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Anleihen: Junk Bonds – aktuell die größte Gefahr

Mindestens 15,7% aller in den USA vergebenen Junk Bonds (hochrisikoreiche Anleihen) sind notleidend. Dabei geht es nicht nur um Kredite an Ölfracker. Betroffen sind Unternehmen aus allen Sparten.

Quelle: pixabay

Junk Bonds: größte Vorsicht ist geboten

Kennen Sie Olin Corp.? Was wie eine Ölklitsche aus Montana klingt, ist in Wirklichkeit ein 1,25 Milliarden US-Dollar schwerer US-Chemiekonzern aus Missouri. Wobei die Marktkapitalisierung damit ein wenig über der jüngsten Verschuldung des Unternehmens liegt. Vergangenen Freitag erst versuchte der Konzern 1,5 Milliarden US-Dollar aufzunehmen. Für eine Übernahme natürlich – was auch sonst können US-Unternehmen heutzutage noch anderes mit Geld anfangen.

Die Vorstellungen lagen bei 6,5-6,75% Zinsen für 8-10 Jahre. Doch Olin Corp. wurde unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Mehr als 1,22 Milliarden US-Dollar schaffte man nicht aufzunehmen. Und erst recht nicht zur angestrebten Zinsbelastung. Satte 9,75% muss das Unternehmen jetzt für 8 Jahre bezahlen und 10% für 10 Jahres-Bonds. Ja, so ist das, wenn einen die Realität einholt.

Oder Unisys. Einst ein Unternehmen das Schreibmaschinen produzierte und als erster die QWETY-Tastatur einführte, heute ein Software-Dienstleister (wie so viele andere auch) aus Pennsylvania. Rund 8%, hatten die Analysten von S&P geschätzt, würde Unisys zahlen müssen für 350 Millionen US-Dollar. Doch inzwischen sind viele Marktteilnehmer schlagartig in der Realität angekommen. Die Angst vor der Unwissenheit in der die Zukunft liegt lässt die Geldgeber mehr Rücksicht auf Risiken nehmen. Und Unisys hat Risiken. Die aber liegen höher als eine einfache 8%-Verzinsung entschied der Markt. Und Unisys musste auf die Refinanzierung verzichten.

Von US-Öl- und Gasklitschen wie Chesapeake Energy oder California Resources, die in den letzten 12 Monaten nichts anderes getan haben, als das Geld ihrer Geldgeber zu verbrennen, möchte ich ja gar nicht erst anfangen. Die Pleitewelle hat nämlich längst begonnen, ob sie nun Quicksilver Resources oder Samson Resources heißen.

Die Junk Bond Blase beginnt uns um die Ohren zu fliegen

Und so könnte ich den ganzen Tag weitermachen, denn die Risiken wachsen beständig. Sehen Sie sich nur einmal folgende Grafik an, die einen Überblick über die Anzahl der Unternehmensanleihen gibt, welche Verluste von über 10% innerhalb eines Monats verkraften mussten:

Überblick: Anzahl der Unternehmensanleihen

Quelle: BofA

Seit September letzten Jahres befindet sich der Markt in Aufruhr. Die Risiken an den Anleihemärkten, besonders was die Junk Bonds angeht, werden endlich wieder verstärkt als solche wahr genommen. Das führt dazu, dass Geldgeber höhere Anleiherenditen einfordern und damit zu sinkenden Bond-Kursen.

Vor dieser platzenden Junk-Bond-Blase hatte ich Sie bereits im Oktober letzten Jahres gewarnt:

Gefährliche platzende Blasen sind die Folge

„Es ist ein seltsames Phänomen, dass wir uns über Jahrtausende zu einer hochtechnologisierten Gesellschaft entwickeln konnten, aber leider nicht in der Lage sind aus ökonomischer Erfahrung zu lernen.

