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Polen: Europas verkannter Wachstum-Star

Polen führt an der Börse inzwischen ein Schattendarsein. Das ist ungerechtfertig. Polen ist nach Russland die mit Abstand größte Volkswirtschaft in Osteuropa. Zudem ist die Wirtschaft in unserem östlichen Nachbarland weiter entwickelt als jede andere osteuropäische Volkswirtschaft  – sogar weiter als die russische Wirtschaft, die nur von dem Rohstoffreichtum des Landes lebt.

Auch die Börse ist größer und weiter entwickelt. In Polen gibt es immerhin schon ein halbwegs liquides Nebenwerte-Segement. Trotzdem übersehen viele Anleger Polen. Dafür gibt es vor allem 3 Gründe: Der 1. Grund: Polen ist zwischen den größeren Börsen in Deutschland und Russland „eingeklemmt“.

Wenn es Schlagzeilen aus Osteuropa gibt, dann kommen diese fast immer aus Russland. Polen überzeugt vielmehr durch eine unspektakuläre aber konstante Entwicklung. So was sorgt an der Börse jedoch nie für Aufsehen – macht aber bekanntlich kluge Investoren langfristig reich (Warren Buffett hat diesen Ansatz ja auf Unternehmens-Ebene zur Perfektion umgesetzt).

Das führt zum2. Grund: Die EU-Erweiterungsphantasie nach Osteuropa, die zwischen 1995 bis 2005 die Ostbörsen antrieb ist aus dem Rampenlicht der Börsen und auch der Europa-Politk verschwunden. Es war jedoch genau diese „Konvergenz-Phantasie“, die die Ostbörsen vor 10 bis 15 Jahren popular machte.

Doch während viele kleinere osteuropäische Länder inzwischen in ihren Entwicklungen feststecken oder sich sogar rückschrittig entwickeln (z.B. Ungarn), hat Polen den kritischen „Breaking Point“ in seiner Wirtschaftsentwicklung schon überschritten und wächst weiterhin überdurchschnittlich stark. Das bietet cleveren Investoren eine interessante Anlage-Alternative in Europa.

Polen: Wirtschaftswachstum von dem Europa nur träumt

Um Anlegern, vor allem Anfängern, die Börse leichter verständlich zu machen, nutze ich gerne Vergleiche aus dem Sport. Polen ist wie der Fußball-Spieler Philipp Lahm vom FC Bayern. Lahm spielt konstant, aber unspektakulär auf hohem Niveau. Er macht seine Sache exzellent, steht aber weniger im Rampenlicht als viele andere Bayern-Stars.

Russland ist beispielsweise eher wie Mario Götze: Mit allen Talenten (im Fall von Russland den Rohstoffen) gesegnet. Aber diese Talente werden nicht in konstanten Erfog umgesetzt. Es gibt gigantische Ausschläge zwischen Top-Performance (WM) und Flop-Leistung (Spiele beim FC Bayern).

Das führt zu dem 3. Grund, warum Polen von der Masse der Anleger völlig falsch eingeschätzt wird: Die Wachstumsraten des bevölkerungsreichsten zentral- und südosteuropäischen Landes sind nicht mehr so spektakulär wie zwischen 1995 bis 2005. Damals wuchs die polnische Volkswirtschaft oftmals oberhalb von 5%. Selbst zwischen 2006 bis 2010 lag das durchschnittliche BIP-Wachstum bei 4,7%.

Dagegen sieht das heutige Wirtschaftswachstum von 3,0% bis 3,5% natürlich unspektakulär aus. Aber dieser Vergleich mit der Vergangenheit verzerrt die Realitäten. Wir leben heute in einer anderen Euro-Zone. Die Wirtschaftskraft ist heute wesentlich schwächer. Richtig ist ein Vergleich mit den anderen west- und osteuropäischen Staaten im Jahr 2015.

Und da zeigt sich das wahre Potential von Polen: Das Wirtschaftswachstum für die EU wird laut der Europäischen Kommission in 2015 gerade mal bei 1,8% liegen. Die polnische Wirtschaft wächst mit 3,4% also fast doppelt so stark wie der Euro-Raum. (Erwartetes Wirtschaftswachstum für die USA: 3,1%). Kein anderes osteuropäisches Land in der Euro-Zone wächst annährend so stark wie Polen. Kluge Anleger setzen den polnischen Aktienmarkt auf ihre Watchlist.

Have a successful day,

Ihr

Daniel Wilhelmi

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Über den Autor Daniel Wilhelmi

Daniel Wilhelmi ist Jahrgang 1972 und gehört zu der „neuen Generation“ der Finanzjournalisten, die das Erbe der großen bekannten Namen aus TV und Zeitungen antreten.

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