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Trendwende: Zinswende in USA und Europa hat begonnen!

In Kürze werden wieder die Spekulationen ins Kraut schießen, ob die US-Notenbank nun auf ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr die Zinsen erneut anheben wird oder nicht. Ich sage, sie wird. Doch das ist eigentlich ohne Belang. Denn Notenbanken können nur die Zinsen am kurzen Laufzeitende beeinflussen.

Viel wichtiger ist jedoch, was die Zinsen am langen Ende machen. Diese zeigten sich bisher unbeeindruckt vom (bisher eher laschen) Zinserhöhungskurs der FED. Doch das hat sich in den letzten Tagen ganz brutal geändert.

So gewaltig, dass ich von einer vollzogenen Zinswende ausgehe. Die Zinsen am langen Laufzeitende werden weiter steigen, Bonds werden weiter fallen. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Damit geht auch die (kurze) Ära der Negativzinsen in Deutschland zu Ende.

Schauen wir uns die Zinsen für US-Staatsanleihen im Chart an.

US-Zinsen (diverse Laufzeiten) Linienchart

Sie sehen deutlich den kräftigen Zinsanstieg seit der US-Wahl vor etwas über einer Woche. Doch die Entwicklung reicht weiter zurück. Die Tiefpunkte der Zinsniveaus wurden bereits im Sommer markiert.

Seitdem steigen die Zinsen in den USA. Zunächst allmählich, seit Anfang November sehr dynamisch. So dynamisch, dass ich von einer echten Trendwende ausgehe. Das ist die Zinswende. Eine langfristige Entwicklung, die eben erst begonnen hat.

Erfreulich: Die Zinsen am langen Ende steigen stärker als am kurzen Ende. Die Zinskurve wird wieder steiler (unterer Chartabschnitt). So soll es sein! Die gefährliche Entwicklung der letzten Jahre, dass sich die Zinskurve immer mehr abflacht bis hin zur Inversion (wo Anleihen kurzer Laufzeiten mehr Zinsen bringen als solche mit langen Laufzeiten) ist vom Tisch.

Und damit auch die Gefahr einer neuen Rezession und Bankenkrise. Zumindest von dieser Seite.

Doch diese Entwicklung ist nicht auf die USA beschränkt. In Europa sehen wir auf tieferen Niveaus die gleiche Entwicklung. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen etwa ist von -0,2 % auf inzwischen +0,3 % gestiegen.

Die Negativzinsen sind Geschichte. Bis Jahresende 2017 erwarte ich Zinssätze um +1,0%, die noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein werden. Der Euro Bund Future at gleichzeitig eine mehrmonatige Toppbildung durchlaufen. Die Anleihenkurse werden also dementsprechend fallen. Langfristig fallen.

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10-Jahres-Zinssatz Deutschland

Was heißt das ferner? Die prekäre Situation der Banken dürfte sich allmählich etwas entspannen. Mit höheren Zinsen sind auch wieder höhere Margen im Kreditgeschäft möglich. Gefahr droht jedoch gleichzeitig von anderer Seite.

Zum einen könnte es einen Bondcrash geben, wenn die über Jahre kräftig aufgepumpte Anleihenblase platzt (bis hin zur absurden Situation von Negativzinsen!). Bisher verläuft der Anpassungsprozess noch geordnet. Zum andere droht Gefahr aus dem Immobiliensektor.

Im Vertrauen auf ewig niedrige Zinsen wurden zuletzt viele Immobilien viel zu teuer auf Pump gekauft. Teilweise mit Krediten mit variablen Zinssätzen (deren Zinslast bei steigenden Zinsen zunimmt), absurd langen Laufzeiten oder viel zu niedrigen Eigenkapitalquoten. Im Bereich Gewerbeimmobilien und auch bei Wohnimmobilien in Großstädte sprechen viele Experten bereits von einer Preisblase.

Steigende Zinsen dürften die spekulative Kaufwelle beenden, weil die Finanzierung zu teuer wird. Zudem dürften etliche „wacklige“ Finanzierungen kippen. Wenn das geschieht, hätte einige Banken m massiven neuen Schieflagen zu rechnen.

Vom Immobiliensektor würde ich in den kommenden Jahren ganz die Finger lassen. Eine solide und mit genügend Eigenkapital unterlegte Finanzierung eines selbstgenutzten Hauses ausgenommen. Immobilienaktien würde ich genau beobachten. Eine platzende Blase kann hier verheerende Schäden anrichten.

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Über den Autor
170407 Invest Voigt 72 04
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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