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Eurozone: Inflationsrate sinkt, Kerninflation steigt

Inhaltsverzeichnis

Die Inflationsrate in der Eurozone ist von 8,5 % im Februar auf 6,9 % im März gesunken, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat vorgestern mit den finalen Daten mitgeteilt hat. Damit wurde der vorläufig gemeldete Wert erwartungsgemäß bestätigt.

Die Inflation in der Eurozone schwächt sich damit deutlich ab. Das ist die gute Nachricht für Sie als Anleger und als Verbraucher. Jetzt kommen zwei schlechte Nachrichten. Sitzen Sie?

Erstens: Dieser Rückgang bedeutet NICHT, dass Waren billiger werden. Sie werden nur etwas weniger schnell noch teurer. Und zudem ist dieser „verlangsamte Anstieg“ der Teuerung mehr einem statistischen Effekt geschuldet (dem „Basiseffekt“) und nicht etwa dem heldenhaften Einsatz einer Zentralbank gegen die Inflation.

Da bei den Vergleichsdaten vor einem Jahr bestimmte Waren/ Energie auch schon sehr teuer waren, fällt die weitere Preissteigerung jetzt nicht mehr so stark ins Gewicht. Man vergleicht also hohe Preise mit noch etwas höheren Preisen und bekommt dadurch die Inflation (den Preisanstieg zum Vorjahr) vermeintlich „in den Griff“.

Aber eben nur vermeintlich. Denn gegenüber dem Vormonat stiegen die Verbraucherpreise im März immer noch um 0,9 %, nach einem Anstieg um 0,8 % im Februar. Auch hier wurde der vorläufig gemeldete Wert bestätigt.

Eurozone: Inflationsrate sinkt, Kerninflation steigt

Zweitens: Neben der „normalen“ Verbraucherpreis-Inflation gibt es noch die sogenannte Kernrate, bei der die stark schwankungsanfälligen Preise für Energie, Alkohol, Tabak und Nahrungsmittel ausgeklammert werden. Man könnte auch sagen: die unverzichtbaren Dinge werden hier ausgeklammert.

In der Kernrate sehen wir leider einen Anstieg, der sich munter fortsetzt. Kein Basiseffekt, kein Rückgang, kein Garnichts. Die Kernrate stieg im Jahresvergleich mit 5,7 %. Damit wurde im März ein neuer Höchstwert erreicht, nach 5,6 % im Februar.

Eine weiter steigende Kernrate bei einer insgesamt rückläufigen Inflation ist ein ungewöhnliches Phänomen. Normalerweise gehen beide Inflationsarten zeitgleich zurück. Diesmal könnten wir einen Hinweis darauf sehen, dass die Inflation nur schlummert und eventuell bald wiederauflebt.

Sind wir mitten in einer Lohn-Preis-Spirale?

Eine mögliche Ursache: Die extrem hohen Lohnabschlüsse, die die Gewerkschaften zuletzt erzwungen haben, fressen sich jetzt durch die Preise (etwa für Dienstleistungen, Fahrkarten, kommunale Gebühren etc. die alle in der Kernrate enthalten sein können). Dies könnte ein früher Hinweis auf eine Lohn-Preis-Spirale sein.

Immerhin gibt es momentan auch einen Lichtblick. Bisher waren die Energiepreise die größten Preistreiber. Diese trugen auf Jahressicht jetzt aber nicht mehr zu der hohen Preissteigerung bei. Auf Jahressicht gingen diese sogar um 0,9 % zurück. Das ist nicht viel, aber es ist ein echter Preisrückgang. Allerdings auch hier nur, weil Energie im März 2022 NACH dem russischen Angriff auf die Ukraine bereits teuer war.

Ausgerechnet das wird immer teurer

Der Anstieg der Preise von Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabak beschleunigte sich hingegen weiter. Hier ging es sogar besonders schlimm zur Sache mit einem Anstieg im März auf Jahressicht von 15,5 % nach 15,0 % im Februar. Dieser Anstieg könnte den Gewerkschaften sogar neue Argumente für noch höhere Lohnforderungen liefern.

Was die Gesamtsituation für alle Beteiligten in Zukunft noch schlimmer machen wird, wenn diese Erfolg haben. Deshalb heißt es ja auch Lohn-Preis-Spirale und nicht Lohn-Preis-Schleife oder so.

Dabei geht es uns Deutschen im vergleich noch einigermaßen gut. In den drei baltischen Staaten ist die Inflation noch deutlich höher: Lettland (17,3 %), Estland (15,6 %) und Litauen (15,2 %). Außerhalb der Eurozone war die Inflationsrate im EU-Land Ungarn, das mit dem Forint über eine eigene Währung verfügt, mit 25,6 % nochmals höher.

Wie lange taugen europäische Aktien noch als Inflationsschutz?

Aktien gelten bis zu einer Inflationsrate von 4 % bis maximal 6 % als guter Inflationsschutz. Dieser rate nähern wir uns in der Eurozone (allerdings „von oben“). Bis jetzt hat das Konzept auch einigermaßen gut funktioniert, wenn auch unter hohen Schwankungen. Sollte die Inflation jedoch nicht weiter zurückgehen, wird es auch für europäische Aktien gefährlich.