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Optionen, Futures und andere Derivate

Derivate… Nicht zuletzt durch die Finanzkrise vor wenigen Jahren wurde dieser Ausdruck zum reinsten Unwort. Doch was sind Derivate eigentlich?

Welcher Privatanleger kennt sich schon wirklich mit Optionen, Futures und anderen Derivaten gut aus (von ein paar Ausnahmen einmal abgesehen)? Handelt es sich bei Derivaten wirklich nur um das in den Massenmedien dargestellte „Teufelszeug“, das man verbieten sollte?

Was versteht man überhaupt unter dem Begriff Derivate?

Grundsätzlich sind Derivate Wertpapiere, deren Preisbildung sich aus dem Kurs eines anderen Wertpapiers oder Index, dem sogenannten Basiswert, ableiten. Die Kursentwicklung eines Derivats folgt also dem Basiswert. Der Besitzer des Derivats muss jedoch den eigentlichen Basiswert nicht zwangsweise im Depot haben.

Hierzu ein Beispiel: Stellen wir uns vor, wir hätten ein Derivat X, dass den Kurs der Siemens AG mit doppeltem Ausschlag abbildet. Wenn Sie dieses Derivat nutzen möchten, kaufen Sie direkt dieses Papier (und nicht die Siemens-Aktie). Bewegt sich nun der Kurs von Siemens an einem Tag um z.B. 2% nach oben oder nach unten, legt Ihr Derivat 4% zu oder verliert 4% an Wert.

Das Universum der Derivate ist jedoch sehr groß und von einfachen bis komplizierten Konstruktionen, die nur noch absolute Spezialisten durchblicken, ist hier alles vorhanden. Aus Gründen der Praxisnähe wird sich dieser Artikel primär mit Optionen, Futures und anderen Derivaten befassen, wobei das Schwergewicht auf Optionen und Futures liegt.

Was sind eigentlich Optionen?

Optionen sind nichts anderes als Wettverträge, die Sie eingehen. So ist beispielsweise eine Call-Option eine Wette darauf, dass ein bestimmter Wert in einem klar definierten Zeitfenster steigt (eine Wette auf einen fallenden Preis wäre dann eine Put-Option).

Zur Veranschaulichung von Optionen ein (fiktives) Beispiel:

Stellen Sie sich vor, Sie möchten das Recht besitzen, in drei Monaten vom heutigen Tag an, Aktien der Firma XY zum Preis von 30,- EUR pro Stück kaufen zu können. XY notiert heute bei 25,- EUR. Sie gehen jedoch davon aus, dass die Aktie sich aufgrund von guten Nachrichten und Ergebnissen in den nächsten drei Monaten um 40% nach oben bewegen wird. Ein mögliches Szenario, in dem Sie Optionen kaufen könnten.

Sie kaufen damit das verbriefte Recht, zum besagten Preis und Zeitpunkt die Aktie kaufen zu dürfen (dieses verkauft Ihnen ein anderer Marktteilnehmer gegen einen bestimmten Preis). Gemäß der oben genannten Definition handelt es sich bei Optionen also um Derivate, denn ihr Preis hängt vom Preis des Basiswerts (in diesem Fall der Aktienkurs XY) ab.

Dies ist auch relativ einfach einzusehen, denn es ist klar, dass das obige Kaufrecht natürlich weitaus mehr wert ist, wenn die Aktie bei z.B. 40,- EUR steht, als wenn sie bei 10,- EUR stünde.

Profit würde also dann erzielt, wenn der Preis des Basiswerts 25,- EUR überschritten hat und noch ein weiteres Stück gestiegen ist, so dass auch die Kaufkosten der Option wieder hereingeholt sind.

Optionen werden direkt zwischen den Marktteilnehmern an bestimmten Börsen (z.B. Der EUREX bzw. der CBOE in den USA) gehandelt und es gibt hier auch keinen Emittenten wie etwa bei anderen Derivaten wie Zertifikaten.

