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Ratingagenturen: The Big Three

Eine Ratingagentur ist ein privates Dienstleistungsunternehmen, das die Kreditwürdigkeit von kleinen und großen Unternehmen, Banken und Staaten analysiert. Sie untersuchen die Kreditwürdigkeit dahingehend, wie hoch die Wahrscheinlichkeit des Kreditnehmers ist, seine laufenden Kredite oder zumindest deren Zinsen bezahlen zu können.

Die Ratingagentur präsentiert ihre Analyse mit dem Rating und vergibt Noten. Die Notenskala reicht von AAA (= sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass Kredite und Zinsen auch zukünftig bedient werden können) bis CCC (= Rückzahlung der Verbindlichkeiten ist höchst unwahrscheinlich).

 

The Big Three: Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings

Heute gibt es praktisch nur noch drei große Ratingagenturen (The Big Three): Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings. Das war nicht immer so. Die ersten Ratingagenturen der USA entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts.

Um die Jahrhundertwende herum gab es viele Eisenbahngesellschaften. Die Branche war lukrativ. Die Erschließung des Westens und der hohe Konkurrenzdruck führten dazu, dass die Gesellschaften expandieren wollten. Dafür benötigten die Gesellschaften Kredite.

Die Kreditgeber oder Investoren wollten sicher sein, dass sie ihr Kapital sicher und gewinnbringend anlegten. So bewertete Henry William Poor als Erster die Eisenbahngesellschaften und deren Wertpapiere für mögliche Anleger. Ab dem Jahr 1868 brachte er ein jährliches Eisenbahn-Handbuch heraus, in dem sich Anleger über lohnende Aktien informieren konnten.

Luther Lee Blake gründete 1906 das Standard Statistics Bureau. 1909 gründete John Moody die Agentur Moody’s und erstellte systematische Ratings für die Eisenbahngesellschaften. John Knowles Fitch folgte 1913 mit seiner Fitch Publishing Company.

Alle Agenturen brachten Handbücher und Informationsbroschüren über Eisenbahngesellschaften heraus. Erst allmählich analysierten die Ratingagenturen auch andere Branchen. 1941 fusionierte Standard Statistics mit Poor’s Publishing zu Standard & Poor’s.

 

The Big Three übernehmen kleine Agenturen

Es entstanden weitere Ratingagenturen dieser Art. Die drei großen Ratingagenturen kauften diese oft in jahrzehntelangen Übernahmeprozessen auf oder sie erreichten nicht die Bedeutung der Big Three.

Nach dem New Yorker Börsencrash von 1929 führte man einige Reformen unter anderem im Finanzsektor durch. So entstand die erste Börsenaufsicht, die Security Exchange Commission (SEC).

Durch sie erhielten die Ratingagenturen eine hoheitliche Funktion: Sie bewerteten als Beauftragte der staatlichen Börsenaufsicht die Sicherheit von Geldanlagen. Investoren sollten zwischen sicheren („investment grade“) und spekulativen („non investment grade“) Investitionen unterscheiden können.

Durch gesetzliche Regelungen durften später Banken, Versicherungen und andere Finanzakteure in den USA keine Wertpapiere erwerben, die mit „non investment grade“ bewertet waren. Dadurch wollte man einen erneuten Börsencrash verhindern. Die drei großen Agenturen Standard & Poor’s (S & P), Moody’s und Fitch Ratings erhielten als einzige die Lizenzierung für diese staatliche Aufgabe.

 

Ratingagenturen in Europa und Deutschland

Die Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings beherrschen 97% des Weltmarkts. Sie haben Standorte in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Es gibt auch noch andere Ratingagenturen. Deutsche Ratingagenturen bedürfen der Zulassung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Je nach Lizenz erstellt eine Ratingagentur in Deutschland nur Ratings für ihren zugelassenen Bereich. So gibt es viele kleine Ratingagenturen für verschiedene Branchen und mittelständische Unternehmen. Internationale Bedeutung erreichen die deutschen Ratingagenturen jedoch nicht.

Die Bewerteten bezahlen die drei großen internationalen Ratingagenturen für ihre Ratings. Außerdem stehen diese Agenturen in der Kritik, die Finanzkrise von 2007 und die daraus entstandene Eurokrise mitverursacht zu haben.

Daher wurde in Europa das Verlangen nach einer eigenen, europäischen Ratingagentur groß, die zugleich international anerkannt ist. Sie soll ein Gegengewicht zu den „Big Three“ darstellen. Diese europäische Ratingagentur soll unabhängig Staaten bewerten, um mehr politische und finanzielle Stabilität in die Eurozone zu bringen. Daher soll sie als nicht gewinnorientierte Stiftung gegründet werden zusammen mit einer operativen Gesellschaft.

Man muss abwarten, ob und wie schnell dieses Vorhaben gelingt. Initiativen für eine unabhängige europäische Ratingagentur gab es früher schon. Sie blieben alle erfolglose Versuche.

 

 

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