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So funktionieren die Goldpreismanipulationen der Großbanken

Die Deutsche Bank und zahlreiche andere Großbanken sollen über Jahre die Preise für Edelmetalle durch das so genannte „Spoofing“ manipuliert haben. Dabei werden große Kauf- oder Verkaufsaufträge platziert, die dann aber wieder plötzlich zurückgezogen werden. Da diese Angebote für alle sichtbar sind, werden dadurch wiederum andere Käufer und Verkäufer angelockt. Somit lässt sich der Preis in die eine oder andere Richtung zu lenken.

Manipulationen offenbar an der Tagesordnung

Die Deutsche Bank muss dafür jetzt eine Strafe von 30 Millionen Dollar zahlen. Darauf hat sich das Institut im Rahmen eines Vergleichs geeinigt. Geklagt hatte die amerikanische Aufsichtsbehörde für Rohstoffhandel. Neben der Deutschen Bank sollen auch UBS und HSBC den Preis manipuliert haben. Beide Häuser müssen ebenfalls eine Millionenstrafe zahlen. Nach Aussage der Deutschen Bank wurden die internen Kontrollmechanismen in der Zwischenzeit verändert. Seit 2009 ist diese Methode in den USA verboten.

Die Deutsche Bank steht nicht zum ersten Mal im Fokus der Öffentlichkeit wegen mutmaßlicher Marktmanipulationen. Weil die Bank mit dem Euribor und Libor die Zinssätze absichtlich beeinflusst haben soll, wurde die Bank vor einigen Jahren bereits zu einer Strafe von 2,5 Milliarden Dollar verdonnert. Derzeit prüfen US-Behörden, inwieweit die Deutsche Bank in die Russland-Verbindungen des Trump-Clans verstrickt ist.

Wird der Goldpreis absichtlich niedrig gehalten?

Durch die jetzt bekannt gewordenen Strafz

ahlungen der Deutschen Bank bekommen zahlreiche Spekulationen neue Nahrung. Immer wieder gibt es Gerüchte, dass der Goldpreis absichtlich niedrig gehalten wird. Von den Banken, aber im Auftrag von Regierungen und staatlichen Organisationen.

Die Gerüchte rund um dauerhafte Manipulationen basieren auch auf der Tatsache, dass der Preis zwei Mal am Tag von nur einer Handvoll Teilnehmern ermittelt wird. In London findet das sogenannte Goldfixing statt. Dabei kommen ganze fünf Akteure zusammen die dort ihre Kauf- und Verkaufsaufträge abgeben können. Diese Fünf bilden die London Bullion Market Association (LBMA). An diesem außerbörslichen und wenig überwachten und regulierten Handelsplatz wird seit 1919 der Marktpreis für Gold festgestellt. Dieser tägliche Marktpreis ist die Basis für viele Geschäfte, die weltweit abgewickelt werden.

Der ermittelte Preis dient auch als Basis für den megawichtigen Handel mit Derivaten. Also, für hochspekulative Termingeschäfte, mit einem Volumen von Hunderten von Milliarden Euro. Und das tagtäglich. Jeden Tag wird um 11:30 und um 16:00 ein fester Preis ermittelt. Da sich die Preise wie üblich nach Angebot und Nachfrage richten, kann der Preis durch ein extra hohes Verkaufsangebot leicht gedrückt werden.

Bloß keine Krisenstimmung aufkommen lassen

Noch interessanter ist allerdings die Theorie, dass zahlreiche Regierungen und Notenbanken ein gesteigertes Interesse an einem niedrigen Goldpreis haben könnten. Denn der Goldpreis ist auch ein Krisenindikator. Ist er niedrig, gibt es keinen Grund zur Sorge. Alles ist in Ordnung. Steigt er dagegen kräftig an, wird das automatisch mit dem Wort „Krise“ in Verbindung gebracht. Der Eindruck entsteht, dass etwas nicht in Ordnung ist und möglicherweise aus dem Ruder läuft. Es könnte eine Mischung entstehen aus Misstrauen und Verunsicherung.

Und genau das möchte keine Regierung, schon gar nicht die Amerikanische. So die Theorie zahlreicher Menschen, die den Goldpreis seit Jahrzehnten beobachten. Alles soll nach außen schön und sicher verpackt sein. Das Finanzsystem ist in Takt und funktioniert. So die Botschaft derer, die den Goldpreis angeblich niedrig halten. Sicherlich sind dies alles nur Spekulationen. Nichts konnte bislang hundertprozentig nachgewiesen werden. Interessant sind die Spekulationen aber auf jeden Fall.

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Über den Autor
Thomas Schwarzer

Thomas Schwarzer ist ein Wirtschafts- und Börsenexperte mit ausgeprägter Erfahrung im Wirtschafts- und Börsenjournalismus.

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