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Wenn ein Emittent „Endlos“-Zertifikate kündigt

*** Zunächst eine Korrektur:

Im Zusammenhang mit dem „Metalle Korb“ hatte ich geschrieben, dass in dem 20 Kilogramm Tantal enthalten sind. Das stimmt nicht, da hatte ich was durcheinander gebracht:

Es sind von 5 anderen strategischen Metallen jeweils 20 Kilogramm enthalten – von Tantal sind je Korb 4 Kilogramm dabei. Tantal ist erheblich teurer als andere strategische Metalle.

*** Dann schrieb mir Trader´s Daily-Leser Günther R.: „Das DAX-Zertifikat (WKN CZ24ZM) ist als open-end Zertifikat angelegt. Nach den Emissionsbedingungen kann die Commerzbank das Zertifikat aber jeweils zum Quartalsende kündigen.

Meine Frage: Wissen Sie aus Ihrer Erfahrung, ob eine Kündigung schon einmal vorgenommen wurde ? Das würde dem open-end Gedanken doch völlig widersprechen und neben den bekannten Risiken (Pleite des Emittenten und des Wertpapiers) noch ein weiteres Risiko hinzufügen. Abgesehen vom Vertrauensschaden. Es wäre schön, wenn Sie das Thema gelegentlich mal besprechen könnten.“

Meine Antwort:

Endliche Unendlichkeit. Ja, manche Scheine sind „unendlicher“ als andere…

Ernsthaft: So weit ich weiß, hat jeder Emittent für seine „open-end“-Zertifikate eine Kündigungsklausel. Für alle Fälle.

Wer möchte sich schon ewig binden? Mal abgesehen davon, dass das im wörtlichen Sinne ja auch gar nicht geht, zumindest für uns sterbliche Mitglieder(innen) der Trader´s Daily-Gemeinde.

Wenn ein Emittent übernommen wird, oder sich die Eigentümer dazu entschließen sollten, den Laden dicht zu machen, das Eigenkapital auszuzahlen oder was weiß ich…

…dann ist es praktisch, wenn ein Zertifikat gekündigt werden kann. Das finde ich noch legitim. Würde ich als Emittent auch so handhaben. Doch die Kündigungsfrist sollte lang genug sein!

Denn was ist, wenn ein Leser z.B. ein normales DAX-Zertifikat als „Proxy“ des DAX kauft…und gerade in schlechten Zeiten aufstockt, um langfristig einen günstigen Einstandskurs zu haben. So ein Leser ist doch „gelackmeiert“, wenn der Emittent den Schein dann zum Quartalsende kündigt!

Nein, Vorankündigung sollte wie bei anderen Emittenten mindestens ein Jahr im voraus sein. So dass auch der Emittent nicht weiß, wie dann wohl der Kurs sein wird.

Kündigung jeweils zum Quartalsende finde ich persönlich „völlig daneben“. Und deshalb ist das für mich auch ein Grund gegen die Auswahl eines solchen Emittenten.

Übrigens: Wenn der Emittent sich diese Möglichkeit einräumt, heißt das ja nicht, dass sie auch oft genutzt wird. Dennoch…“zum Quartalsende“ ist zu knapp. Vorsorge treffen bei der Auswahl der Scheine.

Diese Kündigungen sind generell selten. Was ich aber öfter erlebt habe: Ein Emittent stellt einen Schein auf „sold out“ – ausverkauft. Dann nimmt er zwar weiterhin Stücke zurück, zum jeweils aktuellen Kurs, gibt aber keine neuen mehr heraus. So kann ein Schein auch auslaufen gelassen werden, und das finde ich immerhin fairer. Denn so kann jeder/jede weiterhin zum Tageskurs verkaufen.

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Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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