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Erdölpreis: OPEC-Euphorie zu hoch

Die Ölpreise sind in der vergangenen Woche sprunghaft gestiegen, nachdem die OPEC sich auf eine Förderkürzung geeinigt hatte.

So hat das Kartell nun beschlossen, die Produktion um 1,2 Millionen Barrel pro Tag zu kürzen. Auch Nicht-OPEC-Staaten werden laut Angaben des katarischen Ölministers die Produktion um weitere 600.000 Barrel pro Tag zurückfahren. Davon übernimmt Russland alleine eine Produktionskürzung in Höhe von 300.000 Barrel pro Tag, wie der russische Energieminister bestätigte.

Die Märkte nahmen die Ankündigung der Förderkürzung ab Januar 2017 überaus euphorisch auf, da die Produktionskürzung deutlich höher als erwartet ausgefallen ist. Dementsprechend erwartet ein Teil der Beobachter nun zumindest für die 1. Jahreshälfte 2017 einen ausgeglichenen bis defizitären Markt.

Dies bleibt m.E. allerdings fraglich, denn die vereinbarte künftige Fördermenge entspricht gerade einmal dem Durchschnitt der ersten 6 Monate dieses Jahres und damit am oberen Ende der Produktionsbandbreite der vergangenen 10 Jahre. Auch die Nachfrageentwicklung für das kommende Jahr lässt sich nicht so ohne weiteres präzise prognostizieren und ist abhängig von der tatsächlichen Konjunkturentwicklung.

Ein nicht unwesentlicher Anteil der Förderkürzungen ist überdies eher kosmetischer Natur. Saudi-Arabien beispielsweise, das mit 500.000 Barrel pro Tag den Löwenanteil der Förderkürzungen trägt, passt damit seine Produktion allerdings nur auf das übliche Winterniveau, nachdem man in Sommer die Produktion auf ein Rekordniveau ausgeweitet hatte.

Entsprechend klar wird nun auch, weshalb Saudi-Arabien die Winteranpassung in diesem Jahr bislang noch nicht vorgenommen hatte. Überraschend ist hingegen die Kürzung des Irak um 210.000 Barrel pro Tag, wohingegen der Iran seine Produktion sogar noch um 90.000 Barrel pro Tag erhöhen darf. Auch weitere Länder werden wohl im kommenden Jahr Produktionsanhebungen durchführen: neben Libyen und Nigeria wurde auch Indonesien von den Förderkürzungen ausgenommen.

Brent zur Lieferung im Februar handelt aktuell bei 54,49 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

Grafische Darstellung der Ölpreisentwicklung

Ölpreis springt über 56 US$Der goldene Herbst hat stürmisch angefangen. Statt Gold möchte ich diesmal einen Blick auf Öl richten. › mehr lesen

WTI zur Lieferung im Januar notiert derzeit bei 51,73 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Derzeit überwiegt die Euphorie an den Märkten und ein nicht unwesentlicher Teil der Marktteilnehmer erwartet auch für 2017 zunächst einen defizitären globalen Ölmarkt. Doch ist Vorsicht geboten auch was die Förderung in den USA angeht. Euphorie treibt die Ölpreise an, doch ein Ölpreisniveau ab 50 US-Dollar dürfte die (Schieferöl-) Produktion in den USA wieder deutlicher anheizen. Hinzu kommen möglicherweise unterstützende Maßnahmen der kommenden Trump-Regierung für die heimische Ölindustrie. Dann könnte sich die Erwartung eines globalen Ölmarktdefizits rasch wieder umkehren.

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Über den Autor
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Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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