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Plötzlich wieder Highflyer? Warum die Cannabis-Titel steigen

Inhaltsverzeichnis

Sie waren einst die Highflyer der Börse: die Cannabis-Aktien. Angetrieben durch die Legalisierung in Kanada, die Freigabe in einigen Teilen der USA und die medizinische Nutzung zum Beispiel in Deutschland waren die Marihuana-Titel Ende der 10er und Anfang der 20er Jahre durch die Decke geschossen.

Cannabis-Aktien: erst high, dann down

Doch der Höhenrausch währte nicht lange. Ziemlich schnell hat der Kapitalmarkt das Vertrauen in die Branche verloren – wohl auch wegen der niedrigen Verkaufspreise, der teils sehr schwachen Finanzierung der Unternehmen und nicht zuletzt wegen der sehr volatilen Regulierungslage in wichtigen Märkten. Wie Sie im Chart sehen können, platzte 2021 und 2022 die Gras-Blase, was mit enormen Kursverlusten einherging:

Ein Bild, das Text, Screenshot, Diagramm enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Quelle: www.aktienscreener.com

Plötzlich neuer Kursrausch

Der Chart bildet einen Index ab, in dem die wichtigsten Cannabis-Aktien inkludiert sind. Darunter: Tilray, Canopy Growth und Aurora Cannabis. Was ebenfalls zu erkennen ist: Immer wieder hat der Markt die Marihuana-Titel im Rahmen der übergeordneten Abwärtsbewegung kurzzeitig nach oben gelobt.

Einen solchen Ausbruchsversuch gab es nun erneut – und zwar am letzten Mittwoch, Donnerstag und Freitag (siehe grüner Pfeil). So konnte beispielsweise die Aktie des US-Cannabiskonzerns Tilray zwischen Mittwoch und Freitagvormittag um 27 Prozent zulegen (Stand: 01.09.2023, 9:30 Uhr, Tradegate). Bei Canopy Growth ging es in dem Zeitraum gar um knapp 65 Prozent nach oben und bei Aurora Cannabis um immerhin 17 Prozent.

Gras-Lockerung in den USA?

Tatsächlich haben die Kursschübe (auf immer noch sehr niedrigem Niveau) einen handfesten Grund. Und dieser findet sich in den USA. Am Mittwoch hat das US-Sendernetzwerk CNBC von einer Maßnahme des US-Gesundheitsministeriums berichtet.

Demnach hat das Ministerium einen Brief an die Drug Enforcement Administration (DEA) geschickt, eine Strafverfolgungsbehörde, die sich der Drogenkriminalität in den USA widmet. In dem Schreiben empfiehlt das Gesundheitsministerium, die Droge Marihuana mit einem geringeren Risiko einzustufen.

Um was es konkret geht

Derzeit ist Marihuana laut dem US-Betäubungsmittelgesetz eine sogenannte Schedule-I-Droge. Das heißt: Das Rauschmittel wird auf Bundesebene in die härteste Kategorie eingeordnet, zusammen mit harten Drogen wie Heroin, LSD, Meskalin oder Ecstasy.

Obwohl Marihuana in etlichen Bundesstaaten für den Freizeitgebrauch mittlerweile legalisiert ist, wird der Droge auf Bundesebene dadurch erhebliches Missbrauchspotenzial und keine akzeptierte medizinische Verwendung zugeschrieben. Es gibt also einen signifikanten Unterschied in der Einstufung zwischen Bund und einigen Ländern – ein Umstand, der die Cannabis-Aktien in den letzten Jahren in Schach hielt.

Jetzt will das Gesundheitsministerin erreichen, dass die DEA Marihuana auf Schedule 3 abstuft. In dieser Kategorie werden Substanzen eingeordnet, die sowohl physisch als auch psychisch relativ geringe Abhängigkeiten bewirken. Dazu zählt die DEA unter anderem Ketamin, Steroide, Codein und Hypnotika.

Und: Die Schedule-3-Substanzen können offiziell für medizinische Anwendungen genutzt werden, sind allerdings verschreibungspflichtig.

Die Drogenbehörde DEA muss nun entscheiden, ob eine solche Abstufung stattfinden wird. Laut CNBC hat die Institution eine entsprechende Überprüfung eingeleitet.

Positives Signal für SAFE?

Klar: Eine bundesweite Abstufung auf die Klasse 3 wäre noch lange keine Freigabe zu Genusszwecken im gesamten Territorium der USA. Und selbst wenn diese irgendwann kommen sollte, könnten einige Bundesstaaten versuchen, die Legalisierung in ihren jeweiligen Gebieten einzuschränken oder zu verhindern.

Trotzdem ist die Aussicht auf eine Lockerung für die Cannabis-Unternehmen erst einmal mit Hoffnung verbunden. Im Mittelpunkt steht der sogenannte Secure and Fair Enforcement Banking Act (SAFE).

Hintergrund: Nach geltendem Bundesrecht müssen Banken und Kreditgenossenschaften aktuell mit Strafen rechnen, wenn sie Dienstleistungen für Cannabis-Firmen erbringen. Der Zugang der Branche zur Finanzierung von neuen Projekten ist deshalb erheblich eingeschränkt, was die Investitions- und Wachstumsfähigkeit der Unternehmen massiv in Mitleidenschaft zieht.

Mit dem Gesetzesentwurf SAFE soll dieses Dilemma beseitigt werden, indem den Bankenaufsichtsbehörden verboten werden soll, Strafen gegen entsprechend tätige Geldinstitute zu verhängen. In der Folge könnten sich die Cannabis-Firmen wesentlich einfacher frisches Geld beschaffen.

Das Problem: Der Gesetzesentwurf polarisiert in der US-Politik ziemlich stark. Zwar hat es SAFE in den letzten Jahren mehrmals durch das Repräsentantenhaus geschafft. Der Senat aber hat bisher noch nicht zugestimmt. Noch im laufenden Jahr soll die Kongresskammer hierzu eine Entscheidung treffen.

Sollte die DEA ihre Risikoeinstufung zu Marihuana absenken, könnte das den Gesetzesprozess rund um SAFE zugunsten der Branche beeinflussen. Die Befürworter im Senat könnten dann anführen, dass die Droge bei weitem nicht so gefährlich sei wie zuvor angenommen.

Cannabis-Aktien: mein Fazit für Sie

Die neuen Nachrichten aus den USA sind endlich wieder ein Lichtblick für die zuvor schwer geschundenen Cannabis-Aktien. Zwar gab es in den letzten Jahren immer wieder temporäre Hoffnungsschimmer. Doch diesmal könnte durch die Abstufung der Risikoeinschätzung wirklich ein nachhaltiger Erfolg erzielt werden. Insofern sind die jüngsten Kursimpulse der Aktien meiner Meinung nach nachvollziehbar.

Trotzdem sollten Sie als Anleger nicht vergessen, dass sich die Branche in den USA immer noch auf dünnem Eis bewegt. Es ist längst nicht hundertprozentig sicher, dass die DEA eine Abstufung auch wirklich vornimmt. Schließlich ist die Behörde nicht dem Gesundheitsministerium unterstellt, sondern dem Justizministerium. Zudem bliebe es abzuwarten, ob eine Risikosenkung der Droge für die Branche tatsächlich positive legislative Auswirkungen haben würde.