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Wirtschaftstheorien Teil 12: Jevons‘ Paradoxon

Heute geht es mit der Wirtschaftstheorien-Reihe weiter. Zuletzt hatten wir uns in Teil 11 mit den Neoklassikern und mit dem Begründer der anglo-amerikanischen Schule William Stanley Jevons und seinen Ansichten zum Grenznutzen beschäftigt.

Heute möchte ich mich mit einer weiteren Theorie oder Beobachtung von Jevons beschäftigen, die unter dem Begriff Jevons‘ Paradoxon bekannt ist.

Jevon’s Paradoxon

Kennen Sie das? Ständig ist die Zeit knapp. Also fangen Sie an zu optimieren. Ihr Computer wird immer schneller, so sollten Sie früher mit der Arbeit fertig sein. Ihr Auto wird größer und schneller, so sollten Sie früher zu Hause sein. Und trotz all dieser Einsparungsmaßnahmen, stellen Sie schließlich fest, dass Sie immer noch länger arbeiten und trotz ihres schnelleren Autos sind Sie irgendwie doch nie früher zu Hause. Am Ende merken Sie, dass Sie trotz aller Zeitsparmaßnahmen kein bisschen mehr Zeit haben als früher, oder sogar noch weniger. Paradox, was?!

Nicht weit davon entfernt war die Beobachtung, welche William Stanley Jevons machte:

James Watt gilt ja allgemein als der Erfinder der Dampfmaschine. Tatsache aber ist, dass Watt „lediglich“ den Wirkungsgrad der bereits entwickelten Dampfmaschine verdreifachte. Also, die atmosphärische Dampfmaschine tuckerte eigentlich schon seit 1712 durch England. Dann kam Watt 1765 und machte die Dampfmaschine effizienter. Das heißt, grob gesagt, für die gleiche Strecke, benötigte man mit Watts Maschine deutlich weniger Input in Form des Rohstoffs Kohle.

Eigentlich hätte dies einen rückläufigen Kohleverbrauch nach sich ziehen müssen. Doch weit gefehlt. Tatsache war, dass der Kohleverbrauch in England mit der Einführung von Watts Dampfmaschine drastisch stieg. Das lag daran, dass die effizientere Dampfmaschine überall zum Einsatz kam und damit die Gesamtnachfrage Englands nicht nur nach Dampfmaschinen, sondern natürlich auch nach Kohle stieg.

Dies ist Jevons‘ Paradoxon!

Paradox an der Sache ist, dass eine Maßnahme die dazu geeignet ist, eine Einsparung in einem Bereich vorzunehmen, dazu führt, dass der umgekehrte Fall eintritt und der Verbrauch des Gutes, das eingespart werden sollte, stattdessen noch steigt.

Jevons war der erste dem dies aufgefallen war und er hielt diese Beobachtung in seinem Buch „The Coal Question“ aus dem Jahr 1865 fest. In der nächsten Ausgabe sehen Sie, wie der Preis Einfluss auf Jevon’s Paradoxon nimmt.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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