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Euro-Krise: Lockere EZB-Geldpolitik zerstört Gesundheitsfonds

In meinem letzten Artikel hatte ich die Struktur der Staatsanleihenkäufe durch die EZB analysiert und war zu dem Schluss gekommen, dass große Schuldner bevorzugt werden, während niedrig verschuldete Euro-Staaten das Nachsehen haben.

Trotz oder gerade wegen der selbst aufgestellten Regeln der EZB zum Erwerb von Schuldtiteln. Die lockere Geldpolitik der Zentralbank entfacht aber noch weitere Negativwirkungen. Sie alle spüren am eigenen Leib die finanzielle Repression in der Form, dass Sie für sichere Anlagen keine Zinsen mehr bekommen und dass Sie so ins Risiko getrieben werden.

Verheerende Folgen für Gesundheitsfonds

Diese Auswirkung ist Ihnen bekannt. Doch wussten Sie, dass auch öffentliche Versicherungssysteme wie der Gesundheitsfonds mit diesen Negativwirkungen  zu kämpfen haben, was Sie ein weiteres Mal belastet?

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank sorgt hier dafür, dass die Rücklagen schrumpfen, anstatt durch Zinsen anzuwachsen. Allein im vergangenen Jahr musste der Gesundheitsfonds die stolze Summe von 1,8 Millionen Euro an Strafzinsen an die Banken zahlen, die die Negativzinsen der Zentralbank an diesen Großkunden weitergegeben haben.

Nur für das „Privileg“, die eigenen Cash-Reserven auf Konten zu parken anstatt als Banknoten in einem Tresor.

Doch auch die Krankenkassen selbst sind betroffen. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber diesen nun gestattet, die Reserven für die betriebliche Altersvorsorge ihrer Angestellten zu einem Teil in Aktien anlegen zu dürfen. Allerdings soll das Engagement in Aktien dabei auf 10 Prozent des Anlagebetrages begrenzt sein, um grundsätzlich bestehende Verlustrisiken zu begrenzen.

Zahlreiche Beschränkungen und falsche Schlüsse

Und es gibt noch weitere Beschränkungen: Es sind nur in Euro ausgegebene Aktien zulässig, und das Management muss „passiv und indexorientiert“ ausgerichtet sein. Ob diese starren und zahlreichen Vorgaben dazu führen werden, dass ein nennenswerter Teil der Finanzreserven der Krankenkassen (aktuell rund 14,5 Milliarden Euro) in den Aktienmarkt fließen werden, darf bezweifelt werden.

Und selbst wenn: Diese Gelder würden in europäische Aktien fließen. Also genau in den Aktienmarkt, der weltweit zu den schwächsten gehört. Der EuroStoxx 50 etwa bewegt sich seit dem Jahr 200 in der Tendenz immer weiter abwärts. Selbst in dem untergeordneten Bullenmarkt seit dem Jahr 2009 ist es diesen Aktien nicht gelungen, den seit über 16 Jahren gültigen Abwärtstrend zu überwinden.

S&P 500 vs. EuroStoxx 50 Monatschart

Es gäbe eine Alternative, aber…

Dabei gäbe es weit bessere Alternativen: Der S&P 500 befindet sich seit dem Jahr 2013 bereits auf der Jagd von einem Allzeithoch zum nächsten. Noch weitaus besser hätten bestimmte US-Einzeltitel abgeschnitten. Jahres-Performance hier im Durchschnitt: +15 bis 20% p.a.

Fazit:  Die Rücklagen öffentlicher Versicherungen und Krankenkassen schmelzen durch die lockere Geldpolitik samt Negativzinsen. Anstatt jedoch diese schädliche Notenbankpolitik zu beenden, wird Pest nun mit Cholera bekämpft.

Nämlich indem den Versicherungen (zu geringe) Aktienquoten zugestanden werden, die leider vor starren und falschen Vorgaben nur so strotzen. So dass am Ende die Verluste noch höher ausfallen könnten als durch die Negativzinsen. Die sozialistische Planwirtschaft lässt grüßen.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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