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Folgen eines schlechten Ratings

Bekommt ein Unternehmen oder ein Staat ein Triple-A-Rating (AAA) einer Ratingagentur, kann es anschließend leicht neue Kredite zu günstigen Zinskonditionen erhalten.

Je schlechter die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit einer Bank, eines Unternehmens oder eines Staates einstuft, desto schwieriger kommt der Bewertete an neues Kapital heran. Und desto teurer wird die Aufnahme von frischem Geld. Die zu zahlenden Zinsen sind umso höher, je schlechter das Rating ausfällt.

Deutschland zum Beispiel hat eine Triple-A-Bewertung (AAA) mit stabilem Ausblick und ist einer der Spitzenreiter in der Eurozone. Daher bekommt es fast zum Nulltarif neue Kredite in Form von Staatsanleihen. Anfang Juni 2012 lag der Zinssatz für deutsche Staatsanleihen bei 1,127 Prozent. Zum Vergleich: Spanien hat im Juni 2012 ein BBB-Rating und muss für seine Staatsanleihen einen Zinssatz von 6,975 Prozent bezahlen.

 

Downgrade von Staaten

Damit enden die Folgen eines Ratings nicht. Weil Ratingagenturen Spanien abstuften (downgrade) und es nun noch teurer an frisches Kapital herankommt, spitzte sich in Spanien die Finanzkrise zu. Schließlich forderte es Hilfen aus dem europäischen Rettungsschirm an. Auch Italien, Portugal und Griechenland stuften Agenturen in ihren Ratings ab. Immer mehr Euroländer werden von den Ratingagenturen abgestuft. Es ist davon auszugehen, dass dadurch mehr Rettungsaktionen nötig werden.

Am Beispiel Griechenland wird die Tragweite eines Staats-downgrade besonders deutlich: Griechenland hatte 2010 bei einem Haushaltsdefizit von 11 Prozent 24 Milliarden Euro zu viel Schulden im Vergleich zu dem, was nach den „Maastricht-Kriterien“ der EU zulässig ist. Als Folge der abgesenkten Ratings stiegen die Zinszahlungen innerhalb kurzer Zeit von 10 auf 56 Milliarden jährlich.

 

Schuldenspirale dank schlechtem Rating

Um Hilfen in Form von europäischen Rettungspaketen zu erhalten, musste Griechenland staatliche Sparmaßnahmen durchsetzen. Diese sind verbunden mit einem wirtschaftlichen Abstieg. Griechenlands Bruttoinlandsprodukt sinkt, es nimmt weniger Steuergelder ein. Griechenland kann seinen viel höheren Schuldenberg – selbst beim besten Sparwillen – nicht mehr zurückzahlen.

Jedes von Ratingagenturen abgestufte Land hat weitreichende Folgen für andere noch nicht abgestufte Staaten. So hat dies unmittelbare Auswirkungen auf Deutschland. Es muss in Zukunft mit höheren Ausgaben rechnen, denn Deutschland ist an jeder Rettungsaktion mit 27 Prozent beteiligt.

Das veranlasst Finanzakteure wie große Investmentbanken und Hedgefonds auf steigende Zinsen für Deutschland zu wetten und prompt steigen die Zinsen für deutsche Staatsanleihen. Anfang Juli 2012 stiegen sie auf 1,64 Prozent. Innerhalb eines Monats sind die Zinsen für deutsche Staatsanleihen von 1,127 auf 1,64 Prozent und damit um mehr als 0,5 Prozentpunkte gestiegen. Somit wird es trotz des Best-Ratings für Deutschland teurer, an frisches Kapital heranzukommen.

 

Ratingagenturen und die Finanzkrise

Das Rating eines Staates beeinflusst die Einstufungen der Banken und Unternehmen in diesem Staat und die ausländischen, die mit diesen in einer Geschäftsbeziehung stehen. Deshalb wirken sich Staaten-Ratings auf die Wertentwicklung von Aktien aus. Selbst wenn die Schulden des Staates nichts mit den Schulden der betroffenen Aktiengesellschaften zu tun haben und sie in keiner Geschäftsbeziehung zueinander stehen.

„Märkte“ nutzen diese Zusammenhänge und setzen sie zu spekulativen Gewinnzwecken ein. Sie handeln mit ihren Derivaten (Kreditversicherungen, Indexwetten und andere strukturierte Finanzprodukte), geben sich im Interbankengeschäft gegenseitig Kredite und steigern mit der Krise ihre Profite.

Die „Märkte“ setzen sich zusammen aus Hedgefonds, Investmentbanken, weiteren Finanzakteuren und insbesondere den Ratingagenturen und deren Eigentümern. Für die Auslöser einer Krise spielen die gezielten zeitlichen Platzierungen der Ratings eine Rolle. Besonders die gehäufte Vergabe mehrerer unbeauftragter Ratings innerhalb kurzer Zeit. Auf diese Weise bringt man Steinchen ins Rollen, die zu der Lawine namens Eurokrise oder Finanzkrise führe.

 

 

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