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Diese 7 Gründe machen Rohstoffe und Bergbau teurer

In Serbien protestierten am Samstag Tausende Menschen gegen den geplanten Lithium-Abbau im Jadar-Tal. Umweltbedenken sind aber nur ein Gegenwind von vielen, die der Bergbauindustrie weltweit entgegenwehen und die Rohstoffpreise nach oben treiben.

Der langfristige Aufwärtstrend ist intakt in der globalen Bergbauindustrie

RSD14.09.21

Quelle: stockcharts.com

Hier sehen Sie die Entwicklung der Kurse der 105 wichtigsten Bergbaukonzerne der Welt, dargestellt durch den S&P/TSX Global Mining Index. Wie Sie unschwer erkennen können, hat der langfristige Aufwärtstrend Bestand.

Dafür gibt es gute Gründe. Die globale Bergbauindustrie sieht sich zunehmend mit massiven Problemen konfrontiert. Diese machen den Abbau jeglicher Rohstoffe zunehmend komplizierter und teurer. Bei steigender Nachfrage und gleichzeitig stagnierendem oder sogar sinkendem Angebot ist für die Rohstoffpreise von fundamentaler Seite eine massive Unterstützung gegeben.

7 Gründe, weshalb die Rohstoffpreise weiter steigen und die Kurse der Minenaktien schließlich explodieren werden

Umweltbedenken

In Serbien plant der Bergbaukonzern Rio Tinto eine große Lithium-Mine. Das Metall ist überaus wichtig für den weltweiten Elektromobilitäts-Boom. Doch die Anwohner des betroffenen Jadar-Tals sind nun zu Tausenden auf die Straße gegangen und wehren sich verzweifelt gegen die großflächige Zerstörung ihrer Heimat. Ob sie schließlich Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten. Zwar hat Serbien, das gerne der EU beitreten würde, gerade im Umweltschutz noch einiges nachzuholen.  Aber Rio Tinto hat bereits 2,4 Milliarden USD in Serbien investiert. Am Ende wird man wohl eine Kompromiss-Lösung finden müssen, die das Projekt aber durchaus verteuern oder verzögern könnte.  Das ist nicht einfach aus der Luft gegriffen. In den letzten Jahren sehen wir immer mehr Projektverzögerungen rein aus umwelttechnischen Bedenken, von der Wasser- und Luftqualität bis hin zur Emission von Treibhausgasen. Natürlich darf man das nicht einfach auf die leichte Schulter nehmen. Aber bisweilen sind es übertriebene Bedenken, die dafür sorgen, dass eine bestimmte Lagerstätte niemals abgebaut wird. In den vergangenen Jahren habe ich beobachtet, wie Projekte verzögert und eingeschränkt worden sind durch Auflagen wie das Aufschichten von Mutterboden auf den großflächigen Ölsandliegenschaften in Alberta/Kanada bis hin zum Erhalt von Kaffeeplantagen inmitten der Uranlagerstätten Kolumbiens.

Mega-Lagerstätten fehlen im Goldbergbau.

Es ist noch nicht einmal 15 Jahre her, als der größte Goldproduzent der Welt noch Südafrika hieß. Noch in den 80er Jahren stand das Land für 64% der globalen Goldproduktion, heute sind es noch unter 6%. Der Grund dafür: Witwatersrand.  Eine gigantische, sich extrem weit ausdehnende Goldlagerstätte unterhalb von und um Johannesburg. Dieser eine Bergbaudistrikt machte Südafrika über ein Jahrhundert lang zum weltweit größten Goldproduzenten. Und jetzt eben nicht mehr. Man sollte natürlich niemals nie sagen. Aber basierend auf den weltweiten Explorationsdaten, die bis dato vorliegen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die globale Bergbauindustrie jemals wieder ein zweites Witwatersrand finden wird. Das trifft im Übrigen auch auf die Goldlagerstätten im Carlin-Stil zu, wie es sie in Nevada/USA gibt.  Nevada bietet viele ausgedehnte goldhaltige Vererzungen über eine weite Fläche. Das bedeutet mikroskopisch kleine Goldanteile mit niedrigen Vererzungsgraden über eine weite Fläche übereinander gelagerter Sedimentschichten. Da werden unzählige Tonne Gestein bewegt, die aber vergleichsweise einfach abzubauen sind. Schade, dass solche Carlin-Stil-Lagerstätten leider auch nur sehr rar gesät sind.

