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Dow Jones: Dow Jones: Erschöpfungslücke vor der Korrektur?

In der Nacht zum Mittwoch lieferte US-Präsident Trump seine mit Spannung erwartete Rede zur Lage der Nation. Den entscheidenden Punkt aber – die zuvor angekündigten Details zu seinen Plänen wie die Steuerreform oder die Infrastrukturinvestitionen, blieb er dabei aber schuldig. Stattdessen nur ein Aufguss der längst bekannten Eckdaten.

1 Billion USD für die marode US-Infrastruktur (toll, aber frühestens ab Mitte 2018 konjunkturwirksam).

Steuern für Unternehmen und Bürger sollen drastisch gesenkt werden (auch schön, nur bei einem öffentlichen Haushaltsdefizit 2016 von 5,6% des BIP lag und einer Gesamtverschuldung von 107% des BIP könnte dies auch in den finalen Schuldenkollaps führen).

Den Aktienmärkten genügte diese doch recht dürftige reale Untermauerung ihrer bereits diskontierten vermeintlichen Wirtschaftserfolge der Regierung Trump jedoch offenbar.

Immerhin sprang der Dow Jones am Handelstag nach dieser Rede mit einer Kurslücke aufwärts auf ein neues Allzeithoch. Vielleicht haben aber am Mittwoch nur noch die letzten Dummies gekauft.

Das neue Allzeithoch bei 21.000 Punkten samt „Jubel-Lücke“ ohne Substanz könnte diesmal zu viel des Guten gewesen sein.

Dow Jones Tageschart: Kurslücke auf neues Allzeithoch – zu viel des Guten?

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Neues Allzeithoch als Erschöpfungslücke?

Eine Aufwärtslücke nach einer monatelangen Rally ist häufig ein Zeichen grenzenloser Euphorie. Sie bildet daher häufig den Auftakt zu längeren Korrekturphasen und wird dann als „Erschöpfungslücke“ bezeichnet.

Eine solche Erschöpfungslücke auf frischen Allzeithochs hatten wir beim Dow zuletzt im Juli 2016. Danach ging es zunächst noch zäh und marginal weiter aufwärts. Insgesamt deutete diese Kurslücke aber auf den Beginn der viermonatigen Korrekturphase im Sommer/ Herbst 2016 hin.

Diesmal könnte sich das Spiel wiederholen. Die jüngsten harten Wachstumsdaten aus den USA waren eher enttäuschend (BIP-Wachstum im 4. Quartal 2016 nur 1,9% aufs Gesamtjahr hochgerechnet – Analysten hatten zuvor bis zu 3,2% erwartet).

Der aktuelle Zinserhöhungskurs samt starkem Dollar ist da reines Gift. Macht die Notenbank so weiter, wird aus dem erhofften Trump-Aufschwung ein Freifahrtschein in die nächste Rezession.

Gefahr für Aktiendroht, wenn die Notenbank nicht einlenkt

Immerhin schlägt sie mittlerweile etwas moderatere Töne an. Fed-Mitglied Kaplan sagte am Mittwoch, die Notenbank sollte den Prozess von Zinserhöhungen starten, dabei aber mit „viel Geduld“ vorgehen.

Viel Geduld bedeutete im vergangenen Jahr, dass aus den angekündigten drei Zinserhöhungen am Ende eine einzige wurde. Das hätte den Vorteil, dass die US-Wirtschat nicht weiter geschädigt würde.

Vielleicht hat die einstündige Unterredung von Donald Trump mit Fed-Chefin Yellen ja für Klärung gesorgt. Trump braucht für die Umsetzung seiner Wahlversprechen eigentlich unabdingbar einen schwachen Dollar, was dem Zinserhöhungskurs der Notenbank widerspricht. Mal sehen, wer einlenken muss.

Heute ist die letzte Gelegenheit für Notenbanker, sich vor der nächsten Zinssitzung zur Monatsmitte zur Geldpolitik zu äußern. Danach beginnt eine zehntägige Schweigefrist. Umso genauer wird der Markt die heutige Rede von Fed-Chefin Yellen (um 19 Uhr MEZ) verfolgen.

Der starke Dollar schädigt bereits wieder die US-Wirtschaft. US-Transportindex und die kleinen US-Unternehmen im Russell-2000-Index haben die Aktien-Rally zuletzt kaum noch mitgemacht.

Gold hingegen ist seit Mitte Dezember wieder gefragt. Kein Wunder bei der Aussicht auf neue Schuldenorgien und/ oder einen neuen Abschwung durch eine zu straffe Geldpolitik.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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