Alcoa kauft Alumina: Das steckt hinter dem Milliardendeal

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Vielleicht haben Sie es schon in den Medien gelesen: Es gibt einen neuen Milliardendeal im Rohstoffsektor – diesmal aber nicht in der Öl-, Stahl- oder Goldbranche, sondern rund um das Leichtmetall Aluminium. Im Mittelpunkt stehen die beiden Unternehmen Alcoa und Alumina Limited.

Alcoa (Aluminum Company of America) ist ein US-Hersteller von Bauxit und Aluminiumoxiden und als solcher einer der größten der Welt. Alumina aus Australien wiederum ist ein Branchenvertreter, der nach Umsatz etwa halb so groß ist wie Alcoa. Der Clou: Die beiden Unternehmen betreiben gemeinsam das Joint-Venture Alcoa World Alumina and Chemicals (AWAC). Das 1994 gegründete Gemeinschaftsunternehmen verfügt über ein internationales Netzwerk an Bauxit-Förderstätten und Aluminiumoxid-Raffinerien. Insgesamt 14 Standorte hat AWAC in seinem Portfolio, die meisten davon in Australien und Brasilien. Hinzu kommt ein Standort in Spanien, einer in Guinea und einer in Saudi-Arabien. AWAC hat einen Marktanteil von rund 9 % an der gesamten Aluminiumoxid-Weltproduktion.

Alcoa will Alumina für 2,2 Mrd. USD schlucken

Nun soll dieses Joint-Venture die Grundlage für eine Übernahme bilden. Alcoa hatte bereits vor einigen Wochen die Akquisition von Alumina Limited angekündigt. Vor wenigen Tagen haben die Australier dem Deal zugestimmt. Demnach wird sich Alcoa den Partner für 2,2 Milliarden USD im Rahmen eines Aktientauschgeschäfts einverleiben.

Unterm Strich bewertet der Deal eine Alumina-Aktie mit 1,15 AUD und damit höher als das Kursniveau vor der ersten Bekanntgabe des Deals am 25. Februar. Die Alumina-Aktie stieg daraufhin deutlich. Und auch Alcoa legte an der Börse zu, nachdem der Kapitalmarkt die Vorteile des Deals erkannt hat.

Aluminium-Krise: Synergien durch Übernahme

Hintergrund: Die Aluminiumbranche steckt aktuell in der Krise. Im Folgenden sehen Sie die Umsatz- und Gewinnentwicklung von Alcoa:

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Demnach ist 2023 nicht nur der Umsatz zurückgegangen. Unterm Strich musste der US-Aluminiumkonzern auch einen Fehlbetrag hinnehmen. Es sind vor allem die makroökonomischen Probleme, die auch dieses Rohstoffsegment im letzten Jahr belastet hatten. In der Folge sanken die Marktpreise für Aluminium und Aluminiumoxid, während die Produktionskosten stiegen. Ein ähnliches Bild (Umsatzrückgang und Verlustzahlen) offenbart sich daher auch im Geschäftsbericht von Alumina.

Die Zusammenlegung der beiden Unternehmen soll die aktuelle Krise abfedern, und vor allem das strauchelnde Joint-Venture AWAC wieder profitabel machen. Hierfür sollen Synergien geschaffen und Kosten gesenkt werden, zum Beispiel in den Bereichen Management und Verwaltung. So erwartet Alcoa, dass die Entscheidungsfindung bei AWAC durch die Übernahme deutlich beschleunigt wird. Der Deal mit Alumina ist aber nicht die einzige Maßnahme, die der US-Konzern aktuell forciert.

Alcoa schließt Raffinerie in Westaustralien

So hatte Alcoa im Januar die Schließung seiner defizitären Raffinerie Kwinana in Westaustralien angekündigt. Vor Ort waren die Produktionskosten im letzten Jahr noch einmal deutlich schneller nach oben geschossen als an den anderen Standorten, weshalb allein Kwinana einen Verlust von rund 130 Millionen USD generierte. Hinzu kommen der seit Jahren schwelende Konflikt mit der dortigen Umweltbehörde und Bevölkerungsgruppen, die Alcoa unter anderem eine fahrlässige Gefährdung der Wasserversorgung durch eine offenbar mangelhafte Pipeline vorwarfen.

Branchenkenner sehen in der Schließung indes ein wichtiges Signal für die Branche als Ganzes. So könnte der wegfallende Output dieses Standorts und der möglicher weiterer Produktionsstätten ein Gleichgewicht auf dem Aluminiummarkt begünstigen und möglicherweise gar eine Verknappung bewirken. Das würde in der Folge die Gewinnmargen von Alcoa bzw. Alumina unterstützen.

Gleichzeitig bleibt Aluminium ein wichtiger Werkstoff mit starkem Nachfragepotenzial auch im Hinblick auf die Energiewende. Das Leichtmetall trägt dazu bei, das Gewicht beispielsweise von Autos und Flugzeugen zu reduzieren. So lässt sich mit einem hohem Aluminiumanteil etwa die Reichweite von Elektrofahrzeugen verbessern und somit deren Klimabilanz, vor allem wenn das dafür nötige Aluminium möglichst klimaschonend produziert wird. Experten prognostizieren deshalb, dass der Werkstoff ähnlich wie Kupfer Teil eines großen Rohstoff-Superzyklus sein könnte, der mit dem Nachlassen der makroökonomischen Widerstände (z.B. hohe Zinsen und Konjunkturprobleme in manchen Volkswirtschaften) beginnen würde.

Mein Fazit für Sie

Was Sie als Rohstoff-Anleger definitiv mitnehmen können: Der neue Milliardendeal ist abermals ein Vertrauenssignal für den zuletzt eher kriselnden Sektor. Zuvor hatten große US-Ölkonzerne milliardenschwere Deals angekündigt, gefolgt vom japanischen Stahlriesen Nippon, der sich für knapp 15 Milliarden USD den amerikanischen Wettbewerber US Steel einverleibt. Und nicht zuletzt hatte der Goldgigant Newmont den kleineren Konkurrenten Newcrest gekauft – für ebenfalls rund 15 Milliarden USD.

Dass sich die Branche aktuell über gigantische Deals konsolidiert, sorgt für eine Machtkonzentration, mit der sich die Akteure auf den kommenden Aufwärtszyklus vorbereiten wollen. Auch wenn die Situation aktuell trist aussehen mag, sollten sie das Potenzial der Rohstoffbranche niemals unterschätzen. Gut möglich, dass Aktien wie Alcoa im späteren Jahresverlauf oder im kommenden Jahr und darüber hinaus zu den größten Gewinnern an der Börse zählen werden.