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Crash voraus? Die US-Notenbank hat die Kontrolle verloren

Auch wenn ich fest davon ausgehe, dass der Bullenmarkt bei Aktien noch ein paar Jährchen anhalten wird, bis er schließlich in einer handfesten Übertreibung ersaufen wird: Ich kann und will die Augen nicht vor der Entwicklung verschließen, die uns eines Tages einholen wird. Zu deutlich sind die Auswirkungen bereits sichtbar geworden.

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken in den vergangenen Jahren hatte schwere Nebenwirkungen. Großanleger wie Pensionsfonds, die ihr Geld traditionell überwiegend nur in Anleihen anlegen (dürfen), brauchen langfristig eine stabile und sichere Rendite.

Spätestens, seit die Zinsen in Europa und Japan negativ geworden sind, ist dies nicht mehr gegeben. Also wandert dieses Kapital ins Ausland ab. Dorthin, wo es noch positive Zinsen gibt. In die USA . Dort rentieren 10-jährige US-Staatsanleihen seit mehreren Jahren ungefähr noch mit +2 Prozent. Das ist besser als nichts.

Allein japanische Anleger schafften in den vergangenen 12 Monaten 250 Mrd. Dollar ins Ausland. Diese Summe reicht aus, um gut die Hälfte aller neu ausgegebenen US-Staatsschulden aufzukaufen.

Tatsächlich fließt der größte Teil dieser Käufe in US-Staatsanleihen. Hinzu kommen Käufe europäischer Großanleger, da in der Eurozone ebenfalls immer mehr Staatsanleihen nur noch negative Zinsen „abwerfen“. Inzwischen werden dabei Größenordnungen erreicht, wie sie die Fed zur Zeit ihres QEs vornahm.

Das japanische und europäische QE schwappen auf den US-Markt über

Das heißt: Auch ohne QE (Quantitative Easing, also Wertpapierkäufe durch die Notenbank zur Zinssteuerung) durch die Zentralbank findet eine Art anderes QE durch ausländische Anleger statt, die den Anleihenmarkt leerkaufen.

Das japanische und europäische QE schwappen quasi auf den US-Markt über. Das wiederum führt dazu, dass eine unter Inflationsgesichtspunkten wahrscheinlich längst überfällige Zinsanhebung am langen Ende nicht ankommt. Die US-Zinswende fällt aus, selbst wenn die Fed sie wünscht.

Die „US-Zinswende“ wird dadurch torpediert

Im Chart unten sehen Sie das Zinsniveau von US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit. Seit 7 Jahren(!) pendelt es um die Marke von 2,00% – ob nun mit oder ohne QE!

Seit der großen Ankündigung der „US-Zinswende“ durch die Notenbank im Herbst 2014 sind die Zinsen am langen Ende sogar deutlich gefallen – von 2,3 auf heute nur noch 1,3%.

Trotz einer ersten Zinsanhebung durch die Notenbank. Eine effektive Inflationsbekämpfung wird dadurch unmöglich. Gut für US-Anleihen, US-Aktien und natürlich: gut für Gold.

Zinsniveau von 10-Jahres-US-Staatsanleihen

dd

Die „Zinswende“ findet nicht statt, weil die Fed die Kontrolle verloren hat

Inverse Zinskurve droht

Nun könnte man als Aktien-Anleger sicher einwenden: Ist doch gut, wenn die Zinsen nicht steigen, dann steigen Aktien weiter! Die Sache hat nur einen Haken: Sie steigen am langen Ende nicht.

Am kurzen Ende schon, weil die US-Notenbank über ihre Zinsschritte zur Inflationsbekämpfung nur noch das kurze Ende beeinflussen kann.

Doch steigende Zinsen am kurzen Ende und fallende am langen Ende bringen eine paradoxe Situation: für kurzfristige Anlagen gibt’s bald höhere Zinsen als für langfristige. Das Ganze nennt sich „inverse Zinsstruktur“.

Eine neuere Untersuchung der Federal Reserve in New York hat ergeben, dass eine inverse Zinsstrukturkurve der präziseste Einzelindikator für eine drohende Rezession ist. Käme es aber zu einer Rezession, wäre auch die Party bei den Aktien vorbei.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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