächst aber scheint der Rhodiumpreis wenigstens einen ersten Boden auszubilden…

 

Rhodium bildet einen ersten Boden aus

Quelle: infomine.com

 

Um 780 – 800 US-Dollar hat der Preis eine wichtige Unterstützungszone gefunden. Aktuell steht der Rhodiumpreis zwar wieder unter Druck, doch sollte die Unterstützungszone erneut halten (was aus fundamentalen Gründen der Fall sein müsste), dann wäre das ein überaus positives Zeichen.

 

Südafrika bleibt der Knackpunkt für das Rhodium-Angebot

Der weltweit größte Produzent von Rhodium ist, wie bei Platin, Südafrika. Das ist kein Wunder, denn Rhodium fällt in der Regel als Nebenprodukt bei der Platinförderung an. Südafrika produziert rund 84 % des weltweiten Minenangebots. Als das Land vor einigen Jahren unter Stromausfällen litt, fiel die südafrikanische Rhodium-Produktion in 2008 um 17,5 % gegenüber 2007 auf 574.000 Unzen. Das weltweite Minenangebot knickte damit um 15,6 % ein und der Rhodiumpreis schoss bis Mitte 2008 auf 10.000 USD pro Unze.

Rhodium-Preis-Entwicklung langfristig

 

Quelle: infomine.com

Im vergangenen Jahr schon sorgten die massiven Streiks in Südafrikas Minen für Förderausfälle und ein Defizit in Höhe von 72.000 Unzen – leider im falschen Marktumfeld und ohne nennenswerte Konsequenzen für den Rhodiumpreis. Doch die südafrikanische Minenindustrie hat riesige Probleme, erst Recht, nachdem man sich nun auf Lohnerhöhungen geeinigt hat. Die Kosten der südafrikanischen Minenproduktion laufen damit derart aus dem Ruder, dass auf Sicht der kommenden Jahre mit einer rückläufigen Produktion zu rechnen ist. Schon jetzt werden Minen dicht gemacht, Projekte auf Eis gelegt, von neuen Investitionen spricht in Südafrika niemand mehr.

Schon gar nicht, wenn es um die Förderung von Rhodium geht. Denn die ist so teuer, dass mittlerweile wohl niemand mehr auch nur eine Unze aus dem Boden holen würde, wenn das Metall nicht als Nebenprodukt beim ebenfalls viel zu günstigen Platin gefördert würde.

Kosten der Förderung liegen über dem Erlös

Quelle: Lonmin

Was Sie in dieser Grafik sehen, ist eine Übersicht über die totalen Cash-Kosten der südafrikanischen Minen. Im Durchschnitt liegen die Kosten bei fast 1.100 US-Dollar pro Feinunze. Und selbst Simbabwe fördert nur zu knapp unter 900 US-Dollar.

 

Wenn die Investoren den Markt erobern

Mit einem Rhodiumpreis unter 900 US-Dollar und selbst einem Platinpreis von unter 1.000 US-Dollar ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die südafrikanischen Minen der Reihe nach aus dem Markt verschwinden. Sowohl für den Platinmarkt, aber vor allem für den Rhodiummarkt würde dann die größte Angebotsquelle versiegen.

Aktuell mag sich die Weltwirtschaft zwar mal wieder auf einem schweren Pfad befinden. China schwächelt deutlich, Europa droht wieder in die Rezession zu stürzen und in den USA ist längst nicht alles so eitel Sonnenschein wie gedacht. Dennoch erweist sich die Nachfrage nach Rhodium sowohl aus der Automobilindustrie, als auch seitens der chemischen und der Glasindustrie als zumindest robust.

Wenn Sie sich noch einmal den Chart von oben vergegenwärtigen, dann erkennen Sie, dass der Rhodiummarkt wahrhaftig fantastische Preissprünge bietet. Das liegt vor allem daran, dass der Markt im Vergleich zu Märkten wie dem Platin- oder gar dem Goldmarkt verschwindend klein ist. Während der Platinmarkt ein jährliches Volumen von fast 13 Mrd. US-Dollar erreicht, schafft es der Rhodiummarkt gerade einmal auf knapp 1 Mrd. US-Dollar. Der Goldmarkt erreicht sogar ein Volumen von über 200 Mrd. US-Dollar.

Die Vergangenheit zeigt: Wenn der Markt plötzlich in eine Verknappung fällt, dann können sich die Preise innerhalb von 4 Jahren schon einmal verzehnfachen. Dafür braucht es nur den richtigen Auslöser. Zum Beispiel einen deutlichen Anstieg der Investmentnachfrage. Schließlich ist Rhodium auch ein seltenes Edelmetall und inzwischen sowohl als ETF, als auch in Barrenform zu Investmentzwecken käuflich zu erwerben. Dies wird gerade jetzt immer wichtiger, wo sich immer deutlicher herauskristallisiert, dass die Aktienmärkte ein hohes Korrekturpotenzial aufgebaut haben und die Menschen wieder mehr Wert auf echte Sachanlagen und Sichere Häfen legen.

Und wenn dann schließlich das Beispiel der Deutschen Bank Schule macht und über die Jahre weitere Rhodium-ETFs folgen und dieser Teil der Gesamtnachfrage, ähnlich wie die Platin- und Palladium-Pendants, im Durchschnitt zwischen 5-8 % des jährlichen Angebots aufsaugt, dann wird die Investment-Nachfrage auch im Rhodium-Markt zu einem wesentlichen Faktor, der für eine erneute Verzigfachung der Preise sorgen kann.

 

So long liebe Leser…damit verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend…morgen wollen wir uns noch mit ein paar wichtigen Grudlagen des Rhodiummarktes beschäftigen und uns ansehen, welche Nachfragefaktoren für den Markt besonders wichtig sind….liebe Grüße und bis morgen…

Ihre Miriam Kraus

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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Alte Kommentare
  • wettzel meinolf schrieb am 01.09.2015, 11:37 Uhr

    Habe vergeblich versucht einen Rhodium ETF zu finden . bitte nennen Sie eine WKN (nicht ais Empfehlung!!)