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Bill Bonner: Mein Top-Tipp für 2014 – russische Aktien

„Man kann den Russen nicht trauen“, so die Warnung. Sie kam von einem Taxifahrer in Moskau, welcher sie meinem Sohn Henry gab. Ich hatte ihn losgeschickt, um Erkundungen einzuholen.

Aus meiner Sicht war das unnötige Vorsicht. Ich habe Russen sowieso nie getraut. Und auch nicht den Chinesen. Und auch nicht der Demokratischen Partei. Oder Vermögensverwaltern. Oder General Petraeus. Oder den Leuten aus Nord-Baltimore, oder Leuten westlich von Hagerstown. Aber was soll es?

Man braucht Vertrauen, wenn man bei Amazon kaufen will. Oder Google. Man braucht auch Vertrauen, wenn man US-Staatsanleihen kauft. Oder wenn man sein Haus umbauen lässt, vertraut man darauf, dass es im richtigen Zeitplan mit den richtigen Materialien geschieht.

 

Aber russische Aktien sind derzeit so günstig bewertet, dass man den Russen nicht trauen muss, um von der Situation dort zu profitieren. Deshalb ist der russische Aktienmarkt eine meiner Top-Empfehlungen. Seit 2009 haben die Zentralbanken der Welt zusätzliche 8 Billionen Dollar in die Weltwirtschaft gepumpt. Aber Mütterchen Russland ist das nicht zugute gekommen.

Das KGV auf Basis der letzten 12 Monate liegt für russische Aktien bei 5,7. Dies steht in starkem Gegensatz zum S&P 500, der ein entsprechendes KGV von 18,9 hat. (Mit anderen Worten, ein Dollar Gewinn bei russischen Unternehmen wird mit einem Discount von fast 70% zu einem Dollar Gewinn bei einem US-Unternehmen verkauft.)

„Da ist eine Krise eingepreist“, so Robert Marstrand, ehemaliger britischer Investmentbanker. „Und es gibt keine Krise.“

Ein anderer Kollege, Merryn Somerset Webb, sagt, dass russische Aktien im internationalen Vergleich „günstig bewertet sind, und auch günstig in Relation zu den eigenen Bewertungen von Aktien in Russland. Nach beiden Maßstäben ist das Niveau nun auf dem Level von 2008, und nicht weit von der Hälfte des Durchschnitts der letzten 10-15 Jahre entfernt.“

„Sie werden sagen, das macht Sinn. Denn wer will schon normale Preise zahlen für Vermögensanlagen, welche sich in einem anormalen Status befinden? Sicher wird alles, was von einer schwächelnden Volkswirtschaft abhängt, die wiederum von Gas und Öl abhängt, auch schwächeln? Das sind gute Argumente.“

Zu derzeitigen Kursen preisen die Investoren in Russland die Rückkehr von Stalin ein, sagt Merryn. Deshalb bat ich meinen Sohn Henry, dass er nach Moskau reist und sich die Lage anschaut.

 

Wir schulden den Sowjets eine Menge

 

„Russische Unternehmen sind sehr ineffizient. Und sie arbeiten in einer Welt, die es schwer macht, dass die Dinge erledigt werden“, berichtet Henry.

„Aber man muss vorstehen, dass die Russen 70 Jahre lang in einer Volkswirtschaft gelebt haben, der es egal war, ob die Dinge richtig gemacht werden. Der Output war wirklich egal.“

Bevor die Russen den kapitalistischen Weg nahmen, war es so, wie ein Arbeiter sagte: „Wir tun so, als ob wir arbeiten. Die tun so, als ob sie uns bezahlen.“

„Wir schulden den Sowjets eine Menge. Sie experimentierten 7 Jahrzehnte mit der zentralen Planung. Es hätte von Anfang an offensichtlich sein sollen, dass man den Output nicht erhöhen kann, wenn man Bürokraten seine Wirtschaft führen lässt.“

 

Gott segne sie. Denn die Sowjets haben solange durchgehalten mit diesem Experiment, dass sie vollständig bewiesen haben, dass das zentrale Planen einer Volkswirtschaft nicht funktionieren kann.

