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Nichts gelernt? Die Finanzkrise 2.0 hat begonnen!

Vor kurzem hatte ich mich kritisch mit den Geschäftsaussichten europäischer Großbanken (insbesondere der Deutschen Bank) auseinandergesetzt und die These aufgestellt, dass manche Großbanken bereits zu groß sind, um noch gerettet werden zu können.

Die Schieflage einer besonders großen Bank könnte daher das ganze Finanzsystem gefährden. Daher sind Schutzmaßnahmen für Ihr privates Vermögen jetzt unumgänglich. Ich will meine These heute weiter beleuchten, um Ihnen die Konsequenzen für Ihr Vermögen besser aufzeigen zu können.

Die Finanzkrise des Jahres 2008 hielt einige Lehren für Politik und Finanzwirtschaft bereit. Die populärsten davon knöpfe ich mir jetzt einmal vor, um zu schauen, inwiefern diese Lehren inzwischen beherzigt wurden.

Lehre 1: Verkleinere die Banken, damit diese im Krisenfall nicht das ganze System gefährden

Definieren wir Großbanken mit mehr als 250 Mrd. Dollar an Assets, so ergibt sich folgendes Bild: In den USA ist deren Anteil von 40% vor der Finanzkrise auf 52% heute gestiegen. Es gibt nicht nur mehr Großbanken, sondern die einzelnen Großbanken wurden auch immer größer.

Auch in der Eurozone sind die Banken größer geworden, weil es so leichter geworden ist, die strengeren Regularien zu erfüllen. Doch gerade die Großbanken haben die niedrigsten Eigenkapitalquoten und die geringsten Rücklagen für Kreditausfälle gebildet.

Das macht das Finanzsystem jedoch anfälliger und eine Rettung einzelner Institute schwieriger, wenn nicht gar unmöglich. Da helfen auch die neuerdings vorgeschriebenen Abwicklungspläne dieser Banken wenig.

Fazit: Die Banken sind größer und damit noch gefährlicher geworden

Lehre 2: Triff Vorkehrungen, um eine Bankrun zu verhindern

Eine Bank mag liquide sein und über ausreichend Eigenkapital verfügen. Doch wenn Das Vertrauen des Marktes z.B. aufgrund von Gerüchten über Schieflagen schwindet und die Leute alle gleichzeitig ihr Geld abheben, nützt das alles nichts mehr. Bei der Deutschen Bank stehen wir kurz vor diesem Punkt.

Hier bewirkt die europäische Bail-In-Regelung gerade das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung. Sie besagt, dass vor einer staatlichen Rettungsaktion (Bail-Out) zuerst die privat Beteiligten (als auch die Sparer, Bail-In) zur Kasse gebeten werden. Deren Guthaben werden (zumindest ab einer Summe von derzeit 100.000 Euro) zwangsweise in Eigenkapital der Bank umgewandelt.

Was im Falle der Sparer nichts anderes als einen Bankraub mit umgekehrten Vorzeichen darstellt. Damit wird ein Bankrun gefördert, nicht verhindert. Bereits bei den ersten Anzeichen von Schwierigkeiten werden die Leute ihr Geld abheben und damit erst einen Liquiditätsmangel auslösen, den es sonst nicht gäbe. Die Sparer müssten vollständig von der Bail-In-Regelung ausgenommen werden, um dies zu verhindern.

Fazit: Die Gefahr von Bankruns ist (in der Eurozone) größer als vor der Finanzkrise.

Lehre 3: Halte einen großen Topf staatlicher Rettungsgelder für den Notfall von Bankenrettungen bereit

Die Eurozone baut gerade einen Bankenrettungsfonds auf. Doch dieser wird erst in einigen Jahren ein paar Mrd. Euro enthalten. Das ist angesichts der Größe und Unterkapitalisierung gerade der Großbanken ein schlechter Witz.

Fazit: Es ist kaum Geld für eine staatliche Bankenrettung (Bail-Out) vorhanden

Lehre 4: Stärke das Kerngeschäft der Banken, damit deren Gewinne das System stabilisieren

Das Kerngeschäft der Banken ist eigentlich das Kreditgeschäft. Hier schneiden jedoch ausgerechnet die Großbanken besonders schwach ab. Gemessen an den Nettozinsmargen verdienen sie an Krediten am wenigsten (aktuell etwa 2,5 % vs. 4% bei kleinen Banken).

Tendenz: weiter rückläufig. Fehlende Erträge wirken sich negativ auf Kernkapitalquote und Rücklagen aus, was die Situation der Großbanken weiter verschlechtert. Trotzdem werden diese bei den Regularien bevorzugt, obwohl sie ein größeres Risiko für die Finanzmarktstabilität darstellen.

Fazit: Vor allem die Gewinne der Grobanken stehen dramatisch unter Druck, was die schwache Situation weiter verschärft

Gesamtfazit: Die Großbanken müssen in kleinere, profitablere Banken zerschlagen werden, um einen baldigen Finanzkollaps zu verhindern. Die Sparer müssen bei Bankenrettungen außen vor bleiben. Eine Abkehr von der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken dürfte die Gewinne der Banken stabilisieren helfen.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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