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Lithium-Preisverfall wird nachlassen

Lithium-Preisverfall wird nachlassen
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Die Lithium-Preise befinden sich derzeit im freien Fall. Nach dem extremen Anstieg der Preise in den vergangenen 2 Jahren, lastet seit Ende letzten Jahres eine schwache Nachfrage auf den Lithium-Preisen.

Lithium-Preis im freien Fall

Quelle: tradingeconomics.com

Seit dem Hoch vom vergangenen November bei 600.000 CNY pro Tonne hat der Preis für Lithiumcarbonat um über 70 % nachgegeben.

Aber die Energiewende…

JA, Lithium ist nach wie vor einer der wichtigsten Rohstoffe der Energiewende, da unumgänglich für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien, die wir für Elektrofahrzeuge und andere Anwendungen brauchen.

ABER, Lithium unterliegt wie jeder andere Rohstoff den tatsächlichen Gegebenheiten an Angebot und Nachfrage. An ebendieser Nachfrage hapert es jedoch im Moment.

In China, dem weltweit größten Elektrofahrzeuge-Markt, laufen die Elektroauto-Förderungen aus, weshalb die Kunden zuletzt wieder verstärkt wieder Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren nachgefragt haben. Die Händler machen es Ihnen dabei allerdings auch sehr einfach. So gibt es Berichte wonach derzeit in China Fahrzeuge mit Verbrennern für den halben Preis rausgehauen werden.

Überdies erholt sich China derzeit erst von der Corona-Pandemie und den Lockdowns.

Im Westen dagegen machen Inflation und Rezession zu schaffen und drücken auf den Absatz von Elektrofahrzeugen.

Langfristig sieht das Bild anders aus

Die aktuell schwache Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und der damit einher gehende Dämpfer auf die Lithiumpreise lässt sich nicht wegleugnen. Genauso wenig allerdings wie die Tatsache, dass dies eine kurzfristig wirkender Faktor ist. Langfristig verändert sich das Bild nämlich deutlich. Beim Bergbau-Riesen Rio Tinto hat man sich Gedanken darüber gemacht, wie sich der Lithium-Markt verändert, wenn die Industrieländer bis 2050 tatsächlich das hehre Ziel erreichen und netto keine CO2-Emissionen mehr ausstoßen. Wohlgemerkt, China und die Entwicklungsländer folgen in diesem Szenario erst 2060-2070 nach.

Quelle: Rio Tinto

Trotz wachsendem Angebot, wird die Nachfrage nach Lithium schon in ein paar Jahren das Angebot massiv übersteigen.

Und dann war da mal wieder ein chilenischer Präsident der alles anders machen wollte

Erinnern Sie sich eigentlich noch an Salvador Allende, vielleicht aus dem Geschichtsunterricht? Allende war von 1970 bis 1973 Präsident von Chile und versuchte eine sozialistische Gesellschaft zu etablieren. Das allein wäre ihm vielleicht nicht zum Verhängnis geworden, wäre er nicht gleichzeitig auch auf die Idee gekommen die chilenische Kupferförderung zu verstaatlichen.

1973 starb Allende während eines von der CIA sagen wir mal unterstützten Putschs. Mit Unterstützung der USA gelangte danach Augusto Pinochet an die Macht, der zwar ein übler Diktator war, aber interessanterweise wirtschaftsliberale Strukturreformen durchführte und ausländische Investoren willkommen hieß. Pinochet blieb bis 1990 Präsident Chiles, bis 1998 Oberbefehlshaber des Heeres und Senator auf Lebenszeit.

Warum der Geschichtsexkurs?

Chiles neuer Präsident Gabriel Boric will die chilenische Lithiumförderung verstaatlichen. Man bedenke, Lithium gilt in den USA inzwischen als ein kritischer Rohstoff und in Chile lagern mit 9,2 Mrd. Tonnen die höchsten Lithium-Reserven der Welt.

Natürlich geht Boric moderner vor als Allende. Zunächst einmal sollen die bestehenden Verträge selbstverständlich erst auslaufen dürfen, bevor die Unternehmen dann vor die Wahl gestellt werden, entweder den Staat als neuen Mehrheitseigner zu akzeptieren oder Projekte und Investitionen komplett in den Wind zu blasen.

Da Boric da in das gleiche Horn bläst wie es vor ihm schon in Mexiko oder Indonesien geblasen wurde, dürfte die CIA jetzt nicht gleich wieder zum selben Mittel greifen, wie in den 70ern.

Es stellt sich daher die Frage, welche Auswirkungen dieses Vorgehen auf den globalen Lithiummarkt hat:

1. Die Leidtragenden sind vorerst die Lithium-Unternehmen in Chile.

Deshalb muss man einen Blick auf die beiden größten Lithium-Produzenten der Welt werfen: SQM und Albemarle.

SQM: Die chilenische Lithium-Produktion stand im vergangenen Jahr 2022 für über 75 % der Einnahmen von SQM. Noch vor wenigen Jahren dominierten Jod sowie die Düngemittel Kali und Nitrat die Bilanz. Doch SQM ist inzwischen größtenteils von seiner Lithium-Produktion in Chile abhängig.

Albemarle: Albemarle dagegen ist weniger abhängig von Chile da man auch an zwei australischen Minen sowie an der Silver Peak-Mine in Nevada beteiligt ist. Chilenisches Lithium machte im Jahr 2022 nur 30 % der gesamten Lithiumminenproduktion von Albemarle aus. Zudem will Albemarle seine North Carolina-Mine wieder eröffnen, die man Ende der 1990er Jahre aufgrund des Kostendrucks aus Chile geschlossen hatten. Ironischerweise war es die Schließung dieser Mine, die Chile zum Lithiumproduzenten Nummer eins machte, bis das Land von Australien überholt wurde. Überhaupt versucht Albemarle verstärkt in Australien Fuß zu fassen. Dazu gehört auch die versuchte Übernahme von Liontown.

SQMs Lizenzen in Chile laufen in 2030 Zeit aus, während Albemarle noch bis bis 2043 Zeit hat. Vielleicht ändert sich bis dahin der politische Gegenwind auch wieder, aber eines ist gewiss:

2. Neue Investitionen von Seiten der Privatunternehmen werden in Chile eher zurückgehen.

Albemarle ist jetzt schon auf dem Weg sich aus Chile heraus zu diversifizieren. SQM dürfte seit letzter Woche ebenfalls verstärkt mit dem Gedanken spielen. So oder so, mit neuen Investitionen in Chile dürften sich beide Unternehmen über die kommenden Jahre deutlich zurückhalten.

Fazit: Lithiums Preisverfall wird nachlassen

Die Lithiumpreise haben durchaus noch Spielraum nach unten, mittelfristig wird der Preisverfall aber ein Ende haben und sich längerfristig wieder in einen Aufwärtstrend umkehren. Dafür sorgt dann die global steigende Nachfrage. Auf der Angebotsseite erwarte ich mit dem Vorstoß Chiles vorerst eher wieder zurückhaltende Investitionen, was die Ausweitung des Angebots beeinträchtigen würde.