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Erdöl – Vertrauen in OPEC und Co. auf Sand gebaut?

Die Ölpreise handelten in der vergangenen Woche mit enormer Schwankungsbreite. Während zu Beginn der neuen Woche die Skepsis hinsichtlich der Umsetzung und Effektivität der Förderkürzungen durch OPEC und Nicht-OPEC-Länder überwog, wuchs zum Ende der Woche die Hoffnung auf eine verbindliche Einigung mit den Nicht-OPEC-Ländern beim Treffen der ölproduzierenden Staaten in Wien am Samstag.

Tatsächlich konnten die Staaten am Samstag auch eine Einigung erzielen. Neben den Produktionskürzungen in Höhe von 1,2 Millionen Barrel pro Tag, auf die sich bereits die OPEC verständigt hatte, haben sich nun auch eine Reihe an Nicht-OPEC-Ländern dazu bereit erklärt ihre Produktion insgesamt um 558.000 Barrel zu kürzen. Mehr als die Hälfte dieser Produktionskürzung, 300.000 Barrel pro Tag, ist von Russland in Aussicht gestellt worden. Die übrigen Kürzungen werden von 10 weiteren Ländern durchgeführt, darunter Oman, Aserbaidschan und der Sudan. Werden alle versprochenen Kürzungen tatsächlich so umgesetzt, würde dies rund 2% des aktuellen globalen Ölangebots vom Markt nehmen.

Skepsis gegenüber Produktionskürzungen

Im Vorfeld allerdings und damit im Nachgang der zunächst ebenfalls sehr euphorisch aufgenommenen Kürzungsvereinbarung der OPEC hatte es große Zweifel im Markt gegeben, dahingehend ob die OPEC die versprochenen Kürzungen überhaupt so wie in Aussicht gestellt vornehmen wird, ob die OPEC tatsächlich an einem Strang ziehen und sich jedes Land an die Vorgaben halten wird und auch ob die Kürzungen überhaupt das globale Überangebot nachhaltig abbauen können. Denn laut jüngsten Umfragen von Reuters und Bloomberg ist die OPEC-Produktion bereits im November auf ein neues Rekordniveau bei fast 34,2 Millionen Barrel pro Tag gestiegen. Damit wirkt die in Aussicht gestellte Produktionskürzung eher kosmetisch als alles andere. Dazu passt auch, dass Saudi-Arabien, als wichtigster und größter Produzent der Welt und der OPEC für den Löwenanteil der Kürzung verantwortlich, seine übliche saisonale Produktionskürzung im Winter noch immer nicht vorgenommen hat, sondern weiterhin auf dem Rekordniveau der Sommermonate produziert. Die in Aussicht gestellte Kürzung ab Januar entspräche damit im Grunde größtenteils der normalen saisonalen Anpassung für diese Jahreszeit.

Brent zur Lieferung im Februar handelt aktuell bei 54,36 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Januar notiert aktuell bei 51,51 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Nicht nur im Falle Saudi-Arabiens besteht der Verdacht einer eher kosmetischen Förderkürzung, die in erster Linie dazu angedacht ist, schön auszusehen und dem Markt Beruhigung zu verschaffen. Auch Russland dessen in Aussicht gestellte Produktionskürzung in Höhe von 300.000 Barrel pro Tag zum Ende der vergangenen Woche noch so sehr gefeiert wurde, hat zuletzt seine Ölproduktion massiv gesteigert. Im November erreichte die russische Produktion ein neues Rekordniveau bei 11,21 Millionen Barrel pro Tag. Mit einer Kürzung von diesem Niveau aus betrachtet, würde Russland damit ab Januar 2017 noch immer deutlich mehr Rohöl produzieren als bis vor wenigen Monaten. Ganz offensichtlich ist noch immer keiner der Ölproduzenten bereit Marktanteile einzubüßen. Davon ausgehend ist es schwer vorstellbar, wie das massive globale Überangebot wirklich nachhaltig abgebaut werden soll. Noch scheint der Sektor nicht genügend in der Bredouille zu sein, damit wirkliche Änderungen vonstattengehen können. Offenbar fehlt es noch immer an einer größeren Marktbereinigungsphase. Kurzfristig sollten die Ölpreise aber weiterhin schwankungsanfällig bleiben und auch weitere Zugewinne sind durchaus möglich, wenn der Markt die Versprechen der Produzenten wohlwollend aufnimmt.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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