Tesla-Aktie weiter im Sinkflug

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Tesla-Boss Elon Musk ist für sein hartes Durchgreifen bekannt. Jetzt schwört er seine Mitarbeiter auf schwierige Zeiten ein und will 14.000 Stellen streichen. Zwar ist der Elektroauto-Pionier in den vergangenen Jahren stark gewachsen – dennoch dürfte die Massenentlassungen der gesamten Branche Sorgenfalten auf die Stirn treiben. 

Die Anleger sind schon seit Längerem an der Seitenlinie zu finden. Seit dem Jahreswechsel haben die Papiere von Tesla rund 37% an Wert verloren, während der US-Aktienleitindex S&P 500 noch knapp 6% in der Gewinnzone liegt. Von dem Allzeithoch aus dem November 2021 beträgt der Kursrückgang der Tesla-Aktie sogar über 60%.

Elon Musk tritt auf die Kostenbremse

Das neue Sparprogramm dürfte den ein oder anderen Anleger auf dem falschen Fuß erwischt haben. Radikal ist es allemal:  Immerhin will der Elektroautobauer weltweit mindestens 10% der insgesamt rund 140.000 Stellen zusammenstreichen. Damit dürften sich die Skeptiker bestätigt fühlen. Fest steht, dass es derzeit alles andere als rund läuft. Der Markt für Elektroautos geht in vielen Ländern durch eine schwierige Phase. Diese Entwicklung macht auch vor Tesla nicht halt. Der harte Eingriff hinterlässt Zweifel, ob eine schnelle Rückkehr zu den rosigen Zeiten zu erwarten ist.

Werk in Grünheide betroffen

Dabei soll auch das einzige europäische Werk in Grünheide von den Maßnahmen betroffen sein, auch wenn Berichte über die Höhe von 3000 betroffene Stellen in der Fabrik vorerst zurückgewiesen wurden. Zum Hintergrund: In Grünheide werden verschiedene Varianten des SUV Model Y hergestellt, derzeit laufen 6000 Fahrzeuge pro Woche vom Band. Allerdings waren bei Baubeginn der Fabrik im Jahr 20.000 ursprünglich 10.000 Fahrzeuge als Wochenziel avisiert worden.

Laut dem Nachrichtendienst Bloomberg wurde zuletzt auch die Produktion in der Fabrik in China heruntergefahren. Dort produziert der Elektroautobauer das Model 3 und Model Y. Medienberichten zufolge die Arbeitszeit der Mitarbeiter dort um 1,5 Tage auf nunmehr fünf Tage pro Woche reduziert.

Erstes Quartal mit enttäuschenden Absatzzahlen

Mit dem rigorosen Sparprogramm will Tesla auf die geringere Nachfrage reagieren. Im ersten Quartal lieferte der Konzern nur 386.810 Fahrzeuge aus. Das waren 8,5% weniger als im Vorjahresquartal und deutlich weniger als die 430.000 Elektroautos, die ursprünglich angepeilt wurden. Gegenüber dem Rekord-Vorquartal mit 484.507 ergibt sich sogar ein Einbruch um rund 20%.

Preisnachlässe und Probleme mit Cybertruck

Der Gegenwind weht von mehreren Seiten. Im zurückliegenden Geschäftsjahr musste Tesla  Preisnachlässen auf die Autos von mehr als 10.000 Dollar gewähren, denen „nur“ Kosteneinsparungen von rund 3.000 Dollar gegenüberstanden. Gleichzeitig versuchte Tesla, noch mehr Geld durch die Entfernung von immer mehr Bauteilen wie Knöpfen, Schalthebeln, Parksensoren einzusparen, womit die Autos an Nutzbarkeit und Qualität verlieren.

Und auch beim Cybertruck läuft es nicht wirklich rund. Die Reichweite lag 2019, bei der Ankündigung des retrofuturistischen Fahrzeugs noch deutlich höher als heute. Dafür stieg der Kaufpreis an. Ob das Modell wirklich ein Erfolg wird, muss sich erst noch zeigen.

Tesla halbiert Abo-Preis für Selbstfahrfunktion

Derweil hat Tesla den Preis für das monatliche Abonnement seines Full Self-Driving-Pakets drastisch gesenkt, und zwar von zuvor 199 Dollar pro Monat auf 99 Dollar pro Monat. Darüber hinaus hat das Unternehmen vor kurzem FSD v12 eingeführt, das auf KI basiert und neue Funktionen bietet. Das Upgrade ist allerdings noch weit von vollständiger Autonomie entfernt und nutzt Sensoren im Lenkrad und Kameras in der Kabine, um festzustellen, ob ein Fahrer aufmerksam ist oder nicht. Der Konzern scheint sich nun auf eine hohe FSD-Abnahmequote und den Aufbau eines großen Abonnementgeschäfts zu konzentrieren.

Börsenwert impliziert immer noch viel Wachstumsphantasie

Nach dem Kursrückgang liegt der Börsenwert derzeit bei rund 500 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: BMW bringt gerade mal 61 Milliarden Euro auf die Waage, Mercedes 77 Milliarden Euro und General Motors 49 Milliarden Dollar. Sogar der weltgrößte Autobauer Toyota wird mit 300 Milliarden Euro deutlich geringer bewertet. Es bleibt also spannend. Die nächsten Impulse könnte bei der Vorlage der vollständigen Zahlen am 23. April folgen.