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Dow Jones: US-Arbeitsmarktdaten enttäuschen: Ende des Aufschwunges?

Die am Freitag veröffentlichten, monatlichen US-Arbeitsmarktdaten enttäuschten diesmal schwer. Ist das Ende des Aufschwunges am US-Arbeitsmarkt damit gekommen? Droht Gefahr für den Aktienmarkt?

US-Stellenaufbau im März extrem deutlich unter den Erwartungen

Noch nicht. Die deutliche Verfehlung der Märzprognose ergibt sich nämlich aus einem Mix aus überzogenen Erwartungen und ungewöhnlich schlechtem Wetter.

Gehen wir kurz ins Detail. Im Januar wurden (nach merklichen Abwärtsrevisionen) 216.000, im Februar 219.000 Stellen geschaffen, im März waren es plötzlich nur noch 98.000 (Erwartung: 180.000!). Der März läuft also etwas aus dem Ruder.

Die Ursache dafür ist wohl hauptsächlich in einem Kälteeinbruch Anfang März zu suchen, während die Monate Januar und Februar doch eher mild verliefen.

Obwohl den Analysten das Wetter nicht entgangen sein konnte, waren diese doch zu dämlich, diesen Faktor in ihre Prognosen einzubauen.

Sie beließen einfach ihre Schätzungen ungefähr auf dem Niveau der Vormonate, was dazu führte, dass sie diesmal schwer danebenlagen.

Im April wird alles besser?

Wenn meine Theorie stimmt, dann müsste der als nächstes zu vermeldende Stellenaufbau im April übrigens deutlich stärker ausfallen als erwartet, da es sich quasi um einen Nachholeffekt zum März handelt.

Vorausgesetzt, das Aprilwetter in den USA schlägt keine Kapriolen in Richtung „extrem kalt“. Weiter vorausgesetzt, der Aufschwung hat kein ernstes Problem. Aus diesem Grund werden die April-Arbeitsmarktdaten hoch spannend.

Die beiden Faktoren „Wetteranomalie“ und „Dämlichkeit der Analysten“ sind jedoch nur die eine Seite der Medaille. Nach 8 Jahren Aufschwung am US-Arbeitsmarkt gibt es schon erste Bremsspuren, wenn wir genauer hinsehen.

Nämlich vor allem im stationären Einzelhandel in den USA, der sich in einer Krise befindet. Hier werden massiv Stellen abgebaut, da der Onlinehandel der Branche das Wasser abgräbt.

Im Onlinehandel entstehen zwar gleichzeitig neue Stellen, aber dies kompensiert den Stellenabbau im stationären Einzelhandel nur zu einem Bruchteil. Zumal diese neu geschaffenen Stellen häufig nur schlecht bezahlte Teilzeitjobs sind.

Kritische Entwicklung im US-Einzelhandel

Unterm Strich hängen vom US-Einzelhandel 15 Millionen (!) Jobs ab. Allein im März wurden hier 30.000 Menschen entlassen. Stark verkürzt könnte man sagen, dass der Boom bei Amazon & Co. die Krise bei Walmart & Co. verschärft.

Weiter verschärft wird das Problem noch dadurch, dass die Konsumausgaben nur gering wachsen. Am Konsum hängen aber 70% der amerikanischen Wirtschaftsleistung. Das wiederum ist ein Umstand, der zu denken geben muss.

Zur aktuell euphorischen Stimmung an den US-Börsen, die in der Nähe (S&P 500) oder direkt auf frischen Allzeithochs (Nasdaq) notieren, passt dies nicht.

Sollten weitere Wirtschafsdaten enttäuschen, was ich für ganz sicher halte, wird die Anfang März gestartete Konsolidierung an den Börsen in die Verlängerung gehen.

Einzelne Titel in Boomsektoren, wie die eben angesprochene Amazon, die schon viele Jahre Teil unseres legendären DAX Profits Investoren-Depots ist, wird das kaum betreffen. Andere Titel werden stärker unter die Räder kommen.

Stock Picking wird gerade in den kommenden Monaten unerlässlich für Ihren Anlageerfolg sein, was eine genaue Kenntnis der Branchenentwicklung voraussetzt.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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