Neue Spritregel: Hilft das wirklich?
Vielleicht haben Sie die Nachricht bereits gesehen: Die Bundesregierung plant eine neue Regel für Tankstellen. Künftig sollen sie nur noch einmal täglich die Preise erhöhen dürfen, und zwar mittags um 12 Uhr. Preissenkungen wären weiterhin jederzeit möglich.
Die Idee klingt zunächst plausibel. Weniger kurzfristige Preissprünge sollen für mehr Transparenz sorgen. Doch wenn man genauer hinschaut, wird schnell klar: Diese Maßnahme dürfte kaum dazu führen, dass Sie langfristig weniger für Benzin oder Diesel bezahlen.
Der größte Teil des Preises kommt vom Staat
Ein Punkt wird in der aktuellen Debatte häufig übersehen: Der größte Teil des Spritpreises hat mit den Mineralölkonzernen gar nichts zu tun.
Mehr als 60 Prozent des Preises an der Zapfsäule bestehen aus Steuern und Abgaben, die vom Staat festgelegt werden. Dazu gehören unter anderem die Energiesteuer und die Mehrwertsteuer.
Selbst wenn Tankstellen ihre Margen senken würden, hätte das also nur begrenzten Einfluss auf den Endpreis. Die wichtigste Stellschraube für günstigeren Sprit liegt damit eigentlich beim Staat selbst.
Die neue Regel hat keinen Preisdeckel
Hinzu kommt ein zweites Problem. Die geplante Regel begrenzt lediglich die Häufigkeit von Preiserhöhungen, nicht aber deren Höhe.
Tankstellen dürfen die Preise weiterhin anheben – nur eben einmal pro Tag. Wie stark diese Erhöhung ausfällt, ist jedoch nicht begrenzt.
In der Praxis könnte das sogar zu einem neuen Verhalten führen: Wenn nur eine tägliche Anpassung erlaubt ist, könnten Tankstellen ihre Preise gleich etwas großzügiger erhöhen, um mögliche Marktbewegungen abzudecken.
Ein möglicher Nebeneffekt
Ein weiterer Punkt wird in der politischen Diskussion kaum angesprochen. Sollte es tatsächlich keinen intensiven Wettbewerb oder sogar inoffizielle Preisabsprachen im Markt geben, könnte die neue Regel die Situation sogar vereinfachen.
Denn wenn Preise nur noch einmal täglich angepasst werden dürfen, sinkt automatisch der Abstimmungsbedarf zwischen Marktteilnehmern. Höhere Preise könnten sich damit sogar stabiler durchsetzen als bisher.
Mit anderen Worten: Eine Maßnahme, die eigentlich Wettbewerb fördern soll, könnte unter Umständen das Gegenteil bewirken.
Der eigentliche Treiber liegt woanders
Der aktuelle Anstieg der Spritpreise hängt vor allem mit geopolitischen Entwicklungen zusammen. Konflikte im Nahen Osten treiben den Ölpreis nach oben, weil wichtige Transportwege gefährdet sind.
Ein Beispiel ist die Straße von Hormus – eine schmale Meerenge zwischen Persischem Golf und Golf von Oman, durch die ein großer Teil des weltweiten Ölhandels transportiert wird. Wenn dort der Schiffsverkehr gestört wird, steigen die Ölpreise weltweit.
Und wenn Öl teurer wird, steigen auch Benzin- und Dieselpreise.
Was das für Sie als Verbraucher und Anleger bedeutet
Die Realität ist deshalb einfacher, als die politische Debatte oft suggeriert.
Am Problem hoher Spritpreise kann man im Grunde nur an zwei Stellen etwas ändern: entweder durch niedrigere Steuern oder durch eine Stabilisierung der Ölversorgung.
Alles andere bleibt eher Symbolpolitik.
Mein Rat an Sie lautet daher: Schauen Sie bei solchen Maßnahmen immer auf die grundlegenden Faktoren hinter den Preisen. Denn an den Energiemärkten entscheiden langfristig Angebot, Nachfrage und geopolitische Entwicklungen – nicht kurzfristige Regeländerungen.