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Erdöl unter Druck – OPEC kann nicht liefern

Die Ölpreise sind in der vergangenen Woche wie erwartet zurückgekommen. Belastend wirken vor allem die wachsenden Bedenken in Bezug auf die tatsächliche Umsetzung der von der OPEC in Aussicht gestellten Produktionskürzungen.

Zwar erhielten die Ölpreise zum Ende der vergangenen Woche kurzzeitig Rückenwind aufgrund einer Reuters-Meldung wonach Saudi-Arabien und die verbündeten Golfstaaten VAE, Kuwait und Katar ihre Ölproduktion um 4% kürzen wollen. Dies würde einem Rückgang um 680.000 Barrel pro Tag entsprechen.

Doch Skepsis ist angebracht ob dies tatsächlich genügen kann um das globale Überangebot zu senken. Denn einerseits hat der Irak explizit klargemacht, dass man seine Ölproduktion um 300.000 Barrel pro Tag erhöhen will. Und andererseits zeigt sich Russland nicht bereit seine Ölproduktion zu senken. Bestenfalls sei man zum Einfrieren der Produktion bereit, hieß es von russischer Seite.

Es bleibt daher fraglich, ob die 4 Golfstaaten auch bereit sind notfalls im Alleigang eine Produktionskürzung vorzunehmen.

Auch die letzten Lagerbestandsdaten aus den USA konnten den Ölpreisen keinen Auftrieb verschaffen. Zwar meldete das US-Energieministerium für die vorvergangene Woche einen Rückgang der US-Rohölbestände um 500.000 Barrel. Dies ist jedoch vornehmlich auf den massiven Rückgang der US-Rohölimporte zurückzuführen.

Diese lagen in der vorvergangenen Woche mit 7 Millionen Barrel pro Tag nur knapp über dem Jahrestief in der Woche davor. Zum Vergleich: Von Juni bis August wurden noch täglich mehr als 8 Millionen Barrel pro Tag importiert.

Auch die wieder ansteigenden Ölbohrungen in den USA deuten nicht daraufhin, dass der Markt mittelfristig ausgeglichen werden könnte. Wie Baker Hughes berichtet ist die Zahl der Ölbohrungen in den USA in den letzten 17 Wochen zum 16.Mal in Folge gestiegen. Früher oder später wird ein Anstieg der US-Ölproduktion daraus folgen.

Brent zur Lieferung im Dezember handelt aktuell bei 49,60 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Dezember notiert aktuell bei 48,58 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Derzeit ist es kaum anzunehmen, dass mittelfristig das Überangebot im globalen Ölmarkt abgebaut werden kann. Daran ändern auch kleine Produktionskürzungen durch die Golfstaaten nichts. So lange die OPEC (und Russland) nicht gewillt ist geschlossen den Markt zu bestimmen, kann nur ein Rückgang der Ölpreise (verbunden mit dem Verlust von Marktanteilen und dem natürlichen Rückgang der Ölproduktion in verschiedenen Ländern) langfristig wieder für einen ausgeglichenen Markt sorgen.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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