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Margin of safety – so funktioniert die Risikokontrolle

Margin of Safety
Als Value Investor möchten Sie natürlich eine größtmögliche Sicherheit haben, bevor Sie ein Investment tätigen. Hier hilft es sehr weiter, wenn Sie Ihre sogenannte Sicherheitsmarge – Margin of Safety – kennen. © Adobe Stock - Thomas Jansa

Am Sonntag hatte ich eine Unterhaltung mit einem guten Bekannten von mir. Nachdem wir uns beide (neben zahlreichen Themen) etwas über die aktuelle Politik unterhalten hatten, kam die Unterhaltung letztlich auf das Thema Wirtschaft und Investieren. Insbesondere das Value Investing hatte es meinem Bekannten angetan, da er „die Nase von den ganzen Marktschwankungen und -interventionen voll“ habe.

Doch er hatte letzte Zweifel und wollte von mir wissen, woher man als Anleger wissen könne, dass eine günstige Aktie nicht noch günstiger werden könne? Natürlich geht dies nie mit 100%iger Sicherheit. Trotzdem ist dies einer der wichtigsten Punkte beim Value Investing überhaupt, denn bekanntlich werden die Gewinne beim Einstieg in ein Investment gemacht, viel weniger beim Ausstieg.

Die „Margin of Safety“: Was ist das überhaupt?

Den englischen Ausdruck „Margin of Safety“ würde man im Deutschen wohl am ehesten mit „Sicherheitsmarge“ übersetzen. Doch was verbirgt sich dahinter? Wie oben bereits geschildert, möchten Sie als Value Investor natürlich eine größtmögliche Sicherheit haben, wann ein Unternehmen billig ist und wann nicht. Hier hilft es sehr weiter, wenn Sie Ihre sogenannte Sicherheitsmarge kennen.

Bereits Benjamin Graham schrieb in seinem bekannten Werk „The Intelligent Investor“ in Kapitel 20: If you were to distill the secret of sound investment into three words, we venture the motto, MARGIN OF SAFETY. [auf deutsch etwa: Wenn man das Geheimnis eines vernünftigen Investments in drei Worten herausschälen müssten, dann wäre dies unserer Meinung nach: Margin of Safety]

Graham versteht dabei, einfach gesagt, unter der Margin of Safety die Differenz zwischen dem Preis eines Investments und seinem tatsächlichen (inneren) Wert. Jeder Anleger hat dabei eine persönliche Grenze, die er als „Sicherheit“ mindestens sehen will. Je tiefer dabei natürlich der Preis eines Investments unter seinem eigentlichen Wert liegt, desto höher ist die Sicherheit für den Anleger bezüglich zukünftiger unerwarteter Ereignisse.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung

Sagen wir, Sie hätten die Aktie XYZ gründlich analysiert und Sie kommen zu dem Ergebnis, dass diese 78 Euro Wert ist. Nun wollen Sie natürlich eine Sicherheitsmarge in Ihrem Investment berücksichtigen für den Fall, dass unerwartete Ereignisse auftreten oder Sie vielleicht im Extremfall sogar etwas daneben liegen mit Ihrer Rechnung.

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Es hängt nun von Ihrem Risikoprofil bzw. Ihrer Risikotoleranz und Ihrem erwarteten jährlichen Gewinn ab, welchen Wert Sie hierfür wählen. Sagen wir, Sie entscheiden sich für 25%. Ein 25%iger Abschlag auf die Aktien XYZ entspräche einem Aktienpreis von 58,50 Euro. Sagen wir nun aber, die Aktie habe bei 62 Euro geschlossen.

Damit ergibt sich noch keine Kaufberechtigung für Sie. Sie können nun XYZ weiter beobachten bis der innere Wert der Aktie im Preis hinreichend weit gestiegen ist, oder bis die Aktie soweit (ohne Veränderung bzw. Verschlechterung der fundamentalen Lage) fällt, dass die 25%-Schwelle eingehalten wird. Welche prozentuale Schwelle Sie hier letztlich wählen, hängt auch von Ihrer Anlegermentalität ab und oftmals macht es Sinn, wenn Sie hier in der Praxis ein wenig experimentieren, bevor Sie sich sklavisch auf einen Wert festlegen.

Die Sicherheitsmarge ist jedoch eines der wichtigsten Tools der Risikokontrolle beim verantwortlichen Value Investieren (neben einer vernünftigen Unternehmensanalyse natürlich) und somit empfiehlt es sich aus meiner Sicht für jeden wertorientierten Anleger, dieses Konzept gut zu beherrschen.

 

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