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Vor- und Nachteile des „japanischen Modells“

Heute vorerst abschließend noch einige Zeilen zum Thema Japan. Da ich auf Reisen bin, nichts „Tagesaktuelles“….sondern einige zeitlosere Zeilen.

Und zwar erinnere ich mich noch ziemlich genau, dass ich im Februar 1987 meine ersten Aktien gekauft habe. Darunter auch „Sony“-Papiere. Vielleicht war es ein Unglück, dass ich damals 200 DM Gewinn machte, denn so wurde ich „angefixt“ und blieb beim Thema Börse. Wenn ich 200 DM Verlust gemacht hätte, hätte sich das vielleicht erledigt und ich hätte einen „anständigen Beruf“ ergriffen. Wer weiß.

Im April 1987 befand sich Japan jedenfalls in einem unglaublichen Wirtschaftsboom. Vielleicht erinnern Sie sich noch: Das „japanische Modell“ wurde in Management-Büchern als Vorbild dargestellt, in den USA gingen Befürchtungen vor massiven Landkäufen der Japaner um. Angeblich soll der Grundstückspreis des Kaiserpalastes in Tokio dem ganzer US-Bundesstaaten entsprochen haben.

Das war natürlich eine sehr theoretische Überlegung, da der Grund und Boden des Kaiserpalastes wohl nie verkauft worden wäre. Fakt war jedoch: Japan boomte. Ähnlich wie Deutschland hatte sich Japan nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg diesen gewaltigen Aufschwung aus eigener Kraft erarbeitet. Doch hatte dieser Aufschwung auch seine Schattenseiten. Es kam eben auf die Perspektive an:

Ist die Wirtschaft für den Menschen da oder der Mensch für die Wirtschaft?

Es herrschten in Japan unvorstellbare Arbeitszeiten, kaum jemand machte vor 20 Uhr Feierabend, die Urlaubstage wurden bis auf wenige Tage im Jahr freiwillig verfallen gelassen. Das mit den Urlaubstagen ist übrigens noch verbreitet, wie mir in Osaka vor einigen Tagen glaubhaft versichert wurde.

Im Gegenzug gab einem die Firma eine implizite Anstellungsgarantie bis ans Lebensende. Ich finde, man darf sich bei der Beurteilung einer Gesellschaftsform nicht nur den nominalen Output (nominales BIP) anschauen – sondern auch den Menschen und das Leben, welches er in so einem System führt. Und nach dieser Bewertung war das Japan der 1980er meiner Ansicht nach keineswegs vorbildlich.

Die japanischen Banken arbeiten im Boom der 1980er nach dem Schneeballsystem, als sie ihre besten Unternehmenskunden finanzierten. Mehr als 15 Jahre nach dem Höhepunkt der japanischen Spekulationsblase sind immer noch viele Kredite faul, und sie drohen, die Banken selbst kollabieren zu lassen.

Und noch einige Fakten zum Thema „JR East“:  Das ist ein klassisches „Value“-Unternehmen,  welches profitabel arbeitet. JR East hat 73 Tochter-Unternehmen, und ist an 3 Unternehmen am Kapital beteiligt. Die Substanz besteht in Immobilien und Lokomotiven. Die Bahnhöfe  gehören JR East, und es sind nicht einfach nur Stationen. Da es hier um riesige Ballungsgebiete geht, finden sich da auch Geschäfte und Restaurants und sogar Hotels. Entsprechend betreibt JR East an seinen Bahnhöfen eine eigene Restaurant-Kette (Nippon Restaurant).

Und ganz offensichtlich funktioniert dieses Geschäftsmodell. Das letzte volle Geschäftsjahr endete am 31. März 2013 (Geschäftsjahr 2013). In diesem erzielte JR East einen Umsatz von 2,67 Billionen Yen und einen operativen Gewinn von rund 0,4 Billionen Yen. Umsatz +5,5% gegenüber dem Vorjahr, operativer Gewinn +10,4%. Solide !

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur „Investoren Wissen“

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Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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