Auch lassen sich aus Optionen sehr viele verschiedene Strategien konstruieren, wenn man sowohl Call- als auch Put-Optionen gleichzeitig einsetzt (Optionen sind ein sehr komplexes Thema. Mehr hierzu erfahren Sie übrigens auch in unserer mehrteiligen Serie „Keine Angst vor Optionen“ . Diese wendet sich speziell an interessierte Einsteiger und vermittelt weitaus detaillierte Informationen als es hier in einem kleinen Text möglich ist).

Optionen sind halbverbindliche Börsentermingeschäfte, denn der Käufer der Option ist nicht zur Abnahme des Basiswerts verpflichtet (was z.B. dann Sinn macht, wenn das Geschäft gegen einen läuft und man nicht mit Verlust den Basiswert erwerben möchte).

Was sind Futures?

Futures hingegen sind beidseitig verbindliche Börsenverträge (im Gegensatz zu den oben genannten Optionen).

Fester Bestandteil sind hier die für den Verkäufer verpflichtende Lieferung sowie die für den Käufer verpflichtende Annahme der Ware, über die die Futures abgeschlossen wurden (Basiswerte eines Futures können Währungen, Rohstoffe, Aktien, Aktienindizes und vieles mehr sein…).

Darüber hinaus verfügen Futures über die folgenden festen Merkmale:

  • einen genau bestimmten Vertragsgegenstand
  • eine bestimmte Menge (man spricht hier auch von der Kontraktgröße) und Qualität der zu liefernden Ware
  • ein fixer Zeitpunkt in der Zukunft für die Lieferung
  • ein konkreter, bereits bei Vertragsabschluss festgelegter Preis.

Diese Standardisierung ermöglicht einen transparenten Handel und geringe Handelskosten.

Je nach Basiswert unterscheidet man zwischen Finanzterminkontrakten (auch „Financial Futures“ genannt) und Warenterminkontrakten (in diesem Falle spricht von „Commodity Futures“).

Für den Abschluss eines Futures fallen keine Kosten in Form von Prämien an, wie dies z.B. bei Optionen der Fall ist. Sowohl Käufer als auch Verkäufer tragen gleiche Rechte und Pflichten, weshalb es nicht nötig ist, hier einen finanziellen Ausgleich zwischen den Parteien zu schaffen.

Allerdings müssen beide Vertragspartner eine Vorschusszahlung leisten. Sie wird auch „Einschusszahlung“ oder „Initial Margin“ genannt und garantiert die Sicherheit des Geschäfts. Die Initial Margin von Futures beträgt nur einen Bruchteil des Kontraktwertes – z. B. drei Prozent des Kontraktwertes oder auch einen fixen Betrag. Hierdurch entsteht beim Handel mit Futures ein sehr hoher Hebel. Die Initial Margin kann jedoch je nach Marktlage und vorherrschender Volatilität angepasst werden.

Ein abschließendes Wort zum Thema Derivate

Selbstverständlich ist es nahezu unmöglich, ein derart komplexes Feld wie Derivate hier in ein paar Abschnitten angemessen zu schildern. Wir hoffen jedoch, dass wir zumindest Ihr Interesse, sich weiter mit dem Thema zu befassen wecken konnten.

Mit Hebelprodukten wie Optionen, Futures und anderen Derivaten haben Sie explosive Gewinnmöglichkeiten, die sehr schnell Ihre finanzielle Situation nachhaltig ändern können, wenn Sie gelernt haben, diese Instrumente zu meistern. Hier scheitern zwar zurecht sehr viele Anleger, da sie nicht bereit sind, die nötige Zeit und Ernsthaftigkeit in das Thema zu investieren. Jedoch möchten die Anleger, die mit den hier genannten Derivaten gelernt haben gut zurechtzukommen, diese wohl nie mehr missen. Und das aus gutem Grund.

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