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Das sind die Chancen und Risiken bei Leerverkäufen

Der Begriff Leerverkauf ist als Transaktion definiert, bei der ein Wertpapier veräußert wird, das sich zum Zeitpunkt der Veräußerung nicht im eigenen Besitz befindet. Der Anleger verkauft es gewinnbringend, indem er es später zu einem höheren Kurs wieder kauft.

Auf diese Weise vermehren zum Beispiel Spekulanten ihr Geld bei Börsencrashs. Aber es muss nicht immer ein Crash sein. Auch Zwischenerholungen, bei denen die Kurse nach unten laufen, können so genutzt werden.

Leerverkauf: Definition des Handels

Der übliche Handel beschränkt sich auf zuerst kaufen und anschließend wieder verkaufen. Beim Leerverkauf wird diese Reihenfolge umgedreht. Wenn Anleger überzeugt sind, dass eine bestimmte Aktie in nächster Zukunft fallen wird, verkaufen sie zuerst Aktien zu einem idealerweise teuren Kurs. Das Ziel ist dabei die Aktien wieder zu kaufen, wenn die Preise gefallen sind. Die Differenz ist der Profit.

Entscheidend dabei ist, dass die Aktien zum Zeitpunkt der Verkaufs noch nicht im Besitz sind. Deshalb wird diese Art von Börsengeschäft auch Blankoverkauf genannt.

Üblicherweise sind diese Leerverkäufe auf wenige Tage fixiert, wie bei einem Termingeschäft. Die Aktien müssen demnach meistens zwei oder Tage nach Verkauf wieder gekauft werden. Somit kann kurzfristig von fallenden Kursen profitiert werden.

Schlechter Ruf seit Finanzkrise

Leerverkäufe haben teilweise einen schlechten Ruf. Das liegt daran, dass der gewöhnliche Anleger meistens nur Aktien kauft und demnach ausschließlich bei steigendem Kurs Profite macht. Die vermeintlichen Insider (das können auch Banken sein) verdienen dann allerdings plötzlich bei einem Crash, während ihre Kunden Verluste verbuchen. Der Unterschied ist dabei einfach, wie flexibel der Anleger ist.

Natürlich kann eine Strategie, die günstig Aktien kauft und teuer verkauft lukrativ sein. Wer jedoch immer nur wartet, bis Aktien wieder im Keller sind, um dann zu kaufen, verpasst 50% der Strecke, die die Kurse zurücklegen.

Deshalb ist es für erfolgreiche Börsenanleger wichtig zu wissen, wie sie auch in Zeiten, in denen der Markt sich seitwärts bewegt oder fällt, Renditen erwirtschaften können.

Hedgefonds in den Schlagzeilen

Den Begriff des Leerverkaufs kennen auch Leute, die selbst keine Aktieninhaber sind. Das liegt hauptsächlich daran, dass einige Hedgefonds immer wieder in den Nachrichten auftauchen, die große Summen bei Leerverkäufen gewonnen oder verloren haben.

VW-Aktionäre können sich sicher noch an 2008 erinnern, als der Titel erstmals mehr als 1.000 € gekostet hat. Damals war Porsche der Verursacher der Börsenrallye von Volkswagen. Einige Hedgefonds hatten allerdings massiv auf fallende Kurse bei VW gewettet. In der Folge verloren sie fast 15 Mrd. € durch ihre Leerverkäufe.

Die Preise sind damals vor allem so hoch geschossen, weil nur rund 5% der VW-Aktien noch am Markt verfügbar waren. Den Rest teilten sich zu dem Zeitpunkt Porsche und das Land Niedersachsen. Dieses Beispiel zeigt, welche Gefahren hinter Leerverkäufen stecken, wenn selbst große Fonds sich im Milliardenbereich verspekulieren.

Leerverkäufe – unendliche Möglichkeiten

Privatanleger können auch in das Geschäft der fallenden Kurse einsteigen. Am einfachsten geschieht das aber über Derivate bzw. Zertifikate – alternativ auch per CFD. Diese Art des Handels muss nicht innerhalb von zwei oder drei Tagen beendet sein. Die meisten großen Emittenten bieten Hebelzertifikate auf alle großen Aktiengesellschaften und Indizes. Darüber hinaus können Spekulanten auch auf fallende Kurse bei Rohstoffen oder Währungen wetten.

Diese Derivate nennen sich „Put“ oder „Short“. Beides steht dafür, dass der Käufer des Wertpapiers auf sinkende Preise setzt. Im Gegensatz dazu gibt es „Call“- oder „Long“-Zertifikate, die im Wert ansteigen, wenn der entsprechende Basiswert ebenfalls zunimmt.

