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Investment in Weizen – darauf sollten Sie achten

Für Investoren, die sich für den Agrar-Rohstoff Weizen interessieren, gibt es einiges zu beachten. Ein Überblick für Anleger:

1. Wissenswertes und Grundsätzliches zu Weizen

Weizen ist das weltweit am zweithäufigsten angebaute Getreide, nach Mais und gefolgt von Reis. In den USA bildet Weizen die viertgrößte Erntekapazität nach Mais, Sojabohnen und Heu.Weizen wird auf allen Kontinenten angebaut. Als Brotgetreide ist es ein Grundnahrungsmittel. Die spezielle Form Hartweizen verwendet man zur Herstellung von Teigwaren .Auch als Futter in der Tiermast wird es verwendet.

Der Anbau: Der Weizen stellt an sich hohe Anforderungen an Klima, Boden und Wasserversorgung.Obwohl die Weizenpflanzen kurzzeitig bis Minus 20 Grad Celsius frostresistent sein können, bevorzugen sie ein warmes und trockenes Klima.

Winter- und Sommerweizen: Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Winter – und Sommerweizen. Der Großteil des angebauten Weizens (in den USA und auch Europa) ist Winterweizen. Denn er hat grundsätzlich einen großen Vorteil gegenüber allen anderen Getreidesorten. Seine Kornerträge liegen mit durchschnittlich 60- 70 dt/ha über allen anderen.Der Winterweizen wird im Herbst ab Mitte September, bis spätestens Dezember ausgesät.

Die Saat keimt und überwintert schließlich. Die Ernte erfolgt im Sommer des darauf folgenden Jahres. Etwa bis Juli.Der Sommerweizen dagegen wird im Frühjahr ausgesät. Er benötigt keine Vegetationsruhephase, seine Entwicklung ist also frühzeitiger abgeschlossen. Doch liegen seine Kornerträge auch deutlich unter denen des Winterweizens.In Deutschland zum Beispiel werden nur 10 % der Weizenanbaufläche mit Sommerweizen ausgesät.

Die größten Produzenten: Die größten Weizenproduzenten sind China, Indien, die USA, Russland, Frankreich, Kanada, Australien und Deutschland.Noch im Jahr 2005 wurde 630 Millionen Tonnen Weizen geerntet. Inzwischen wird es von Jahr zu Jahr weniger.

2. Weizensorten, Ernte und Saat

In den USA handelt man mit drei wichtigen Weizensorten: Soft Red Winterweizen, Hard Red Winterweizen und Hard Red Sommerweizen. Obwohl alle drei Sorten bzw. –klassen Ähnlichkeiten in den saisonalen Preistrends aufweisen, beschäftigen wir uns mit jeder Klasse einzeln.

Soft Red Winter Wheat (Winterweizen): Trader handeln den Soft Red Winterweizen an der Chicago Board of Trade. Farmer bauen ihn hauptsächlich im östlichen Corn Belt der USA von den US-Bundesstaaten Missouri bis Michigan an. Die größten produzierenden US-Bundesstaaten sind Ohio, Missouri, Illinois, Indiana und Arkansas.

Diesen Weizen verarbeitet man hauptsächlich zu Mehl, welches in Kuchen, Keksen und Crackers Verwendung findet. Soft Red Weizen enthält weniger Proteine als die Hartweizen-Klassen (Hard Red Winter und Hard Red Spring).

Hard Red Winter Wheat (Winterweizen): Den Hard Red Winter Weizen handeln Trader an der Kansas City Board of Trade. Er stellt die größte Klasse dar. Der US-Bundesstaat Kansas ist der größte Produzent von Hard Red Winter-Weizen in den USA. Hard Red Winter-Weizen bauen Farmer auch in den Great Plains an, von Texas bis South Dakota.

Neben Kansas sind die größten Produzenten-Staaten Oklahoma, Texas, Colorado und Nebraska. Das aus Hard Red Winter-Weizen gewonnene Mehl wird vornehmlich für die Herstellung von Brot verwendet. Im Allgemeinen enthalten die Hartweizen-Klassen mehr Proteine als die Soft-Sorten.

Aussaat und Ernte: Die Aussaat des Winterweizens beginnt in den nördlichen Anbaugebieten der USA im September. Sie setzt sich in den südlicheren Regionen im Oktober fort. Der Winterweizen keimt im Herbst bis im Winter der Frost einsetzt. Der Keimling ruht in der Erde bis zum nächsten Frühjahr und wächst bis zum Sommer. Die Ernte beginnt im Juni/Juli.

Saisonaler Aufwärtstrend vom Winterweizen: Der saisonale Aufwärtstrend beginnt mit der Aussaat des Winterweizens Anfang September. Während der Aussaat kommt es auf Wetterbedingungen an. Heftige Niederschläge, frühe Frosteinbrüche oder eine späte Trockenheit behindern die Aussaat-Phase.

