MenüMenü

Diese Zeitbombe wird den nächsten Crash auslösen

Es ist der größte staatliche Eingriff seit der Wirtschaftskrise vor zehn Jahren. In den USA sollen die Regeln für den gesamten Bankensektor dramatisch gelockert werden. Zahlreiche Großinstitute würden demnach von Auflagen befreit und nicht mehr als systemrelevant eingestuft.

Dazu zählen die größten Banken des Landes und solche, die am Ausbruch der Wirtschaftskrise beteiligt waren. Durch die Deregulierung dürfte der Grundstein für die nächsten Zombiebanken und den nächsten Crash gelegt werden.

Trump und die Deutsche Bank

Dass Donald Trump gute Kontakte zur Deutschen Bank hat, ist kein Geheimnis. Als dem US-Präsidenten keiner mehr Geld geben wollte, öffnete die Deutsche Bank ihre Schatulle, und vergab umfangreiche Kredite an Trump. Jetzt könnte gerade die Deutsche Bank von einem Gesetzentwurf profitieren, der schon bald verabschiedet werden dürfte. Zehn Jahre nach der Pleite von Lehman Brothers und der schwersten Wirtschaftskrise aller Zeiten soll der gesamte Bankensektor wieder deutlich dereguliert werden.

Banken sollen von der Leine gelassen werden

Das Gesetz trägt den Namen S. 2155 und den Titel „Economic Growth, Regulatory Relief, and Consumer Protection Act“. Im Kern geht es darum, Banken im Rahmen einer Staffelung von Auflagen und Regulierungen zu befreien. So soll die Grenze, ab denen Banken als systemrelevant eingestuft werden, von 50 auf 250 Milliarden Dollar an Vermögenswerten angehoben werden.

25 der 38 größten Banken in den USA würden damit nicht mehr besonders reguliert und überwacht werden. Zudem soll die Grenze, ab denen sich Banken dem sogenannten Stresstest unterziehen müssen, von 50 auf 100 Milliarden angehoben werden. Für Banken mit Vermögenswerten von 100 bis 250 Milliarden Dollar soll der Stresstest in 18 Monaten wegfallen.

Internationale Konzerne gehören zu den Profiteuren

Vom neuen Gesetz profitieren aber nicht nur US-Banken. Auch die Töchter internationaler Banken kommen in den „Genuss“. Beispielsweise die Deutsche Bank, die Credit Suisse, Barclays und Santander. Gerade Santander ist mehrmals durch den amerikanischen Stresstest gefallen. Und profitiert jetzt von den lockeren Regeln.

Die Deutsche Bank gehörte zu den Schlüsselfiguren im US-Subprime-Spiel, das Auslöser für den Fast-Zusammenbruch des Finanzsystems war. Die US-Tochter hat eine Bilanz von 150 Milliarden. Und würde damit unter die neue Schwelle fallen. Als Hausbank von Donald Trump.

MH370: Wirtschaftskrimi und große Vertuschung oder alles übertrieben?Wenn Sie meine Kolumnen schon länger lesen, dann wissen Sie, dass ich nicht immer nur über das unmittelbare Wirtschafts- und Börsengeschehen schreibe. Viel mehr geht es mir darum, auch immer… › mehr lesen

Mit der Deregulierung dürften die Amerikaner auch einen erneuten globalen Wettlauf um die geringsten Anforderungen für Großbanken starten. Die Europäer sind schon seit Längerem für weniger strenge Kapitalmarktvorschriften. Auch wenn niemand offen und gerne darüber spricht. Für Brüssel sind die Entwicklungen in den USA deshalb ein gefundenes Fressen.

Nichts aus der Geschichte gelernt

Mit der zu erwartenden Deregulierungswelle sind nicht nur erhebliche Risiken für den Steuerzahler verbunden, sondern auch massive Risiken für das Finanzsystem und den Aktienmarkt. Schon einmal stand das Finanzsystem am Abgrund. Ein völliger Zusammenbruch konnte nur in allerletzter Minute durch koordinierte Aktionen der Notenbanken verhindert werden.

Unter den Folgen leidet die Welt bis heute. Die Geldpolitik und das unkontrollierte Aufpumpen der Geldmenge hat die Basis gelegt für die nächsten Turbulenzen. Derzeit riecht es sehr stark nach einer Wiederholung der Geschichte. Anleger sollten sich vorbereiten.

 

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
thomas-schwarzer
Thomas Schwarzer

Thomas Schwarzer ist ein Wirtschafts- und Börsenexperte mit ausgeprägter Erfahrung im Wirtschafts- und Börsenjournalismus.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Thomas Schwarzer. Herausgeber: FID Verlag GmbH. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz