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Erdöl: die OPEC wird das Überangebot nicht drosseln können

Die Ölpreise sind in der vergangenen Woche zurückgekommen und standen vor allem zum Ende der Woche deutlich unter Druck. Offensichtlich sinken die Erwartungen an die Möglichkeit der OPEC tatsächlich eine bedeutsame Produktionskürzung vornehmen zu können.

Am Mittwoch soll die schicksalhafte Sitzung der OPEC stattfinden, bei der das Kartell sich angeblich auf Produktionskürzungen einigen will. Doch das dürfte schwerer sein, als das Kartell vorgibt. Letztendlich müsste die OPEC die Förderung um rund 1 Million Barrel pro Tag zurückfahren, damit das aktuelle Überangebot angegangen werden kann.

Saudi-Arabien alleine könnte davon eine Produktionskürzung in Höhe von 500.000 Barrel pro Tag tragen, das entspräche dann in etwa dem Level, welches das Land üblicherweise im Winter produziert. Dann müssten die mit Saudi-Arabien verbündeten Golfanrainerstaaten den Rest tragen.

Denn es ist kaum davon auszugehen, dass weitere OPEC-Länder ebenfalls Förderkürzungen vornehmen. Allenfalls – und das wäre eine weitere Voraussetzung für die „OPEC-Produktionskürzung“ – müssten die übrigen OPEC-Staaten ihre Förderung auf dem jeweils aktuellen Niveau einfrieren.

Auch Russland würde allenfalls keine weitere Produktionsausweitung im kommenden Jahr vornehmen, wie Russlands Energieminister Nowak bekannt gab. Damit müsste dann aber der Plan, wie ihn der aserbaidschanische Ölminister ins Spiel gebracht hat, wonach die OPEC die Nicht-OPEC-Länder bitten will ihre Produktion ebenfalls um 880.000 Barrel pro Tag einzufrieren ad acta gelegt werden. Meines Erachtens nach hat dieser Plan generell nur wenig Aussicht auf Erfolg.

Aufgrund der wachsenden Zweifel an einem erfolgreichen Abschluss der kommenden OPEC-Sitzung dürften die spekulativen Marktteilnehmer zuletzt vermehrt Long-Positionen abgebaut haben, was zu dem letzten Preisdruck beigetragen hat.

Brent zur Lieferung im Januar handelt aktuell bei 47,12 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Januar notiert aktuell bei 46,00 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Selbst wenn es der OPEC gelingen sollte sich auf eine Förderkürzung in Höhe von 1 Million Barrel pro Tag zu verständigen, wird damit keinesfalls das künftige Überangebot angegangen. Zumal sich der ärgste Konkurrent der OPEC die USA wohl kaum auf eine Förderkürzung einlassen werden. Ganz im Gegenteil ist in den USA eher mit einer steigenden Produktion zu rechnen.

Davon zeugen zum einen die steigenden Ölbohrungen. Diese sind laut Baker Hughes in der letzten Woche zum 19. Mal in den vergangenen 21 Wochen gestiegen und haben den Rückgang der ersten 5 Monate fast schon wieder komplett wett gemacht. Überdies hat der designierte US-Präsident Trump bereits angekündigt, er wolle sämtliche Restriktionen gegenüber der US-Schieferöl-, -Schiefergas und -Kohleproduktion wieder aufheben.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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