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Euro: Comeback nach Bärenfalle?

Ich hatte es bereits vor Wochen geschrieben: Trotz der klaren fundamentalen Unterlegenheit des Euros (schwächere Wachstumsaussichten, politische Unruhe durch mehrere Wahlen in 2017, fortgesetzt italienisch dominierte Geldpolitik etc.) erwarte ich zumindest eine merkliche technische Erholung des Währungsverhältnisses EUR/USD.

Extrem einseitige Anlegerpositionierung lässt das Boot kentern

Die Ursache dafür ist die extrem einseitige Anlegerpositionierung zugunsten des Dollars, die wir zum Jahreswechsel beobachten konnten. Wenn alle Anleger auf eine Seite des Bootes laufen, kippt es oft um. Und genau diesen Effekt sehen wir jetzt.

EUR/USD hatte Mitte Dezember die langfristig wichtige Unterstützung bei 1,05 aufgegeben und somit den Weg frei gemacht für einen weiteren Absturz in Richtung Parität. Doch daraus scheint jetzt erst einmal nichts zu werden. Die vergangenen beiden Tage brachten eine kräftige Erholung des Euros und eine Rückeroberung der 1,05er Marke.

EUR/USD Tageschart: Wichtige Unterstützung zurückerobert

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Bärenfalle aktiviert weiteres Erholungspotenzial bis zunächst 1,10

Diese Rückeroberung hinterlässt eine Schieflage in Form einer Bärenfalle. Zu viele Anleger hatten auf ein weiter fallendes Währungsverhältnis gesetzt und müssen sich nun (und in den kommenden Wochen) eindecken. Dadurch könnten die Preise noch weiter steigen, der Euro also noch weiter aufwerten.

Nach einem kurzen Durchschnaufer liegt die nächste Widerstandszone bei 1,10. Diese dürfte erreicht werden. Ob die nächste Zone bei 1,14 auch noch erreicht werden wird, ist derzeit aber noch völlig offen. EZB-Chef Draghi wird diese Aufwertung nicht gefallen. Er wird also versuchen, den Euro wieder weichzuquatschen. Ob das allein genügt, muss sich zeigen.

Was machen DAX und EZB aus der Aufwertungsphase?

Dem DAX sind in der Vergangenheit Aufwertungsphasen des Euros meist nicht gut bekommen. Sollte die EZB allerdings laut über weitere geldpolitische Lockerungen nachdenken, um den Euro wieder weichzuspülen, könnte der Index von dieser Entwicklung sogar profitieren.

Offen sind hingegen die geldpolitischen Interessen der USA. Am 20. Januar wird ein neuer US-Präsident vereidigt, im März ein neuer Notenbankchef ernannt. Der neue Präsident Trump braucht eigentlich einen schwachen Dollar, wenn er sein Wahlversprechen wahrmachen will, Zehntausende US-Industriearbeitsplätze ins Land zurückzuholen. Nur mit einem schwachen Dollar sind US-Industrieprodukte auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig.

Neuer Abwertungswettlauf?

Wird aus dieser Richtung vielleicht sogar ein neuer Abwertungswettlauf gestartet? Dann gäbe es nur einen Gewinner: Gold. Wenn Papier untereinander abwertet, gewinnt die einzige echte Hartwährung. Tatsächlich sehnen wir bereits seit einigen Wochen eine deutliche Goldpreiserholung herbei, die jetzt allerdings auf erste Hürden trifft.

Aber zurück zum Euro. Bei aller Spannung, die die jüngste Bärenfalle hinterlässt und bei aller Erholungsfantasie: Sie sollten immer bedenken, dass beim Euro ein hartnäckiger, jahrelanger Abwärtstrend vorliegt. Mehr als eine technische Erholung in Richtung 1,14 sehe ich also nicht.

Der Abwärtstrend des Euros endet nicht an einem Tag

Danach kann durchaus die Parität wieder ins Spiel kommen. Für einen echten Boden braucht es mehr: Nämlich Wachstumsfantasie und (Steuer,- Gesetzes- und Arbeitsmarkt-) Reformen, die das zuletzt panikartig abgewanderte Kapital wieder zurückholen. Aber wer weiß, was das Wahljahr 2017 für Europa bringt. Vielleicht bekommen wir ja eine Art „Euro-Gorbatschow“?

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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