Während der Ruhe-Phase der Pflanze im Winter beeinträchtigen starke Temperaturwechsel die Pflanze und schmälern die Ernteerträge. Insbesondere bei einer fehlenden Schneedecke, die den Keimling in der Ruhe-Phase schützt. Der Aufwärtstrend endet im Januar/Februar mit der February Break (Februar-Pause). Bei Weizen kommt es im Januar /Februar oft zur February-Break. Farmer verkaufen zum Beispiel aus steuerlichen Gründen einen großen Teil der letztjährigen Ernte.

Saisonaler Abwärtstrend vom Winterweizen: Der saisonale Abwärtstrend beginnt bis zur Ernte im Juni/Juli. Während dieser Wachstumsphase der Pflanze kann es zu zwischenzeitlichen Preishüpfern kommen. Beispielsweise wenn extreme Wetterverhältnisse die Bestäubung gefährden. Zudem gilt es in dieser Zeit den Sommerweizen im Auge zu behalten. Mit der neuen Aussaat beginnt im September ein neuer saisonaler Aufwärtstrend.

Hard Red Spring Wheat (Sommerweizen): Den Hard Red Spring Wheat handelt man seit 1881 an der Minneapolis Grain Exchange (MGEX). Hard Red Spring Wheat ist die einzige große Weizen-Klasse, deren Aussaat im Frühjahr stattfindet. Bei den Wintersorten findet sie im Herbst statt.

Hard Red Spring Wheat enthält als Hartweizen-Sorte im Allgemeinen einen höheren Anteil an Protein. Deshalb verwednet man das Mehl des Sommerweizens hauptsächlich für die Herstellung von Brot.

Hard Red Spring Wheat wird in den Great Plains der USA angebaut. Die größten produzierenden US-Bundesstaaten sind North Dakota, South Dakota, Minnesota, und Montana. Ein großer Teil der Sommerweizen-Ernte geht in den Export. Die Hauptabnehmerländer sind Japan, Taiwan, Süd-Korea und die Philippinen.

Aussaat und Ernte: Die Aussaat des Sommerweizens beginnt in den USA Ende März/Anfang April. Die Preise steigen zu Beginn der Aussaat. Die Preisspitze schließt mit dem Ende der Aussaat Ende April ab. Für diesen zwischenzeitlichen Aufwärtstrend gelten die üblichen Faktoren: Spekulationen in Bezug auf die Anbaufläche und mögliche Verzögerungen in Bezug auf die Aussaat. Hier kann sich die Aussaat aufgrund unterschiedlicher Wetterbedingungen verzögern, wie beispielsweise plötzliche Kälteeinbrüche, heftige Niederschläge oder Trockenheit.

Nach Beendigung der Aussaat gehen die Preise in den saisonalen Abwärtstrend über. Während der Wachstumsphase kommt es zu zwischenzeitlichen Preisspitzen. Insbesondere, wenn der Sommer heiß und trocken ist. Das führt zu sinkenden Erträgen. Oder wenn beispielsweise der Winterweizen einen geringeren Proteingehalt aufweist, was zu einer wachsenden Nachfrage nach Sommerweizen führt.

Ernte des Hard Red Sommerweizens: Der saisonale Abwärtstrend endet zum Ende des Sommers, etwa im August. Kurz vor der Ernte im September. Mit dem Herbst beginnt ein Aufwärtstrend, der zu Beginn des neuen Jahres in einen Abwärtstrend übergeht. Die Preisspitze unterbricht den Trend vor und während der Aussaat im April. Mit Ausnahme des saisonalen Hochs während der Aussaat im April bewegt sich der Sommerweizen im saisonalen Trend analog zur Winterweizen-Preisentwicklung.

3. Anbaugebiete von Weizen in den USA

Ein Überblick über die Anbaugebiete der drei wichtigsten Weizen-Klassen in den USA ist wichtig für Anleger. Denn gerade bei Agrarrohstoffen (wo die Wetterverhältnisse einen so großen Einfluss auf die Preisentwicklung nehmen) ist es gut zu wissen, wo überhaupt das jeweilige Getreide angebaut wird, um tatsächlich einschätzen zu können, welche Wetterverhältnisse, in welchem Teil der USA überhaupt die Ernte beeinträchtigen können.

Anbaugebiete für Hard Red Spring Wheat (Sommerweizen) in den USA:

Quelle: Minnesota Association of Wheat Growers (MAWG)

Anbaugebiete für Hard Red Winter Wheat (Winterweizen) in den USA:

Quelle: MAWG

Anbaugebiete für Durum und Soft Red Winter Wheat (Winterweizen) in den USA:

Quelle: MAWG

(zur Erklärung: Durumweizen ist ein spezieller Hartweizen, der vor allem für die Herstellung von Pasta, Nudeln aber auch Pizzateig genutzt wird.)

Ein abschließende Bemerkung: Saisonale Preistrends sind nicht der einzige Hinweis auf die künftige mögliche Preisentwicklung eines Agrarrohstoffs und sollten deshalb auch nie als alleiniger Faktor ausschlaggebend für eine Handlungsentscheidung sein. Vielmehr gilt es so viele fundamentale, aber auch technische Faktoren wie möglich zusammen zu tragen und daraus eine Entscheidung abzuleiten – wobei aber die saisonalen Trends als einer der wichtigsten Faktoren in die Überlegungen mit einzubeziehen sind.

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Über den Autor Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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