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Charttechnik: Unterstützung und Widerstand

In der Fachliteratur finden Sie wenige bzw. kurze Darstellungen zum Thema Unterstützung und Widerstand. Dort werden Formationen wie Flaggen, Wimpel, Keile etc. ausführlicher dargestellt. Die klarsten Chartanalyse-Formationen – die Unterstützungs- und Widerstandslinien – werden wegen ihrer Einfachheit nur knapp abgehandelt.

Es sind gerade diese Linien, denen zahlreiche Börsianer die größte Aufmerksamkeit schenken. Dies aus gutem Grund. Unterstützungs- und Widerstandszonen dienen sowohl bei der langfristigen Geldanlage (Aktien, Fonds, Zertifikate etc.) als auch beim kurzfristigen Day-Trading (Optionen, Optionsscheine, CFDs) zur Entscheidungsfindung.

Unterstützung

Einfach ausgedrückt stellt eine Unterstützung einen Zeitraum dar, indem eine Aktie für ein bestimmtes Preisniveau gehandelt wird. Dieses Preisniveau kann für die Dauer der Unterstützung nicht unterschritten werden.

  • Unterstützung: Das letzte Tief oder die letzten Tiefs eines Kursverlaufs

Widerstand

Beim Widerstand handelt es sich um das genaue Gegenteil – ein Zeitraum in dem das höchste Preisniveau fixiert ist. Die Aktie kann für die Dauer des Widerstands nicht zu einem höheren Preis getradet werden.

  • Widerstand: Das letzte Hoch oder die letzten Hochs eines Kursverlauf

Der folgende Chart stellt dieses Konzept visuell dar.

Beispiel für eine klare Unterstützung / wichtigen Widerstand im Dax

Widerstände und Unterstützungen im Chart des DAX

Grüne Linien: Widerstand

Rote Linien: Unterstützung

Aber Top-Trader sehen in diesen Unterstützungs- und Widerstandslinien etwas anderes: Sie sehen diese Linien als Entscheidungspunkte an. Noch mehr, sie sehen sie als Gewinngelegenheiten.

Unterstützungs- und Widerstandsniveaus bestimmen

Zuzüglich zu den Bereichen, in denen mehrfache Tests stattfanden, nutzen Trader und Investoren unterschiedliche Preistypen und Preisinstrumente, um die Unterstützungs- und Widerstandsniveaus zu bestimmen – insbesondere um vorherzusagen, wo diese Niveaus in Zukunft auftreten könnten. Hier folgen einige Beispiele:

  • Allzeithochs und Tiefststände werden sowohl von Futuretradern als auch Aktientradern beobachtet. Aktientrader legen ein besonderes Augenmerk auf die 52-Wochen Hochs und Tiefs. Intradaytrader beobachten die Hochs und Tiefs des Vortages und Wochenhochs und -tiefs, auf Hinweise, wo Unterstützungs- und Widerstandslinien in Zukunft auftreten könnten.
  • Unterstützungs- und Widerstandsniveaus sind so wichtig, dass Trader viele Instrumente nutzen, um sie zu berechnen, wo sie in Zukunft möglicherweise auftreten. Instrumente wie Fibonnaci Retracements, Gann Linien, Gann Fächer, usw., projizieren zukünftige Niveaus.
  • Gleitende Durchschnitte sind ein weiteres oft genutztes Instrument, um herauszufinden, wohin sich die Niveaus hinbewegen. 50-Tage und 200-Tage gleitende Durchschnitte werden von so vielen Institutionen so intensiv beobachtet, dass diese Niveaus zu einer selbst-erfüllenden Prophezeiung wurden. Immer ein Auge auf diese Linien zu haben ist umsichtig, falls nur genug andere diese auch beobachten.

Anhand des folgenden Beispiels wollen wir die Funktionsweise der Widerstände bzw. Unterstützungen näher erläutern und Ihnen aufzeigen wie Sie Profite mitnehmen können.

Theorie und Praxis

Betrachten Sie im Folgenden die Entwicklung eines Aktienkurses im Hinblick auf Unterstützung und Widerstand. Sie werden erkennen, dass das tiefere Wissen um diese Linien einen entscheidenden Einfluss auf Ihre Finanzen haben kann.

Wochen-Chart General Motors

Praxis bei Unterstützung und Widerstand: Chart der General Motors Aktie

Rot eingezeichnet finden Sie im Wochen-Chart von General Motors die damals aktuellen Tiefs während des Sinkflugs der GM-Aktie, die für einen Zeitraum gültigen Unterstützungen. Eine Unterstützung gilt als Unterstützung, wenn Sie im betrachteten Zeitraum nicht unterboten wird.

