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Was und wie bewerten Ratingagenturen?

esonderes Augenmerk legen Ratingagenturen auf die Bewertung von strukturierten Finanzprodukten. Das sind verbriefte Konsumenten- und Hypothekenkredite, Zinswetten und andere mehrfach verschachtelte Wertpapiere. So bewerten die Ratingagenturen verschiedenste Formen von Krediten. Das heißt die finanzielle Verpflichtung gegenüber einem Geschäftspartner.

Zum anderen erstellen die Ratingagenturen auch über die Käufer und Verkäufer von diesen Wertpapieren ein Rating. Das sind private Unternehmen, Banken, Konzerne, öffentliche Unternehmen, Städte, Kommunen, Bundesländer und Staaten.

 

Bestellte und unbestellte Ratings

Grundsätzlich muss kein Unternehmen und kein Staat ein Rating bei einer der Ratingagenturen bestellen. Ein Unternehmen, dass sich ein Rating kauft, erhält ein gewisses Gütesiegel. Unternehmen ohne Rating haben ein schlechteres Ansehen.

Bei einem bestellten Rating gibt der Kreditgeber oder Emittent eines Wertpapiers ein Rating in Auftrag und bezahlt dafür (Issuer-Pays-Modell). Möchte eine Bank ein neues strukturiertes Finanzprodukt auf den Markt bringen, kauft sie ein Rating dafür.

Je besser das Rating ausfällt, umso leichter verkauft sich das neue Finanzprodukt. Auch Unternehmen bezahlen für ihre eigene Bewertung. Nach einer guten Bewertung kommen sie leichter an neue Kredite heran und müssen in der Regel für diese weniger Zinsen zahlen.

 

Unsolicited ratings

Ratingagenturen erstellen auch Ratings von Unternehmen oder Staaten, ohne dafür einen Auftrag bekommen zu haben. Und ohne dafür bezahlt zu werden. Diese Ratings bezeichnet man als unsolicited ratings (ungebetenes Rating, ohne Auftrag).

Ungebetene Ratings fallen in ihrer Bewertung in der Regel schlechter aus als bestellte Ratings. Die Agenturen erklären dies damit, dass ihnen nicht alle Daten des Unternehmens für das Rating bekannt waren. Das Rating konnte nur mit den der Öffentlichkeit bekannten Informationen erstellt werden. Die Ratingagenturen garantieren ausdrücklich nicht die Korrektheit, Angemessenheit oder Vollständigkeit der benutzten Informationen.

Da solche ungebetenen Ratings eine große Wirkung haben, stehen die Bewerteten unter Druck, sich mit der Agentur in Verbindung zu setzen und ein neues, bezahltes Rating auszuhandeln. Dieses fällt danach immer besser aus.

 

Wie bewerten Ratingagenturen?

Alle drei großen Ratingagenturen vergeben ihre Noten mit Hilfe von Buchstabenkombinationen. Was die Buchstabenkürzel bedeuten, sehen Sie in der folgenden Übersicht.

Innerhalb der Buchstabenkombinationen gibt es weitere Feinabstufungen. Standard & Poor’s sowie Fitch Ratings drücken diese mit + und – Zeichen aus (AA+, AA, AA-). Bei Moody’s kommen Zahlen von 1-3 zum Einsatz (Aa1, Aa2, Aa3). Damit vergleichen sie Schuldner nochmals innerhalb einer Kategorie.

 

Qualität der Ratings

Das Ziel eines Ratings ist möglichen Investoren auf einen Blick zu zeigen, ob das Kapital in dieses Wertpapier oder Unternehmen sicher angelegt und versprochene Zins- und Tilgungsleistungen erbracht werden können. Oder ob ein Ausfallrisiko besteht. Dabei ist wichtig, dass sich die Investoren auf das Rating verlassen können.

Grundsätzlich hätten die drei großen Ratingagenturen ihren Ruf zu verlieren, wenn das veröffentlichte Rating nicht stimmt. So behaupten die Ratingagenturen, dass die Rating-Kriterien streng objektiv sind. Weder die Politik noch Auftraggeber können sie beeinflussen.

Die Ratings basieren vor allem auf den Bilanzen und Haushalts- und Verschuldungsstatistiken der Staaten der vergangenen Jahre, Investitionen, Umsatz, Kosten und Einnahmen in Vergangenheit und Zukunft, Krediten und Eigenkapital, Liquiditätsentwicklung. Auch die Qualität des Managements, Zahl und Qualifizierung des Personals, Rechnungswesen, Kunden und Lieferanten, Marketing und Vertrieb, Branchenumfeld und Produktivität untersuchen die Agenturen für das Rating.

Entscheidend für die Bewertung ist, wie die einzelnen Informationen gewertet und wie sie gegeneinander gewichtet werden. Hier halten sich die Ratingagenturen bedeckt und teilen selbst den bewerteten Unternehmen oder Staaten diese Bewertungs-Matrix nicht mit. Wie ein Rating zustande kommt, bleibt ein gehütetes Geschäftsgeheimnis aller Ratingagenturen.

 

 

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