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Die Flucht in fremde Währungen – sinnvoll oder gefährlich?

Angstgespenster wie „Währungscrash“ und „Inflation“ ziehen weiter ihre Runden und sorgen für Unsicherheit bei Sparern und Anlegern. Diese suchen nach Alternativen zum Euro.

Dabei steht eine Frage im Mittelpunkt: Gibt es sichere Fluchtwährungen? Und wo liegen die Chancen und Risiken bei Anlagen in Fremdwährungen?

Flucht aus der eigenen Währung ist nicht sinnvoll

Die erste Frage lässt sich schnell und einfach mit einem deutlichen „nein“ beantworten. Denn grundsätzlich ist es nie eine gute Idee, komplett aus der Währung zu flüchten, in der Sie leben und arbeiten. Es sei denn, Sie möchten Ihrem Geld gleich hinterher flüchten. Allerdings ist es durchaus sinnvoll, einen kleinen Teil Ihres Vermögens als Absicherung in Fremdwährungen anzulegen.

Wie alle anderen Anlage-Alternativen auch, sind Anlagen in „Fluchtwährungen“ nicht risikofrei. Für Sie als Anleger ist es besonders wichtig, Wechselkursrisiken im Auge zu behalten. Das gilt vor allem für Währungen, die in Krisenzeiten gerne als „sichere Häfen“ angesteuert werden. Dazu zählen traditionell der US-Dollar, der Schweizer Franken oder die norwegische Krone. Interessant sind aber auch der japanische Yen oder der chinesische Renminbi.

Während der Finanzkrise und der folgenden Eurokrise haben viele dieser Währungen gegenüber dem Euro stark zugelegt. Allerdings folgten auf die Bekanntgabe des Euro-Rettungspakets im Sommer 2012 auch prompt starke Kursverluste. So verlor die norwegische Krone beispielsweise innerhalb eines halben Jahres knapp 20% gegenüber dem Euro.

Der US-Dollar: eine Alternative zum Euro?

Als wichtigste Währung der Welt ist der US-Dollar traditionell eine der beliebtesten Fluchtwährungen. Der Markt für US-Staatsanleihen ist der weltweit größte und Anleger flüchten in den Dollar bzw. die US-Staatsanleihen, wann immer sich irgendwo eine Krise abzeichnet.

Die Vorteile liegen auf der Hand: eine einheitliche Regierung und eine Notenbank, die frei agieren kann – nicht wie in Europa dutzende Regierungen mit jeweils eigenen Interessen. Auch das Wirtschaftswachstum liegt inzwischen wieder bei 2,3%.

Nachteile sind allerdings die immense Verschuldung von über 100% des Bruttoinlandproduktes sowie das Budgetdefizit. Damit stehen die USA derzeit fundamental schlechter da als die Euro-Zone. Allerdings spricht das Verhältnis zwischen aktuellem Marktpreis und fairem Wert des US-Dollars derzeit durchaus für eine Anlage in Dollar.

Die OECD sieht den US-Dollar mit 0,80 Euro als fair bewertet an. Derzeit bezahlt man für einen US-Dollar aber lediglich 0,72 Euro. Der US-Dollar ist also im Vergleich zum Euro unterbewertet. Langfristig besteht hier also durchaus noch die Möglichkeit einer Dollar-Aufwertung. Dies gilt natürlich vor allem für Krisenzeiten, in denen der US-Dollar erfahrungsgemäß leicht um 10-15% gegenüber dem Euro aufwerten kann.

Flucht in Fremdwährungen: Wie sieht es mit dem Schweizer Franken aus?

Der Schweizer Franken gilt traditionell als besonders sicher. Das Land ist politisch stabil, die Staatsverschuldung ist gering und liegt derzeit bei nur 35,4%. Der Haushalt ist ausgeglichen und die Geldentwertung ist im internationalen Vergleich sehr niedrig. Derzeit gibt es sogar überhaupt keine Inflation. In den Krisenjahren 2009-2012 verzeichnete der Schweizer Franken einen Wertzuwachs von 26%!

