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Ölpreis fällt: Algier verliert an Zauber

Die Ölpreise haben in der vergangenen Woche deutlich nachgegeben. Hauptgrund dafür dürfte sein, dass die Erwartungen der Marktteilnehmer an das kommende Treffen der Ölproduzierenden Länder in Algier immer mehr sinken und im Vorfeld wohl auch deutlich überzogen waren.

So tritt die Diskrepanz zwischen den Äußerungen und Handlungen der einzelnen Länder, sowie die Uneinigkeit unter den Ländern immer mehr zutage. Beispielsweise hatte der Iran letzte Woche bekannt gegeben, die Ölförderung bis zum Jahresende auf 4 Millionen Barrel pro Tag ausweiten zu wollen.

Da der Iran bereits aktuell mit 3,6 Millionen Barrel pro Tag fast an seinem Förderlimit produziert, bedeutet diese Ankündigung, dass der Iran offenbar plant in seine Förderung zu investieren und langfristig auszuweiten.

Widersprüchliche Signale

Somit kann wohl keine Rede davon sein, dass sich der Iran beim kommenden Treffen auch nur annähernd für eine konzertierte Produktionsbegrenzung aussprechen könnte. Und Saudi-Arabien dürfte wohl kaum eine solche vornehmen, ohne dass der Iran mit im Boot ist.

Von saudischer Seite selbst werden äußerst widersprüchliche Signale gesendet. So zeigte sich der saudische Ölminister zwar zuversichtlich, dass man sich bei dem kommenden Treffen auf eine gemeinsame Lösung zur Produktion einigen würde. Doch Tatsache ist auch, dass sein Land erst im August die Ölproduktion auf ein neues Rekordniveau bei 10,7 Millionen Barrel pro Tag erhöht hat.

Auch der Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten zuletzt ihre Ölproduktion ausgeweitet. Russland sprach sich zwar zuletzt für Produktionsobergrenzen aus, plädiert aber dafür, den Iran davon auszunehmen. Derartig viel Uneinigkeit und Ungereimtheit im Vorfeld des Treffens, lässt nicht gerade viel Hoffnung auf eine erfolgreiche Lösung in Algier zurück.

Auch aus den USA kamen preisdrückende Nachrichten. Wie das US-Energieministerium bekannt gab, sind die US-Rohöllagerbestände in der vorletzten Woche um 2,3 Millionen Barrel gestiegen und damit deutlich stärker als im Vorfeld erwartet.

Brent zur Lieferung im November handelt aktuell bei 46,68 US-Dollar pro Barrel an der ICE. WTI zur Lieferung im Oktober notiert aktuell bei 44,23 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Derzeit bietet der Ölpreis nicht viel Grund für deutlichen Auftrieb. Sollten sich allerdings die Ölproduzenten in Algier wider Erwarten zu einer echten Überraschung durchringen können, würde dies dem Ölpreis deutliche Unterstützung bescheren. Bis dahin jedoch fließt die überzogene Erwartung an das Treffen wieder aus dem Preis ab.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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