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Die aktuelle Börsenlage: Vorsicht ist geboten

Achten Sie jetzt bitte auf Ihre Aktien-Strategie. Und wenn Sie keine Strategie haben sollten, dann wäre vermutlich jetzt der richtige Zeitpunkt, sich eine selbige zu überlegen. Denn:

Die Börsen stehen auf Allzeithoch. Das ist normalerweise eine feine Sache und viele Aktien in Ihrem Depot dürften sich recht gut entwickelt haben. Dies alleine ist natürlich kein Grund alles zu verkaufen und sich an den Gewinnen zu erfreuen. Schließlich können die Aktienkurse noch weiter steigen.

Doch wenn es an der Börse knallt, dann geht dies meistens recht schnell. Zahlreiche Fondsmanager und Großanleger hatten in der Finanzkrise 2008 das Problem, die Lage nicht richtig eingeschätzt zu haben… und waren dann natürlich heilfroh, als 2009 die Kurse wieder stiegen bzw. dann von diversen Zins-Maßnahmen nach oben motiviert wurden.

 

Die grausamsten Börsenphasen

Allerdings kennt aktuell kaum noch ein Börsianer richtige Baisse- oder Seitwärts-Phasen. Das sind lange Zeiträume, in denen die Börsen nicht richtig von der Stelle kommen. In den letzten 13 Jahren (zuvor sind die Börsenkurse von 1982 bis 2000 gestiegen) ist ja alles irgendwie gut gegangen. Die Baisse 2000 bis 2003 wurde überstanden und der Finanzkrisen-Crash 2007 / 2008 wurde zumindest aktienkurstechnisch schnell wieder aufgeholt… (inflationsbereinigt sieht das natürlich wieder etwas anders aus, aber das ist ein anderes Thema). Aber werfen wir einmal einen Blick auf eine Börsen-Epoche, die eher enervierend war (auch wenn ich diese nicht wirklich miterlebt habe).

 

Chart S&P 500 langfristig

S&P 500 langfristig Seitwärtsphasen

 

Blicken Sie bitte im Chart auf das rote Rechteck. In diesem Rechteck ist der Zeitraum von Sommer 1964 bis Winter 1982 eingefangen. Unterm Strich stieg hier der S&P 500 von 82 US-Dollar auf 140 US-Dollar. Das ist ein Anstieg von 70 Prozent. Auf eine Spanne von 17,5 Jahren betrachtet, entspricht dies einer durchschnittlichen Jahresrendite von 3,1 Prozent…

Nun gut. „Heutzutage ist alles anders“ (ein teurer Satz an der Börse…). Die Börsenzeiten sind schneller geworden. Nach schnellen Crashs kommen schnelle Rallies… Dies alles sind Argumente der optimistischen Börsen-Bullen. Gegen diese Aussagen möchte ich mich ja auch gar nicht auf Teufel komm raus stemmen.

 

Sie als umsichtiger Börsianer

Doch sollten wir alle Eventualitäten im Blick haben. Als umsichtiger Börsianer sind Sie per se (eigentlich) weder Bulle noch Bär. Sie nehmen die Dinge wie Sie sind und handeln entsprechend. Momentan sind wir noch in einem Aufwärtstrend. Dieser Aufwärtstrend wird irgendwann brechen – auch bei Ihren Aktien in Ihrem Depot. Nehmen Sie diesen Trend also so lange mit, wie es geht. Aber irgendwann wird sich mit Sicherheit (!) zum Beispiel die folgende Frage stellen:

„Die xy-Aktie habe ich vor etwa 2 Jahren bei 10 Euro gekauft. Heute steht sie bei 20 Euro. Das ist ein schöner Gewinn von 100 Prozent. Wieviel Spielraum lasse ich der Aktie nach unten?“

Und daher macht es Sinn, mit einer entsprechenden mittelfristigen Strategie auch einmal über Gewinnmitnahmen nachzudenken. Auch wenn es eine Floskel ist, so ist sie logisch und nachvollziehbar: Kaufe billig, verkaufe teuer.

 

In welcher historischen Börsenphase befinden wir uns?

Schauen Sie bitte noch einmal auf den Chart und dort auf den grünen und den roten Kreis. Zahlreiche Bullen gehen davon aus, dass wir uns vergleichsweise in der aktuellen Phase beim grünen Kreis befinden, soll bedeuten: Nach einer Korrektur startet eine (weitere) Jahrtausend-Hausse mit unvorstellbaren Kursgewinnen.  Natürlich, das würde gut ins Bild passen und ich hätte sicherlich nichts dagegen….

 

Alles ist möglich

Doch genauso gut könnten wir uns auch (wie gesagt vergleichsweise) am roten Kreis befinden und uns steht eine etwas heftigere Korrektur bevor, gefolgt von (in der Tat!) einer Rally und „schlimmer“ Seitwärtsphase. Wir können es nicht wissen. Vielleicht kommt auch alles ganz anders und die Börse schwankt in den nächsten 10 Jahren in einer Range von 20 Prozent nach unten und nach oben. Das wäre zwar unwahrscheinlich, aber dennoch möglich.

Fazit: Falls Sie ein randvolles Aktiendepot haben und eine mittelfristige Strategie fahren, geht es darum, aus guten Gewinnen keine Verluste oder gar schmerzhafte Verluste werden zu lassen. Es sei denn, Sie haben ausschließlich Qualitätswerte im Depot, die Sie in einer Abwärtsbewegung nachkaufen wollen UND Sie haben sehr viel Zeit. Im Zweifelsfalle müssen Sie dann wirklich sehr viel Zeit haben.

Ich persönlich würde beide Strategien fahren:

  1. Spardosen- bzw. Evergreen-Aktien (liegen lassen UND bei Schwäche nachkaufen)
  2. Mittelfristige Spekulationen (das ist die entscheidende Zutat in der Börsen-Suppe)

 

Naja, und 3.) natürlich mit Spielgeld zocken.

Viel Erfolg an der Börse

Ihr

 

Tom Firley

 

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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Alte Kommentare
  • Anne Schneider schrieb am 08.10.2013, 12:10 Uhr

    Sehr geehrter Herr Firley, Sie ermuntern Ihre Leser ja, Ihnen Fragen oder Kommentare zu schicken und deshalb mache ich das heute mal. Es geht um SAP. Die Aktie steht nahe am Tief des letzten Jahres und der Kurs bewegt sich schon ein ganzes Stück unter dem 256-SMA. Sollte die Widerstandslinie bei cirka 52,60 halten, wäre jetzt m.E. eine gute Kaufgelegenheit. Mich würde interessieren, ob Sie das ähnlich sehen? Herzliche Grüße A. Schneider PS: Ich finde es sehr schön, dass Sie Ihre Leser auch ein Stück weit an Ihrem "außerbörslichen Leben" mit all seinen Höhen und Tiefen teilhaben lassen. Danke dafür!

    • A Schneider antwortete am 09.10.2013, 10:44 Uhr

      Sorry, das kommt davon, wenn man sich nur den 1-Jahres-Zeitraum ansieht. Ich meinte das Oktobertief. Unter 52,-- könnte man wohl shorten?