Krieg und Terror.

Viele geologisch bedeutende Gebiete – wie Teile von Afrika oder beispielsweise ein Großteil des Mittleren Ostens – sind unsichere Regionen. Manche mit fabelhaften geologischen Ausgangsbedingungen, wie zum Beispiel Afghanistan, sind sogar Kriegsgebiete. In diesen Ländern ist es nahezu unmöglich, langfristige Abkommen zu schließen, wie sie für Exploration, Entwicklung und Abbau wichtig wären, wo wir mit Zeitrahmen von Jahrzehnten planen müssen.

Populismus und Gier in der Politik.

Immer öfter sehen wir, dass Regierungen nach einem Machtwechsel und über Nacht, aus einer politischen Laune heraus, plötzlich die Regeln ändern. Denken Sie z.B. an das Chaos, das die Regierung Zimbabwes in ihrer Bergbauindustrie angerichtet hat. Oder Kirgisistan, dass alle Abkommen mit Centerra Gold über den Haufen geworfen und damit praktisch die gesamten Auslandsinvestitionen zum Stillstand gebracht hat. In Indonesien hatte sich die neue Regierung Freeport McMoran vorgeknöpft und das Unternehmen dabei halb enteignet. Auf den Philippinen wurde praktisch der gesamte Bergbau von der Staatsführung abgewürgt. Oder nehmen sie Eldorado Gold, dessen Projekt in Griechenland mitten im Bau von der damaligen Syriza-Regierung stillgelegt und bis heute nicht wieder eröffnet worden ist.

Steigende Kosten.

Für jede Unze Gold in der Welt oder auch jedes andere Metall steht die Anwendung von Energie, Arbeit und anderem Kapital für den Produktionsprozess. Und die Kosten dafür steigen. Ebenso wie diejenigen für alle anderen Materialien, wie Bulldozer, Lastwagen, Beton, Stahl und alles andere, was zum Betrieb einer Mine gehört.

Nordpol oder tief im Dschungel?

Spannende neue Liegenschaften findet man fast nur noch in weiter Ferne. Ich spreche hier nicht von Asien oder Afrika, sondern eher von Projekten im kanadischen Nunavut oder in Südamerikas unerschlossenen Berggegenden. Das verteuert den Bergbau auf Dauer massiv.

Kennen Sie die Ölfelder von Los Angeles?

Nein? Dann liegt das daran, dass es sich hierbei um mineralische Lagerstätten handelt, die aufgrund der menschlichen Besiedlung gar nicht abgebaut werden können. Nur wenige Menschen wissen, dass sich unterhalb von LA ein weites Feld an ölhaltigen Gesteinsformationen befindet, mit einer Ressource in der Größe oder sogar noch größer als Prudhoe Bay in Alaska. Wir sprechen hier von einer Ressource der Größe von etwa 15 Milliarden Barrel. Doch wer würde wohl LA abreißen, um dieses Öl aus dem Boden zu holen? Eben. Und die Ölfelder von LA sind im Bergbau kein Einzelfall.

Fazit: Rohstoffpreise, Bergbau und Minenaktienkurse werden teurer

Es wird immer schwieriger Lagerstätten zu finden und neue Minen zu entwickeln. Mittelfristig sehen wir erhebliche Versorgungsengpässe, da vielerorts, wie im Goldbergbau, die aktuellen Minen auslaufen und es nur wenige neue Projekte in der Entwicklungspipeline gibt, um deren Platz einzunehmen. Natürlich ist das ein gutes Vorzeichen für die zukünftigen Chancen der fortschrittlichsten Entwickler, die bereits mit allen Genehmigungen für ihr Projekt ausgestattet sind. Wenn Sie auf diese setzen, dann werden Sie in den kommenden Jahren große Freude daran haben.

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Über den Autor
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Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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