Merken Sie sich folgendes: Eine UNTERstützung liegt immer UNTER dem aktuellen Kursniveau. In diesem Kursbereich ist das Kaufinteresse groß genug, um das Verkaufsinteresse zu übertreffen. Wird eine Unterstützung unterboten, verwandelt Sie sich formal gesehen in einen Widerstand.

Tiefere Tiefs

Ein Langfrist-Anleger, der sich im Frühjahr 2004 für den Kauf einer GM-Aktie entschied, musste ein Jahr lang bis zum Frühjahr 2005 ein wahres Tal der Tränen durchwandern. Die General-Motors-Aktie unterbot in diesem Zeitraum eine Unterstützung nach der anderen, ohne die durchkreuzten Marken zu erreichen. Für einen Chartanalysten hätte sich in diesem Zeitraum kein Einstieg in die General-Motors-Aktie aufgedrängt.

Kurze Trading-Chance nach Überbieten des letzten Tiefs

Wie Sie im Chart erkennen, wurde im Mai 2005 (grün ausgefüllter Kreis) das vorherige März-Tief überboten. An dieser Stelle hätte der Charttechniker aufgehorcht. Dies wäre kein Zeitpunkt gewesen, um mit wehenden Fahnen auf diese Aktie zu setzen.

Grafik: Hände heben den Trend

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Zu dem genannten Zeitpunkt (grüner Kreis) wechselte die Chartanalysten-Einstellung zu GM-Aktie von „Ignorieren“ auf „Beobachten“. Eine Spekulation in dieser Aktie, gepaart mit einer Ausstiegsstrategie, hätte sich zum Beispiel mit einem Trailing Stopp (nachlaufender Stopp) gelohnt. Je nach Einstellung des Trailing Stopps wären hier über 15% Gewinn in drei Monaten möglich gewesen. Alleine mit der Aktie ohne den Einsatz von Derivaten.

Nach einem kurzen Höhenflug von Mitte April bis Juli 2005 wechselte General Motors die Richtung und unterbot erneut eine Unterstützungslinie (lila gekennzeichnet) nach der anderen.

Entscheidende Marken in der Charttechnik

Das schwarze Rechteck im Chart repräsentiert die entscheidende Unterstützungszone von General Motors im Betrachtungszeitraum. Zunächst peilt der Auto-Riese Ende 2005 das Rekordtief an. Danach geht es im Zickzackkurs weiter.

Die letzte Unterstützung (das Tief) wird nicht nach unten durchbrochen. Vielmehr bilden sich zwei Tiefs auf höherem Niveau. Es bildete sich eine wichtige Unterstützungszone. Erneut ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der Anwender der Chartanalyse von „Ignorieren“ auf „Beobachten“ wechselt.

Für einen Einstieg in die GM-Aktie hätte es je nach Mentalität unzählige Einstiegsmöglichkeiten gegeben: Zum Beispiel unter Zuhilfenahme eines Gleitenden Durchschnitts als Signalgeber oder das Überbieten eines markanten Widerstandes. Als Beispiel wurde als Einstiegssignal im Chart das Überbieten des kurzen Abwärtstrends (bei etwa 22 Dollar, rot eingekreist) eingezeichnet.

Die Identifikation von Unterstützungen und Widerständen kann beim Börsenspiel die entscheidenden Hinweise geben. Je „öfter“ eine Widerstandslinie „getroffen“ wird, umso wichtiger wird diese bzw. der Durchbruch dieser Linie. Dasselbe gilt umgekehrt für Unterstützungslinien.

Alles wiederholt sich – früher oder später

Im danach folgenden Kursverlauf erkennen wir immer weiter ansteigende Tiefpunkte, die uns einen klaren Aufwärtstrend anzeigen, bis der Kurs Ende 2006 einen (weiteren) jähen Absturz erlebte. Aber auch hier war mit einer entsprechenden Ausstiegsstrategie ein schöner Gewinn zu holen. Rechnen wir einmal zusammen:

  • Einstieg: 22 US-Dollar (nach Überwinden des Abwärtstrends)
  • Ausstieg: 31,5 Dollar (10% Trailing Stopp vom Hoch bei 35 US-Dollar)
  • Ergebnis: 43 % Gewinn in weniger als 7 Monaten

Und wie sieht es heute aus? Kürzlich hat GM wieder das letzte markante Tief erreicht ohne es zu unterbieten. Für den Charttechniker hat somit der Status wieder einmal von Ignorieren auf Beobachten gewechselt.

Tipp: Ein Unterstützungsbereich ist im Allgemeinen im Voraus durch ein früheres Tief erkennbar. Ein Widerstandsbereich ist für gewöhnlich durch einen vorherigen Kursgipfel gekennzeichnet.

 

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Über den Autor
Firley neu
Tom Firley

Tom Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag. Der Börsenprofi kann nunmehr auf 22 Jahre Börsenerfahrung zurückschauen.

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