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Öl und Gold bleiben weiter auf Kurs

Energie: Erdöl

Die Ölpreise haben sich in der vergangenen Woche sehr verhalten entwickelt. Trotz einiger preisunterstützender News zum Ende der letzten Woche konnten die Verluste aus den Gewinnmitnahmen zur Wochenmitte nicht vollständig wieder aufgeholt werden.

Auslöser für die Gewinnmitnahmen zur Wochenmitte waren zum einen schwache Konjunkturdaten aus den USA und UK, sowie eine überraschende Zinssenkung der australischen Zentralbank.

Außerdem belastete ein stärkerer US-Dollar, nachdem zwei FED-Offizielle eine mögliche Zinsanhebung im Juni in Aussicht gestellt hatten. Daraufhin gerieten auch die Aktienmärkte unter Druck, was die Risikoaversion steigen ließ und die Ölpreise zusätzlich belastete.

Hinzu kommt eine rekordhohe Netto-Long-Position der Spekulanten, insbesondere bei Brent. Wenn die spekulativen Finanzanleger rekordhohe Netto-Long-Positionen halten ist es nicht ungewöhnlich, dass die Preise zwischenzeitlich bei schwächerer Nachrichtenlage unter Druck geraten, da dies zu hohen Gewinnmitnahmen führen kann.

Brent zur Lieferung im Juli handelt aktuell bei 45,28 US-Dollar pro Barrel an der ICE. WTI zur Lieferung im Juni notiert aktuell bei 44,55 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

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Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Auch wenn die Ölpreisrallye in der letzten Woche ein wenig ins Stocke geriet, ist es noch zu früh um schon das Ende auszurufen. Immerhin bestehen eine ganze Reihe an preisunterstützenden Faktoren, sowohl kurzfristig als auch mittelfristig.

So haben Waldbrände in der kanadischen Provinz Alberta einen großen Teil der Ölinfrastruktur lahm gelegt. Schon jetzt fallen Produktionskapazitäten in Höhe von 600.000 Barrel pro Tag aus.

Der venezolanische Ölproduzent PDVSA hat mit Zahlungsschwierigkeiten und dementsprechend Produktionskürzungen zu kämpfen und die andauernden Konflikte in Libyen setzen die dortige Produktion ebenfalls unter Druck.

Überdies berichtete zuletzt Saudi-Arabien von einem deutlichen Anstieg der Preise für Öllieferungen im Juni, was auf eine starke Nachfrage aus Asien hindeutet.

Und das US-Energieministerium berichtete für die vorvergangene Woche den stärksten US-Ölproduktionsrückgang seit August letzten Jahres mit 113.000 Barrel pro Tag. Dementsprechend dürften die Preise weiterhin gut nach unten abgestützt bleiben.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis, der zunächst verhalten in die letzte Woche gestartet war und zur Wochenmitte durch einen stärkeren US-Dollar unter Druck gesetzt wurde, erholte sich zum Ende der Woche deutlich und stieg im Hoch am Freitag bis auf über 1.295 US-Dollar pro Feinunze.

Unterstützung erhält der Goldpreis durch eine höhere Risikoaversion und fallende Aktienmärkte einerseits, durch eine verstärkte Nachfrage andererseits.

So verzeichneten die von Bloomberg erfassten ETFs am vergangenen Freitag den achten Tag in Folge mit Zuflüssen.

Auch die physische Nachfrage zeigt sich überaus stark. So berichtete die US-Münzanstalt von einem Goldmünzenabsatz in Höhe von 105.500 Unzen im April. Das ist ein Anstieg von 250% gegenüber dem Vorjahresmonat. In den ersten 4 Monaten dieses Jahres lag der Absatz bei 351.000 Unzen – ein Plus von 100% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Gold handelt aktuell bei 1.287,70 US-Dollar pro Feinunze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

Goldpreis

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Goldpreis dürfte auch weiterhin gut unterstützt bleiben.

Rück- und Ausblick für Kupfer und Cotton

Die Industriemetallpreise standen in der vergangenen Woche unter Abgabedruck. Schwache Konjunkturdaten aus den USA und China wirkten belastend.

So ist der US-amerikanische ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe im April entgegen den Erwartungen auf 50,8 Punkte gefallen und gab damit einen großen Teil seines deutlichen Anstiegs aus dem Vormonat wieder ab.

In China sank der von Caixin/Markit veröffentlichte private Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im April unerwartet auf 49,4 Punkte und blieb damit den 14.Monat in Folge unterhalb der Expansionsmarke von 50 Punkten zurück.

Trotzdem bestehen in vielen Metallmärkten nach wie vor Entwicklungen die mittelfristig höhere Preise erwarten lassen, wie Produktions- und Investitionskürzungen bei den Minen und ganz generell sinkende Metallgehalte in den Erzen.

So gab der weltweit größte Kupferminenproduzent Chile bekannt, dass die Kupferminenproduktion des Landes im 1.Quartal bereits um 3,5% gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 1,4 Millionen Tonnen gesunken ist.

Die sinkenden Metallgehalte führen dazu, dass die chilenische Kupferminenproduktion bereits seit 3 Jahren nicht mehr ausgeweitet worden ist. Und die angekündigten Investitions- und Produktionskürzungen beim größten chilenischen Minenkonzern Codelco dürften diesen Trend in absehbarer Zeit eher noch verschärfen.

Kupfer handelt derzeit bei 2,19 US-Dollar pro Pfund.

Kupferpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

Kupferpreis

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Der Kupferpreis ist längst reif für eine nachhaltige Erholung, doch hierfür benötigt der Markt zunächst einen markanten Stimmungsumschwung.

Agrarrohstoffe: Baumwolle

Die Baumwollpreise, die seit März die Verluste vom Beginn des Jahres wieder nahezu aufgeholt hatten, sind in der vergangenen Woche unter Druck geraten. Dies dürfte zum einen entlang der Ölpreise geschehen sein, zum anderen ist saisonal bedingt die Periode von Mai bis zur Ernte im August in der nördlichen Hemisphäre die schwächste im ganzen Jahr.

Dabei rechnet das International Cotton Advisory Comittee ICAC in seiner jüngsten Schätzung für die kommende Ernte 2016/17 erneut mit einem Defizit am globalen Baumwollmarkt. Dieses soll allerdings mit 800.000 Tonnen deutlich niedriger ausfallen, als jenes der laufenden Saison bei 1,7 Millionen Tonnen.

Ausschlaggebend dafür sind höhere Ernteerträge in Indien und den USA, die somit nur teilweise durch eine höhere Nachfrage ausgeglichen werden können. Baumwolle zur Lieferung im Juli handelt aktuell bei 61,92 US-Cent pro Pfund an der ICE.

Baumwollpreis in US-Cent/Pfund in der letzten Woche

Baumwollpreis

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Schon saisonal betrachtet dürften sich die Baumwollpreise zunächst eher verhalten entwickeln, bis die neue Ernte auf den Markt kommt und sich die Defizitschätzungen für die kommende Saison bestätigen. Sollte es hier allerdings Überraschungen geben, könnten auch sehr rasch starke Preisausschläge erfolgen, angesichts des überaus niedrigen Preisniveaus.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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