Als Basiswert kann ein Derivat immer nur einen Wert haben. Das ist z.B. eine Aktie oder ein Index. Wer also einen DAX-Put kauft, möchte, dass der DAX fällt. Abhängig davon wie sehr der Basiswert sich im Wert verändert, schwankt auch der Wert des jeweiligen Zertifikats. Doch das ist nicht das Ausschlaggebende.

Gehebelte Gewinne mit fallenden Kursen

Der sogenannte Hebel ist hierbei absolut entscheidend. Dieser gibt nämlich an, wie stark sich der Wert der Derivats im Verhältnis zum Basiswert verändert. Ein Hebel von 2 bedeutet am Beispiel vom DAX-Put: Verliert der DAX 1%, steigt das Derivat um 2%. Gewinnt der DAX 2,5%, verliert das Derivat 5%.

Und genau hier liegt der Schlüssel zum Erfolg. Wer mehr Bewegung im Depot möchte, riskiert dabei zu oft einen zu hohen Hebel. Selbst die meisten Börsenprofis und Börsendienste kaufen selten einen zweistelligen Hebel. Weniger ist hierbei mehr, denn selbst Hebel von 8 oder 9 können schon richtig teuer werden, wenn der Kurs in die falsche Richtung läuft.

Absicherung vor fallenden Kurse

Wer Aktien in seinem Depot hat, die er vor fallenden Kursen absichern möchte, kann obige Technik verwenden. Dabei bleiben die Aktien im Depot und der Anleger kauft Short-Hebelzertifikate. Für den Fall, dass der Aktienkurs fällt, steigen die Zertifikate prozentual stärker im Wert, als seine Aktien an Wert verlieren. Das ist eine Möglichkeit an fallenden Kursen zu partizipieren und gleichzeitig die eigenen Aktien nicht zu verkaufen.

Sollte die Trendwende absehbar sein, werden die Short-Zertifikate wieder verkauft und der Gewinn mitgenommen. Zusätzlich dazu könnte dieser Profit genutzt werden, um weitere Aktien zu einem günstigeren Kurs nachzukaufen.

Diese Art von Wette auf fallende Kurse ist ein probates Mittel, um in schwierigen Börsenzeiten die Schwankungen des eigenen Depots zu minimieren. Zusätzlich dazu, ergibt diese Vorgehensweise steuerlich unter Umständen mehr Sinn, als Aktien komplett zu verkaufen und auf den Gewinn Kapitalertragsteuer zu zahlen.

Keine einheitliche Regulierung

Ein Satz sei noch zur Regulierung von Leerverkäufen gesagt: Da es keine allgemein gültige Regulierung gibt, kann auch keine Aussage für zukünftige Situationen an der Börse garantiert werden. Aktuell ist der Handel mit Leerverkäufen erlaubt.

Am Hochpunkt der Schuldenkrise 2008 hingegen hatte die BaFin zeitweise ungedeckte Leerverkäufe untersagt – nicht generell bei allen Werten, aber bei bestimmten Aktien. Während speziell die Banken- bzw. Finanzbranche die Konsequenzen zu spüren bekam, würde die meisten Anleger ein Verbot von Leerverkäufen aber ohnehin selten betreffen.

Viel wichtiger ist es, zu wissen, dass auf Geld verdient werden kann, wenn die Kurse nicht nach oben laufen. Ob Leerverkauf oder Short-Zertifikat – Spekulanten sollten in jedem Fall wissen, was sie kaufen und wie sich Kursveränderungen darauf auswirken.

Als Einstieg sind Zertifikate mit kleinen Hebeln von 2 oder 3 gut geeignet, um ein Gespür für den Markt zu bekommen. Die müssen auch nicht sofort gekauft werden. Es reicht, wenn die Werte im Auge behalten und mit dem Basiswert verglichen werden. Mit einiger Übung kann dann auch sicherer investiert werden. Die Risiken von Leerverkäufen dürfen dabei jedoch nicht vernachlässigt werden.

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Alte Kommentare
  • Klaus Fleischmann schrieb am 01.09.2011, 17:22 Uhr

    Liebe Frau Kraus, vielen Dank für Ihre Erläuterungen, auch wenn mir das meiste letztlich bekannt war. Mich treibt seit längerem eine Frage um: Wer verleiht eigentlich Aktien, wenn er davon ausgehen muss, dass sie weniger als vorher Wert sind, wenn er sie zurückbekommt? Mein Verdacht: Die Banken verleihen Aktien (ihrer Kunden), die sie in den Depots verwalten. Bringt ihnen (und nicht etwa den Kunden) Leihgebühr - neben den Depotgebühren... Oder liege ich da völlig falsch? Herzliche Grüße Ihr Klaus Fleischmann