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Erdöl: hat die OPEC den Mund zu voll genommen?

Die Ölpreise sind in der vergangenen Woche weiter deutlich gesunken und haben mittlerweile die Gewinne wieder abgegeben, die sich durch die Ankündigung einer Produktionskürzung durch die OPEC ergeben hatten.

Mittlerweile dürfte den Marktteilnehmer klar sein, dass die Wahrscheinlichkeit für eine konzertierte Aktion, die tatsächlich von allen OPEC-Staaten und möglicherweise anderen Öl produzierenden Ländern getragen wird, sehr gering ist. Ein Treffen von OPEC- und Nicht-OPEC-Staaten am vorvergangenen Wochenende verlief entsprechend ergebnislos.

Die Nicht-OPEC-Staaten Russland, Kasachstan, Mexiko, Oman und Aserbaidschan haben bereits abgelehnt sich verbindlich zu einer Teilnahme an Produktionskürzungen zu verpflichten.

Doch auch die OPEC selbst kommt scheinbar nicht auf eine gemeinsame Linie. Während zwar Saudi-Arabien vorgeschlagen hat die Produktion um 4% zu kürzen und sich angesichts einer steigenden Nachfrage in Asien zu Preiserhöhungen entschlossen hat, anstatt seinen Marktanteil weiter auszubauen, betätigen sich andere OPEC-Staaten weiterhin als Quertreiber. Iran und Irak pochen weiterhin auf Ausnahmeregelungen für sich.

Der Irak hat zuletzt im Oktober sogar seine Rohölexporte auf ein neues Rekordhoch bei 3,975 Millionen Barrel pro Tag erhöht. Und auch Libyen produziert inzwischen mit rund 590.000 Barrel pro Tag etwa 300.000 Barrel pro Tag mehr als Mitte September. Insgesamt produziert das Ölkartell derzeit laut einer Reuters-Umfrage rund 33,8 Millionen Barrel pro Tag, das liegt 800.000 Barrel pro Tag über dem angekündigten Zielkorridor.

Auch aus den USA kommt weiterhin keine Entwarnung. So sind die US-Rohöllagerbestände in der vorvergangenen Woche um satte 14,4 Millionen Barrel gestiegen. Das entspricht dem stärksten Wochenanstieg seit Beginn der Datenreihe vor 34 Jahren. Hauptverantwortlich ist neben gestiegenen Importen auch eine geringere Rohölverarbeitung.

Brent zur Lieferung im Januar handelt aktuell bei 45,60 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Dezember notiert aktuell bei 44,13 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Auf der nächsten OPEC-Sitzung diesen Monat wird die OPEC liefern müssen, ansonsten dürfte sich der Druck auf die Ölpreise noch verstärken. Auch die US-Wahlen in dieser Woche dürften den Ölmarkt bewegen. Die Volatilität dürfte zunächst entsprechend höher ausfallen.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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