Gegenüber dem Euro ist der Schweizer Franken derzeit sehr stabil bei 1,22-1,23. Das liegt aber auch vor allem an der Währungspolitik der Schweizer Nationalbank, die den Franken an den Euro gekoppelt hat, um eine weitere Aufwertung des Franken zu verhindern.

Allerdings ist der Franken – trotz Nationalbank – so hart und teuer geworden, dass es keine langfristige Erwartung auf Währungsgewinne gibt – im Gegenteil: Laut OECD liegt die Kaufkraftparität von EURCHF, also der faire Wert von Euro in Schweizer Franken, bei 1,74 Franken pro Euro.

Derzeit bekommt man für einen Euro allerdings nur 1,21 Schweizer Franken. Die Schweizer Währung ist also trotz der eingebauten Sperre weiterhin massiv überbewertet. Das eröffnet natürlich attraktive Chancen beim Handel mit Devisenoptionen. Aber für renditeorientierte langfristige Deviseneinlagen eignet sich der Schweizer Franken derzeit nicht.

Die Risiken starker aber kleiner Währungen

Beim Schweizer Franken lässt sich gut ein klassische Phänomen bei beliebten Fluchtwährungen beobachten: Wenn es irgendwo kriselt auf der Welt, flüchten viele Anleger in eine bestimmte Währung. Vor allem bei relativ kleinen Staaten wie der Schweiz führt das dann sehr schnell zu einer Verteuerung der Währung. Die Währung ist dann überbewertet und in ihrem hohen Wert potentiell instabil.

Entspannt sich die Lage, kann das Geld auch ebenso schnell wieder abfließen und es sind Kursverluste von beispielsweise 20% die Folge, wie von 2012 auf 2013 in der Norwegischen Krone geschehen. Wenn Sie als Anleger in solchen Situationen nicht aufpassen, vermindert sich Ihr Erspartes plötzlich drastisch, statt erhalten zu werden!

Solch volatile Kursentwicklungen betreffen vor allem vergleichsweise kleine Länder mit einer starken Währung aber einer vergleichsweise geringen Geldmenge wie auch Norwegen, da sich die Fluchtwährung praktisch kriseninvers verhält. Kriselt es im Euroraum, steigt die Nachfrage nach Norwegischen Kronen sprunghaft. Folge: die Währung verteuert sich. Wenn bei einer Entspannung die Anleger das Geld aber wieder abziehen, hat das ebenfalls sofort Einfluss auf den Wert der Währung und der Kurs fällt.

Mein Rat: Nicht mehr als 10-20% des Vermögens in krisenresistente Fremdwährungen anlegen

Fluchtwährungen sind also vor allem in Krisenzeiten denkbar ungeeignet für größere Geldanlagen, da Sie als Anleger aufgrund der großen Nachfrage die Währung teuer einkaufen müssen. Wollen Sie Ihr Geld bei einer Entspannung der Lage aber wieder in Euro zur Verfügung haben, müssen Sie die Fremdwährung billiger wieder verkaufen. Folglich machen Sie in einem solchen Szenario also Verluste.

Meine Empfehlung für Sie ist daher, als Krisenvorsorge nicht zu viel Geld in Fremdwährungen zu investieren. Aus Diversifikationsgründen empfiehlt es sich aber allemal, einen kleinen Teil seines Vermögens in Fremdwährungen anzulegen. Für 10-20% Ihrer Ersparnisse ist ein solches Engagement in als relativ sicher geltenden Fremdwährungen sehr sinnvoll, wenn es als langfristige Absicherung gilt.

Denn die Schutzfunktion gegenüber dem Euro erfüllen die Fluchtwährungen noch immer. Allerdings müssen Sie bei einigen durchaus mit leichten Kursverlusten gegenüber dem Euro rechnen. Vor einer erneuten Verschärfung der Eurokrise schützen diese Devisen Sie aber allemal.

Unabhängig vom Schutzgedanken können Sie natürlich auch größere Beträge in Devisen investieren. Dabei steht dann allerdings ganz klar das Gewinn-Interesse im Vordergrund und nicht der Kaufkrafterhalt.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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