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Goldjünger erstaunen mich immer wieder

Für mich gibt es nichts Erstaunlicheres im Bereich der Kapitalanlagen als Diskussionen mit Gold-Fans. Gerade gestern habe ich wieder eine interessante Diskussion gehabt. „Die Schuldenpolitik der Notenbanken führt doch in die Katastrophe“, gab mein Gesprächspartner zu Bedenken.

„Wir Sparer sind dabei die Gelackmeierten“, ergänzte er. Zumindest mit Letzterem hat er natürlich völlig Recht. Sein erstes Statement hingegen lässt sich so einfach nicht beantworten.

Die aktuelle Geldpolitik der EZB ist jedenfalls keine Steilvorlage dafür, in Geldmarktprodukte wie Sparbuch oder Rentenpapiere zu investieren. Das ist klar. Wer dies macht, ist tatsächlich ein Verlierer.

„Da hilft doch nur Gold“, kam jetzt auf das Tablett. „Ja“, entgegnete ich, „Gold ist durchaus ein Instrument, sich vor Vermögensverlusten zu schützen. Allerdings eignet es sich aus historischer Sicht nicht zum Vermögensaufbau.“ Für eine Unze Gold gab es schon immer einen maßgeschneiderten Anzug.

Das war vor 100 Jahren ebenso der Fall wie heute. „Und wenn man Gold zum falschen Zeitpunkt kauft, drohen übrigens Verluste wie bei Immobilien“, ergänzte ich und verwies auf den Einbruch des Goldpreises von über 1.900 Dollar je Feinunze auf aktuell nur noch 1.230 Dollar.

Die Realität sieht manchmal anders aus als der gefühlte Ist-Zustand

Interessanterweise sehen das „Goldjünger“ anders. Sie haben schließlich ihre glänzenden Münzen, Nuggets oder auch kleinere und größere Barren in ihren teuren Tresoren.

Und die sind da ja immer noch drin. Wenn ich als Aktienfan dann darauf hinweise, dass einem niemand auch nur eine seiner 100 Siemens-Aktien wegnimmt, wenn diese im Kurs mal korrigiert, ernte ich nur ungläubige und verständnislose Blicke.

Für viele Deutsche sind und bleiben Aktien eine Art „Papiergeld“. Nichts ist falscher als das.

Doch weiter in der Gold-Euphorie: „Wenn wir mal eine richtig schwere Krise haben, bin ich mit meinem Gold auf der sicheren Seite“, führte mein Diskussionspartner von neulich weiter aus. „Das kommt auf die Schwere der Krise an“, entgegnete ich.

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„Wenn es nämlich wirklich mal so schlimm kommt, wie die Untergangspropheten propagieren, nützen Dir Deine kleinen Goldnuggets genauso viel wie ein paar Flaschen Wodka.“ Und diese sind im Preis deutlich günstiger zu erwerben.

Dann erzählte ich ihm die Geschichte von einem Bekannten, der unmittelbar nach der Finanzkrise tatsächlich 1.000 Flaschen Wodka bei ALDI gekauft und im Keller eingelagert hat – für den Fall der Fälle.

Er erklärte das damit, dass Wodka unverderblich sei, viele Russlanddeutsche in seiner Region Schrebergärten besäßen und man dann notfalls gut tauschen könnte. Oder sich wenigstens selbst betäuben…

Was lernen wir daraus? Bei allem, was wir tun und machen, kommt es stets auf die Sichtweise an. Es gibt gute, nein sehr gute Gründe, in Aktien zu investieren – übrigens hat der DAX gerade ein neues Allzeithoch erklommen –, es gibt auch Gründe in Gold oder Wodka zu investieren.

Allerdings gibt es zumindest bezogen auf die nächsten 5 Jahre kaum Gründe, sein Geld auf dem Sparbuch versauern zu lassen und stillschweigend mitanzusehen, wie es kontinuierlich an Kaufkraft verliert.

 

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Über den Autor
170407 Invest Jürgen Schmitt 72 08
Jürgen Schmitt

Jürgen Schmitt hat Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Fulda studiert und ist Mitbegründer der Beratungs- und Investmentgesellschaft Meconomics.

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