 

In den 1990ern lag die Lebenserwartung des durchschnittlichen Russen um 20 Jahre unter der des durchschnittlichen Amerikaners. Laut dem ehemaligen Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Jim O`Neill, der den Begriff „BRIC-Staaten“ geformt hat, sterben über 60% aller russischen Männer über 40 Jahren in einem betrunkenen Zustand. Und nach dem Fall der Berliner Mauer kollabierte die russische Geburtenquote. 2004 wurden für 16 Russen, die starben, weniger als 11 russische Kinder geboren.

 

Aber der russische Präsident Putin hat diesbezüglich Fortschritt geschafft. Eine Kampagne gegen Wodka schlechter Qualität hat geholfen, dass russische Männer länger trinken können. Jetzt liegt die Lebenserwartung in Russland nur noch 13 Jahre unter der in den USA. Der Kreml arbeitet hart daran, dass seine Steuerzahler nicht verschwinden…und stattdessen sogar mehr geschaffen werden. 2007 zum Beispiel organisierte die Stadt Uljanowsk einen „Tag der Empfängnis“. Die Arbeiter sollten nach Hause ins Bett gehen. Es gab Preise für diejenigen, welche 9 Monate später Kinder hatten.

 

Russland kann ein harter Ort sein für Geschäfte. Geschäftsleute, Politiker und Journalisten sterben oft unter mysteriösen Umständen. 2003 wurde der reichste Mann im Land, Mikhail Chodorkovsky, verhaftet. Er verbrachte 10 Jahre im Gefängnis, und es sah für viele so aus, als sei die Anklage konstruiert. (Vor kurzem wurde er freigelassen.)

Selbst „Outsider“ haben diese Gefahr. Bod Dudley, der CEO von BP, musste 2008 aus Russland fliehen, wegen drohender Steuervermeidungs-Vorwürfen (welche später fallengelassen wurden.) Trotz dieser Ärgernisse – Geld ist Geld. Russische Unternehmen mögen in einer Welt der Sorgen arbeiten. Aber sie generieren Gewinne. Und man kann man diese Gewinne zu niedrigen KGVs kaufen.

Das Fazit von Henry:

„Ich war skeptisch, als ich in Russland ankam. Aber ich ging zuversichtlich, dass es eine wirkliche Gelegenheit in Russland gibt, von diesem Land zu profitieren, wenn es zum Rest der Welt aufholt. Was großartig an Russland ist, ist die Tatsache, dass die Gewinne schon da sind – wir müssen nicht wolkige Aussichten kaufen.“

 

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Bill Bonner

Im Jahr 1978 gründete Bill Bonner das Unternehmen, welches heute als Agora Inc. bekannt ist.

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Alte Kommentare
  • riko schrieb am 27.01.2014, 10:42 Uhr

    Zitat: .... "Tag der Empfängnis". Die Arbeiter sollten nach Hause ins Bett gehen. Es gab Preise für diejenigen, welche 9 Monate später Kinder hatten. Ich meine: Sollte man in Deutschland auch einführen. Vielleicht ein paar Tage mehr. 365 Tage wären optimal !!! Mit freundlichen Grüßen

