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Die wohl wichtigste Börsen-Entscheidung: Der Ausstieg

Natürlich möchte ich nicht in möglichen Wunden bohren. Doch heute werde ich Ihnen kurz an einem recht populären Beispiel zeigen, warum Sie Ausstiegsstrategien brauchen.

Ausstiegsstrategien haben folgenden Zweck:

+ Depotleichen vermeiden

+ Gewinne sichern

+ Verluste vermeiden

Wo wäre zum Beispiel bei der bekannten Telekom-Tragödie (beginnend im Jahre 2000) auch für einen Langfrist-Investor ein sinnvoller bzw. sogar zwingender Ausstiegszeitpunkt gewesen? Betrachten wir den Chart, den ich auf den für uns relevanten Zeitraum „gezoomt“ habe.

Chart: Deutsche Telekom Aktie

Im Wochen-Chart eingezeichnet sind verschiedene Möglichkeiten, die selbst einem ganz langfristig orientierten Anleger einen Ausstieg aus der Telekom-Aktie angezeigt hätten.

  1. Schwarz eingezeichnet ist der Bruch der langfristigen November 1998-Aufwärtstrendlinie, die bei etwa 60 Punkten einen Ausstieg signalisiert hätte.
  2. Auch der 200-Tage-GD (rote Kurve) hätte bei etwas über 60 Punkten ein Ausstiegssignal generiert.
  3. Die untere rote Linie markiert ebenso die 60-Punkte-Linie, da sich die Telekom-Aktie zu diesem Kurs etwa 40% von Ihrem Hoch entfernt hat.
  4. Die obere rote Linie markiert einen Trailing Stop, etwa 25% unterhalb des letzten Hochs (hier also des Alltime-Highs).

Die ersten drei Varianten zeigen, dass bei Kursen um die 60 spätestens Schluss hätte sein müssen – egal, zu welchem Zeitpunkt der Investor eingestiegen sei. Die vierte Möglichkeit, der 25%-Trailing-Stop wäre die beste Variante gewesen (und wird übrigens auch von meinem US-Kollegen Steve Sjuggerud propagiert).

Zumindest bei einem längerfristigen Investment bewährt sich dieser Stop. Einer Investition „mehr“ Spielraum zu lassen (wie oben z.B. 40%) halte ich schon – zumindest in der reinen Aktienanlage – für sehr gewagt.

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Eine einfache Rechnung

Wenn eine Aktie um 25% fällt, muss sie 33% wieder aufholen, um den vorherigen Kurs zu erreichen. Das ist schon eine Menge, aber so viel Spielraum sollte bei einer längerfristigen Anlage „drin sein“. Wenn eine Aktie aber 40% fällt, muss Sie wieder um 66% ansteigen. Und da, liebe Leser, muss schon etwas Besonderes passieren, dass dieser Rückstand wieder aufgeholt wird.

Grundsätzlich ist zu unterscheiden, in welcher zeitlichen Ebene ein Anleger in eine Aktie investiert, welche Ziele er dabei verfolgt und welche Mühe er sich mit der Aktien-Analyse machen möchte.

Dabei agiert ein Langfrist-Anleger sicherlich gelassener und lässt der Aktie tatsächlich den nötigen Spielraum (z.B. 25%) und kontrolliert seine Stopps vielleicht einmal die Woche, möglicherweise sogar nur einmal im Monat.

Ein mittel- bis langfristiger Anleger „riskiert“ weniger und lässt der Aktie weniger Spielraum (z.B. etwa 10%) und beobachtet genau die charttechnisch wichtigen Unterstützungen. Dabei ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass aus einer anfänglich nur mittelfristig geplanten Investition eine langfristige wird. Nämlich dann, wenn sich die Aktie kontinuierlich nach oben bewegt – ohne fatale Ausrutscher… (die Fresenius-Aktie wäre hierfür ein aktuell positives Beispiel).

Ich persönlich nutze bei meinen Engagements anfänglich einen 10%-Trailing-Stopp und suche nach einer charttechnischen Unterstützung in der Nähe dieser 10%-Entfernung. Fällt die Aktie darunter, muss ich eingestehen, dass ich falsch lag. Dann muss ich wieder verkaufen. Aber das heißt noch lange nicht, dass ich die Aktie ad acta legen muss. Im Gegenteil. Ich analysiere meinen Einstiegsfehler und suche nach neuen Einstiegsmöglichkeiten bei demselben Wert.

 

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Über den Autor
Firley neu
Tom Firley

Tom Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag. Der Börsenprofi kann nunmehr auf 22 Jahre Börsenerfahrung zurückschauen.

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