Anders kann man nicht beschreiben, dass nur ein paar Jahre nach dem Fall der Lehman-Brüder, wieder wie blöde gebündelte Papiere mit hohen Ausfallrisiken gekauft werden. Damals mögen es Hypothekenkredite gewesen sein, heute sind es Unternehmenskredite. Was seriös klingt birgt aber Gefahren. Es ist die Rede von so genannten hoch verzinsten Leveraged Loans. Dies sind Kredite an Unternehmen, die bereits ein Rating unterhalb der Anlage-Qualität inne haben, zumeist schon längst hoch verschuldet sind. Zum Vergleich: In 2007 lag das neu aufgelegte Kreditvolumen in Leveraged Loans in den USA bei 535 Milliarden US-Dollar – in 2013 schon reichte es locker die Marke bei 600 Milliarden US-Dollar.

Die Nachfrage nach hochverzinslichen Anlagen steigt noch weiter. Sogar Japans 1,25 Billionen US-Dollar schwerer, staatlicher Pensionsfonds, normalerweise für konservative Anlagen bekannt, überlegt den Kauf von Junk Bonds.

Was will man da noch sagen? So lange die Zinsen niedrig bleiben in den USA, so lange die EZB den Pfad des Exzess beschreitet, so lange Japan, China und überhaupt die Mehrheit aller Staaten den gleichen Weg geht, Papiergeld verschenkt und die Bildung eines echten natürlichen Zinses damit verhindert, so lange wird jeder der im Besitz von billigem Geld ist, dieses, ungeachtet der Risiken, eben auch den Klitschen dieser Welt leihen, weil diese wenigstens noch 2% mehr Zinsen bezahlen, als andere.

Inzwischen ist das Volumen der jährlich neu aufgelegten Kredite in den USA auf 1,5 Billionen US-Dollar gestiegen – fast eine Verdopplung seit 2008. Das geht einher mit völlig überbewerteten US-Aktien, die KGVs von 20 erst einmal verdienen müssen.

Das ist eine Blase!

Interessanterweise will das eigentlich kaum jemand bestreiten. Die Frage, die sich dagegen jeder stellt ist: wie lange hält die Blase noch? 

Die naheliegende Antwort ist: So lange bis die Zinsen steigen (wobei sich hierbei die Frage stellt, weshalb die FED, die BoJ, oder inzwischen auch die EZB dieses Risiko überhaupt eingehen sollte). Doch weil die Antwort so naheliegend ist, könnte sie sich auch als falsch herausstellen. Denn die Wahrheit ist: Obwohl wir uns doch alle nicht vorstellen können, dass es ewig so weitergehen kann, können wir uns vorstellen, dass die Notenbanken gerade deshalb immer so weitermachen werden – was aber keiner von uns weiß ist, wie es dann weitergeht.

Die hohe Kreditvergabe der Banken und vor allem auch der Schattenbanken (ja, die gibt es auch und zwar zuhauf in Form von Fonds und Investmentgesellschaften in den USA) ist ein besorgniserregendes Szenario, weil hier das Billiggeld für hohe Risiken und eine generelle Kasino-Mentalität verliehen wird. Das weltweite Problem der anämischen Konjunkturentwicklung liegt dabei also nicht nur bei den Banken, sondern auch bei den Unternehmen selbst. Diese aber können immer nur so handeln, wie es ihnen die ökonomische Realität vorgibt. Das tatsächliche Problem also ist die Politik, die es nicht vermag in ihren Staaten ein Umfeld zu schaffen, in dem tatsächlich neue Werte geschaffen werden können. Und weil die Politik versagt, kämpfen nun die Notenbanken an vorderster Front fortwährend gegen die eigenen Windmühlen an. Doch Sie und ich werden es am Ende bezahlen müssen.“

Diesen Text hatte ich vor genau 1 Jahr am 01. Oktober 2014 geschrieben. Heute ist die Lage noch prekärer, die Blase längst angestochen und meine Warnungen haben nicht an Aktualität verloren. Auch nicht mein Rat: Halten Sie ihr physisches Gold und Silber bloß weiterhin fest.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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