  • Dr Heinemann schrieb am 27.01.2014, 15:20 Uhr

    Dear Mr. Bonner, liebe Leser und Friedensnobelpreisträger 2012, es wird also nach Russland geschaut. So, so. Da schaue ich mal ein wenig zurück in die russische Geschichte. Als Zar Jelzin nicht mehr wusste, wie er alles oktroyieren solle, holte er den ehemaligen KGB-Chef Putin, der inzwischen schon Bürgermeister von Leningrad war. Übrigens: Jelzin als Zar zu bezeichnen ist bei Kenntnis russischer Geschichte legitim. Inzwischen ist der Zarewitsch, der Bürgermeister von Leningrad bzw. St. Petersburg selbst Zar geworden. Als Zarewitsch verkloppte und verscherbelte er die gesamte Industrie und alle Rohstoffvorkommen an seine alten Mitstreiter vom KGB. Was da verkauft wurde, war das s. g. „Volksvermögen/Volkseigentum“. Für einen symbolischen Rubel oder wer am meisten bot bekam alles, was er wollte von Putin. Die KGB-Mitglieder, die nichts bekamen, bildeten ihre Mafia-Strukturen und kassieren heute bei allen und jedem Unternehmen. Die Bevölkerung darf für einen Hungerlohn in den privatisierten, ehemaligen s. g. „Volkseigenen Betrieben“ arbeiten. Nun gibt es eine Börse für russische Unternehmen. Da kann Aktien kaufen wer will. Auch wenn das KGV stimmig ist, werde ich mir an russischen Aktien nicht die Finger schmutzig machen. Ein bisschen Moral leiste ich mir. Schönen Tag! Ihr Friedensnobelpreisträger 2012 Dr. H.

    • Siegfried Röder antwortete am 28.01.2014, 12:09 Uhr

      DANKE,DANKE Dr. Heinemann....diesem amerikanischen "alles besser Wisser" sollte man ....nein das ist es nicht wert!

    • Dr Heinemann antwortete am 28.01.2014, 14:15 Uhr

      Nachtrag: Wem meine Meinung zu speziell ist, hat die Möglichkeit z. B. diese weiteren Quellen zu Russland, der russischen Wirtschaft, zur russischen Börse, zu deren gelisteten Unternehmen und zu Putin, dem lupenreinen Demokraten zu prüfen. Zu Putin möchte man dennoch lieber sagen, er hat Ludwig XIV. kopiert, der von sich sagte, „der Staat bin Ich“. http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/wdr/140127-putins-spiele-116.html und die Fortsetzung http://programm.ard.de/TV/Themenschwerpunkte/Aktuell/Aktuelle-Reportagen/Startseite/?sendung=2810611451631411 außerdem http://de.nachrichten.yahoo.com/amnesty-eu-muss-menschenrechtslage-russland-deutlich-kritisieren-040017405.html auch gibt es ein Buch über den Erdölkonzern „Gazprom“ mit seinen zig Tochterfirmen, der Putin mit seinen Anteilen daran bisher mindestens 15 Mrd. US$ eingespielt hat.

    • Rainer Seifert antwortete am 28.01.2014, 19:35 Uhr

      Herr Dr. Heinemann, zu den beiden engen Freunden, die sicher beide lupenreine Demokraten sind und immer waren, gibt es ja nicht mehr viel zu sagen. Aber wenn man aus diesen Gründen keine russischen Aktien kaufen will, dann darf man ebenso keine aus China, aus anderen asiatischen Staaten, aus etlichen südamerikanischen und den meisten afrikanischen Staaten und überhaupt wohl aus der halben Welt besitzen. In der Presseschau des MDR hörte ich nachts, die Bild-Zeitung rät Snowdon, wenn er wirklich ein Patriot sein will, sich der US Justiz zu stellen. Nun bin ich nämlich heilfroh, dass ich, wenigstens laut dieser Bildverlautbarung, wonach die USA ein Rechtsstaat sind, meine US Aktien behalten kann. Pech für Bild, dass er es hoffentlich nicht tun wird. Man hätte dann so tolle Berichte aus einem geheimen Militärgerichtsverfahren erfinden können. Was lernen wir nun daraus? Die Springer Aktie niemals kaufen. Ach so, und Monsanto natürlich nun wirklich nicht.

  • Rainer Seifert schrieb am 28.01.2014, 00:48 Uhr

    Es war eine Liedzeile eines Textes des Westberliner politischen und antikommunistischen RIAS - Kabaretts (Rundfunk im amerikanischen Sektor) aus den 50er oder 60er Jahren, "Die Insulaner", die lautete: Russische Geschichte ist sehr schwer. Anscheinend hat sich noch nicht viel Grundlegendes daran geändert.