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Engpässe in der Lebensmittelversorgung – so gehen Sie die Sache richtig an

Inhaltsverzeichnis

Deutschlands Supermärkte, ein Bild gähnender Leere. Zumindest was die wichtigsten Hamster-Produkte Sonnenblumenöl und Toilettenpapier angeht. Aber ist das real? Ist die große Lebensmittelknappheit schon angekommen? Oder steckt der Teufel wieder einmal im Detail der Angststeuerung?

Kaum ein Analyst der derzeit nicht vor steigenden Lebensmittelpreisen warnt (mich eingeschlossen). Und es ist ja auch richtig: Seit Jahresbeginn sind die Preise für die wichtigsten Getreide deutlich gestiegen. Doch…

Preis für Sojabohnen steigt nicht erst seit Ukraine-Krieg

Quelle: stockcharts.com

Wie Sie unschwer erkennen können, vollzog sich der massive Anstieg der Sojabohnenpreise bereits vor zwei Jahren – als Folge schlechter Ernten, aufgrund klimatischer Probleme. Und der nächste große Aufwärtsschub begann bereits Ende des vergangenen Jahres – aufgrund von marktspezifischen Problemen, wie geringeren Lagerbeständen, Ernteproblemen in einigen Regionen und vor allem einer Düngemittelverknappung.

Wie kommt das? Und vor allem, weshalb zeige ich Ihnen eigentlich einen Sojabohnen-Preischart?

Dröseln wir die Causa steigender Agrarrohstoffpreise mal ein wenig auf.

Die Ausgangslage: Was braucht die EU aus der Ukraine?

Klar, die Ukraine liefert Sonnenblumenöl und Weizen. Aber angesichts der Tatsache, dass der Großteil des Weizens in stark importabhängige Länder wie Ägypten fließt und ukrainisches Sonnenblumenöl nur einen kleinen Prozentsatz des EU-Sonnenblumenöls ausmacht, sind die realen Auswirkungen zumindest auf die deutsche Wirtschaft eher gering. Tatsächlich produziert Deutschland mehr Weizen, als es selbst verbraucht. Rund 20% des deutschen Weizens gehen in den Export.

Natürlich kommt es trotzdem zu steigenden Weltmarktpreisen und großen Problemen in den Weizenimport-Ländern Nordafrikas und Asiens.

Der große Knackpunkt für die EU-Landwirtschaft ist vor allem das Soja aus der Ukraine.

Denn dieses wird als Futtermittel in der Fleischproduktion, vor allem in der Tiermast, verwendet. DESHALB zeigte ich Ihnen den Sojabohnen-Preischart.

Aber wie Sie gesehen haben, sind die Sojabohnen nicht erst mit dem Ukraine-Krieg teurer geworden.

Der Hintergrund: Die Düngemittelknappheit

Es ist eine Tatsache: Vor Engpässen in der globalen Lebensmittelversorgung (auch der EU) habe ich und andere wiederholt und ganz besonders im vergangenen Jahr gewarnt. Die steigenden Gaspreise in 2021 (ich berichtete letzte Woche) lösten schon damals eine Düngemittelkrise aus. Ein Dünger besteht immer aus drei Komponenten: Kalium, Phosphor und Stickstoff. Das Salz (Kalium) gewinnen wir, ebenso wie Phosphor, in Bergwerken. Auch Phosphor, das aus Mineralien wie Apatit gewonnen wird, ist endlich. Aber das ist nicht der Grund für den deutlichen Anstieg der Düngemittelpreise. Der Grund für die hohen Düngemittelpreise ist der Stickstoff. Diese Komponente reagiert mit Erdgas und wird so zu Dünger verarbeitet. Auch für die Verarbeitung an sich wird als Energiequelle oft Erdgas eingesetzt.

Steigende Düngemittelpreise bereits in 2021

Quelle: ycharts.com

Der Anstieg der Gaspreise in 2021 führte auch zu steigenden Düngemittelpreisen und damit zu einem Absatzeinbruch bei den Herstellern. Das führt aktuell zu einem Düngermangel.

Die Lösung: Mehr Geld für Sojaanbau in der EU und beim Bauern um die Ecke einkaufen

Verstehen Sie mich nicht falsch: Der Anstieg der Agrarrohstoffpreise an den globalen Börsen erhöht den weltweiten Inflationsdruck. (Ich hatte Ihnen in den letzten Jahren wiederholt den Kauf von Gold zur Absicherung empfohlen.) Aber Hungersnöte würde ich weder für Europa, noch Nordamerika erwarten. Die großen Probleme betreffen die Länder, welche stark vom Import bestimmter Agrarrohstoffe abhängig sind. Das sind die Länder, in denen jetzt Hamsterkäufe vonnöten wären und die Unterstützung bräuchten.

Die Länder Europas sind jetzt vor allem gefragt, die heimische Agrarrohstoffproduktion zu erhöhen. Dazu könnten Brachflächen reaktiviert werden oder solche die man bisher für ökologische Landwirtschaft reserviert hatte. Die EU-Kommission will überdies zusätzliche Fördermittel in Höhe von 1,5 Milliarden Euro für die Landwirtschaft freigeben. Damit sollen verstärkt Soja und Raps angebaut werden. Das halte ich für bitter nötig. Die europäische Landwirtschaft benötigt dringend Entlastung, um die massiv gestiegenen Ausgaben zu decken und weiterhin für die weitestgehend autonome Lebensmittelversorgung Europas einzustehen.

Glauben Sie mir, ich verstehe nur zu gut, wenn Sie aktuell gerade Konserven im Keller einlagern. Tun Sie das, man kann nicht vorsichtig genug sein. Aber übertreiben Sie es nicht. Die größten Probleme haben wir im Moment vor allem aufgrund der gestörten Logistikketten. Denn Transport braucht Energie und Energie ist jetzt teuer. Außerdem leidet insbesondere Deutschland unter einem massiven Fahrermangel, der sich durch den Krieg in der Ukraine deutlich verschärft hat, aufgrund heimkehrender Ukrainer, Belarussen und Russen.

Greifen Sie also, wenn möglich, auf regionale Produkte zurück, die keine weiten Transportwege auf dem Buckel haben und unterstützen Sie so die heimische Landwirtschaft. Grämen Sie sich nicht, wenn der Burrata-Käse aus Apulien gerade nicht vorrätig ist, der kommt schon wieder. Und falls Sie im Supermarkt um die Ecke kein Klopapier finden, denken Sie zwei Jahre zurück. Sie haben Corona überlebt, Sie überleben auch die aktuellen Hamster-Engpässe.