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Ölpreis: globales Überangebot bleibt bestehen – erwarten Sie keine Wunder

Die Rohölpreise konnten in der vergangenen Woche zunächst wieder steigen, bevor es am Freitag erneut zu einem Einbruch von 4% kam. Im Wochenvergleich ergibt sich dennoch ein leichter Zugewinn.

Zu Beginn der Woche hatte die Nachricht die Ölpreise steigen lassen, dass sich Saudi-Arabien und Russland am Rande des G20-Treffens darauf verständigt hatten, in Bezug auf den globalen Ölmarkt zu kooperieren.

Besonderen Auftrieb verschafften dann jedoch die US-Lagerbestandsdaten den Ölpreisen. Wie das US-Energieministerium mitteilte sind die US-Rohöllagerbestände in der vorvergangenen Woche um ganze 14,5 Millionen Barrel gesunken, gegenüber der Vorwoche.

Das entspricht dem stärksten Abbau seit Januar 1999 und ist das zweithöchste Ergebnis seit Beginn der Datenreihe. Schon das American Petroleum Institute hatte im Vorfeld einen deutlichen Abbau der US-Ölvorräte gemeldet.

Auf den zweiten Blick jedoch wird deutlich, dass der starke Vorratsabbau auf besondere kurzfristig wirkende Effekte zurückzuführen ist, aber nicht auf eine besonders starke Nachfrage. Ausschlaggebend ist in erster Linie nämlich ein massiver Rückgang der US-Rohölimporte, der um 1,9 Millionen Barrel pro Tag in der Berichtswoche zurückfiel.

Das entspricht rein rechnerisch fast dem genannten Wert des Vorratsabbaus. Grund dafür ist Hurrikan Hermine der massiv die Anlieferungen im Golf von Mexiko behindert hat und vermutlich auch an den Einfuhrhäfen der US-Ostküste.

Dieser Effekt dürfte aber ab der kommenden Woche mit dem weiterziehenden Sturm wieder wegfallen, so dass dann wieder mit steigenden Importen zu rechnen ist.

Überdies befinden sich die US-Rohöllagerbestände trotz des deutlichen Rückgangs in der vorvergangenen Woche noch immer rund 35% über dem Durchschnittslevel der letzten 5 Jahre. Nachdem diese Erkenntnis schließlich am Markt durchsickerte, gaben die Ölpreise am Freitag wieder deutlich ab.

Brent zur Lieferung im November handelt aktuell bei 47,88 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Oktober notiert derzeit bei 45,74 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

1RSD12.09.

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Auch was die Kooperation zwischen Saudi-Arabien und Russland angeht, sollte man wohl besser keine Wunder erwarten. So hat Russland erst im August eine rekordhohe Ölproduktion von 11 Millionen Barrel pro Tag gemeldet. Auch Saudi-Arabien hatte zuvor schon einen neuen Produktionsrekord bekannt gegeben.

Zudem erwartet der Iran – der zwar ebenfalls bekannt gab, mit Saudi-Arabien und Russland zusammenarbeiten zu wollen – weiterhin eine Ausnahme für sich und will zumindest das Produktionsniveau vor Beginn der Sanktionen erreichen. Dieses sieht der Iran selbst bei 4 Millionen Barrel pro Tag.

Auch Nigeria und Libyen wollen ihre angeschlagene Produktion wieder stabilisieren. Und der Irak will in 2017 seine Exporte steigern. Selbst die US-Energiebehörde hat nun die Prognose für die US-Rohölproduktion bis Ende 2017 um 200.000 Barrel pro Tag angehoben.

Angesichts dessen, dass derzeit nicht abzusehen ist, wie und wann das weltweite Überangebot nachhaltig abgebaut werden kann, dürften die Ölpreise vorerst nicht viel Spielraum nach oben haben. Dennoch dürfte die Volatilität an den Ölmärkten hoch bleiben, mindestens bis zum Treffen der Ölproduzierenden Länder in Algier.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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